Samsung-Chip-Arbeiter streiken für KI-Gewinne
Wirtschaft

Samsung-Chip-Arbeiter streiken für KI-Gewinne

Ab dem 21. Mai planen bis zu 50.000 Samsung-Beschäftigte einen 18-tägigen Streik. Sie fordern einen Anteil an den Halbleitergewinnen, die dank des KI-Booms um das 48-fache gestiegen sind.

16. Mai 2026, 12:40 Uhr 756 Wörter · 4 Min. Lesezeit

53,7 Billionen Won Betriebsgewinn in einem einzigen Quartal, ein Anstieg um das 48-fache im Jahresvergleich. Die Samsung-Beschäftigten, die in Hwaseong und Pyeongtaek diese KI-Chips produzieren, werden davon offiziell nichts sehen. Eine interne Bonusobergrenze deckt ihren Anteil bei 50 Prozent des Grundgehalts, egal wie profitabel das Jahr läuft. Ab dem 21. Mai streiken bis zu 50.000 von ihnen. Es wäre der größte Ausstand in der Geschichte des Konzerns.

Der 48-fache Gewinn kommt bei den Arbeitern nicht an

Samsung Electronics meldete für das erste Quartal 2026 einen Betriebsgewinn von 53,7 Billionen Won in seiner Halbleitersparte, nach eigener Angabe ein Anstieg um das 48-fache gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres. 94 Prozent des gesamten Unternehmensgewinns stammten damit aus einem einzigen Segment: dem Verkauf von Speicherchips für KI-Rechenzentren.

Auslöser des Booms ist HBM (High Bandwidth Memory). Diese Technologie stapelt Speicherchips vertikal übereinander und verbindet sie durch Siliziumdurchkontaktierungen, was die Speicherbandbreite für KI-Berechnungen dramatisch erhöht. Nvidia verbaut diese Chips in seinen KI-Beschleunigern der H-Serie, auch Tesla und andere Rechenzentrumsbetreiber kaufen massenhaft bei Samsung. Jeder HBM-Chip benötigt laut Branchenangaben etwa dreimal so viel Wafer-Kapazität pro Gigabyte wie ein gewöhnlicher DDR5-Speicher.

Doch an der Lohnentwicklung zeigt sich die Kluft: Die Samsung-Gewerkschaft NSEU (National Samsung Electronics Union) mit rund 36.000 Mitgliedern verhandelt seit Monaten, ohne Ergebnis. Besonders auffällig: Beschäftigte in der Memory-Chip-Abteilung verdienen laut Gewerkschaft sechsmal weniger als Kollegen in der Logic-Division, obwohl ihre Abteilung 94 Prozent des Konzerngewinns erwirtschaftet.

Die Gewerkschaft fordert 15 Prozent des Gewinns

Die NSEU fordert, dass 15 Prozent des Betriebsgewinns als Gewinnbeteiligung an die Beschäftigten ausgeschüttet werden. Hinzu kommt eine Lohnerhöhung von sieben Prozent und die Abschaffung einer internen Regelung, nach der Boni auf maximal 50 Prozent des Grundgehalts begrenzt sind, unabhängig davon, wie profitabel das Unternehmen agiert. Das ist die eigentliche Sprengkraft der Forderung: Selbst in einem Jahr, in dem der Gewinn um das 48-fache steigt, erhalten Beschäftigte nicht automatisch mehr als die Hälfte ihres Monatsgehalts als Bonus.

Die Unternehmensleitung lehnt die Forderungen als existenzbedrohend für die globale Wettbewerbsfähigkeit ab. Samsungs Argument: Die unterschiedlichen Marktbedingungen zwischen Memory-Sparte und Logic-Sparte rechtfertigten differenzierte Vergütungssysteme. Für Memory-Chips laufe das Geschäft gut, für Logic-Chips stünden die Margen unter Druck.

Diese Einschätzung ist nicht unberechtigt: SK Hynix, Samsungs wichtigster Konkurrent in der HBM-Produktion, hat bei einigen Vergütungsmodellen bereits Zugeständnisse gemacht und gilt als Verhandlungsmaßstab für die NSEU. Die Gewerkschaft argumentiert, Samsung müsse mindestens gleichziehen. Verhandlungen scheiterten zuletzt am 12. Mai. Bis zum Streikbeginn am 21. Mai bleiben fünf Tage.

Ein Ausstand gefährdet den globalen KI-Chip-Nachschub

Samsung produziert HBM-Chips in seinen Halbleiterfabriken in Hwaseong und Pyeongtaek. Ein 18-tägiger Streik würde die Fertigung von HBM4, der neuesten Chip-Generation für Nvidia-Beschleuniger, direkt unterbrechen. JPMorgan schätzt den Gewinnausfall auf 21 bis 31 Billionen Won, umgerechnet 14 bis 21 Milliarden Dollar, also rund 700 Millionen Dollar täglich.

Es wäre nicht der erste Streik bei Samsung. Im Jahr 2024 legten etwa 5.000 Beschäftigte für drei Tage die Arbeit nieder, damals ohne dauerhaften Schaden für die Produktion. Ein 18-Tage-Ausstand in einer Phase maximaler Nachfrage wäre von anderer Größenordnung. SK Hynix und Micron würden als Alternativlieferanten profitieren, sind aber mit ihren eigenen Kapazitäten bereits ausgelastet.

Südkoreanische Medien berichten, dass Premierminister Han Duck-soo einen Krisenkoordinationsstab einberufen hat. Die Regierung fordert beide Seiten zur Einigung auf und verweist auf die Bedeutung der Chip-Lieferketten für die internationale Technologieversorgung.

Der Streit illustriert eine strukturelle Spannung, die sich in mehreren Ländern zeigt: KI-Investitionen generieren Gewinnrekorde bei wenigen Konzernen, während Produktionsarbeiter über Bonusobergrenzen und Lohnerhöhungen verhandeln müssen. In China hat ein Gericht 2026 entschieden, dass Entlassungen wegen KI-Einführung nicht ohne Weiteres zulässig sind. Australische Gewerkschaften haben Klauseln für KI-bedingte Jobverluste in Tarifverträge aufgenommen. Samsung ist der erste Fall, in dem ein Arbeitskampf unmittelbar in die KI-Lieferkette eingreift.

Verhandlungen am 19. und 20. Mai, letzte Chance vor dem Streik

Am Dienstag und Mittwoch, 19. und 20. Mai, finden die letzten geplanten Verhandlungsrunden statt. Sollten sie ohne Ergebnis enden, beginnt der Streik am 21. Mai. Für Samsung steht dabei mehr auf dem Spiel als ein einzelner Lohnstreit. Das Unternehmen liegt bei der HBM4-Entwicklung ohnehin hinter SK Hynix zurück und hat zuletzt Qualitätsprobleme bei der Lieferung an Nvidia öffentlich eingestanden. Ein 18-Tage-Streik zu diesem Zeitpunkt würde den Rückstand gegenüber dem Konkurrenten vergrößern und Kunden wie Nvidia zu Käufen bei SK Hynix zwingen, was langfristig deren Lieferantenbeziehung stärken würde.

Die NSEU hat ihrerseits wenig Anlass nachzugeben: Die öffentliche Aufmerksamkeit für die Verteilungsfrage beim KI-Boom ist größer als je zuvor und ein Einlenken ohne substanzielle Zugeständnisse würde die Gewerkschaft intern schwächen. Beide Seiten sitzen in einer Pattsituation, in der die wirtschaftlichen Kosten eines Streiks für Samsung höher sein könnten als jede Lohnerhöhung.

Quellen (8)

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