Schwarze Löcher bestätigen Hawking nach 50 Jahren
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Schwarze Löcher bestätigen Hawking nach 50 Jahren

Das Gravitationswellen-Signal GW250114 vom Januar 2025 war das klarste, das LIGO je empfangen hat. Physiker konnten damit erstmals gleichzeitig zwei zentrale Theorien bestätigen: Hawkings Flächentheorem von 1971 und Kerrs Metrik von 1963.

11. Mai 2026, 16:43 Uhr 836 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Zwei Schwarze Löcher kollidierten am 14. Januar 2025, rund 1,3 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt. Das Signal, das dabei entstand, war das klarste, das die Detektoren LIGO, Virgo und KAGRA je empfangen haben. Physiker konnten damit erstmals gleichzeitig zwei zentrale Theorien Schwarzer Löcher direkt bestätigen: Hawkings Flächentheorem von 1971 und Kerrs Metrik von 1963. Beide Vorhersagen warteten seit Jahrzehnten auf ein Signal, das gut genug war. GW250114 war es.

Was Hawking 1971 vorhergesagt hat

Stephen Hawking formulierte 1971 eine Vorhersage, die auf den ersten Blick einfach klingt: Die Gesamtfläche des Ereignishorizonts eines Schwarzen Lochs kann niemals kleiner werden. Der Ereignishorizont ist die Grenzfläche, ab der keine Information mehr entkommen kann. Wenn zwei Schwarze Löcher verschmelzen, muss die Fläche des entstehenden Schwarzen Lochs mindestens so groß sein wie die Summe beider Ausgangsflächen, niemals kleiner.

Hawking nannte das Zweite Gesetz der Schwarzen-Loch-Mechanik, in bewusster Analogie zum Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik. Die Parallele ist kein Zufall: Hawking vermutete, dass Schwarzen Löchern eine Entropie innewohnt, die mit ihrer Oberfläche zusammenhängt. Das Theorem folgt aus Einsteins Feldgleichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie, war aber bis 2025 nie direkt experimentell nachgewiesen worden.

Parallel dazu steht Roy Kerrs Metrik von 1963. Der neuseeländische Mathematiker löste Einsteins Feldgleichungen für rotierende Objekte und beschrieb damit präzise, wie Raum und Zeit in der Nähe eines drehenden Schwarzen Lochs verzerrt werden. Die Kerr-Lösung macht konkrete Vorhersagen über die Schwingungsfrequenzen, in denen ein Schwarzes Loch nach einer Kollision nachklingt, ähnlich einem angeschlagenen Weinglas. Auch Kerrs Metrik war bisher nie direkt mit diesen Schwingungsfrequenzen getestet worden.

Warum GW250114 alles andere übertrifft

Das Signal vom 14. Januar 2025 übertraf nach Angaben der LIGO-Virgo-KAGRA-Kollaboration alle bisherigen Gravitationswellenmessungen. Das Signal-zu-Rausch-Verhältnis betrug laut der im September 2025 in Physical Review Letters veröffentlichten Studie (arXiv: 2509.08054) bis zu 80, gegenüber einem Wert von 42 beim bisherigen Bestwert. Geraint Pratten von der Universität Birmingham beschrieb es: „GW250114 ist das lauteste Ereignis, das wir jemals eingefangen haben. Das Signal ist vergleichbar mit einem lauten Ruf gegenüber dem anfänglichen Flüstern von 2015.“

Hinter dem Signal stecken zwei Schwarze Löcher mit je etwa 30 bis 32 Sonnenmassen, die 1,3 Milliarden Lichtjahre entfernt kollidierten. Das entstandene Schwarze Loch hat nach den Berechnungen der Forscher eine Masse von rund 63 Sonnenmassen. Der Rest, etwa eine Sonnenmasse, wurde als Gravitationswellen in die Raumzeit abgestrahlt.

Das ungewöhnlich klare Signal ermöglichte erstmals die Messung von Obertönen des Kerrschen Spektrums. Obertöne sind kurze, hochfrequente Nachschwingungen nach der Hauptkollision, ähnlich den Obertönen beim Anschlagen einer Glocke. Sie klingen schnell ab und lassen sich nur dann zuverlässig isolieren, wenn das Signal weit über dem Rauschen liegt. Der erste Kerr-Oberton wurde mit GW250114 erstmals mit 4,1 Sigma Signifikanz nachgewiesen, ein Wert der in der Astrophysik als starker Beleg gilt, aber knapp unterhalb der in der Hochenergiephysik üblichen 5-Sigma-Schwelle für eine gesicherte Entdeckung liegt.

Was die zwei Bestätigungen bedeuten

Für Hawkings Flächentheorem: Das Forschungsteam zeigte, dass die Ereignishorizontfläche nach der Verschmelzung messbar größer war als die Summe der beiden Ausgangsflächen. Das Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik erklärte nach Auswertung der Daten: „Mit dieser klaren Bestätigung von Hawkings und Kerrs Theorien erhalten wir bisher die stärksten Belege dafür, dass Schwarze Löcher den Gesetzmäßigkeiten von Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie folgen.“

Für Kerrs Metrik: Die gemessenen Oberton-Frequenzen lagen innerhalb von 30 Prozent des vorhergesagten Kerrschen Spektrums. Das ist keine millimetergenaue Übereinstimmung, aber für eine Messung, die bisher schlicht nicht möglich war, ein historischer Fortschritt. Die erste Gravitationswellendetektion im Jahr 2015 bewies, dass Gravitationswellen existieren. GW250114 zeigt, wie präzise sie Einsteins Theorie in den extremsten bekannten Regionen des Universums testen können.

Was physikalisch auf dem Spiel steht: Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie ist die erfolgreichste Beschreibung der Gravitation, gilt aber klassisch, also ohne Quanteneffekte. In unmittelbarer Nähe eines Schwarzen Lochs, wo Raum und Zeit am extremsten verzerrt sind, könnten die Grenzen der Theorie liegen. Jede Messung, die Hawkings und Kerrs Vorhersagen bestätigt, ist eine Bestätigung, dass Einstein auch dort noch recht hat.

Eine Einschränkung, die Physiker im Kopf behalten: Hawking stellte sein eigenes Theorem später infrage. Mit der Hawking-Strahlung, einer quantenmechanischen Vorhersage von 1974, zeigte er, dass Schwarze Löcher über astronomisch lange Zeiträume Masse verlieren. Das würde schließlich auch die Fläche des Ereignishorizonts verringern, also gegen Hawkings klassisches Flächentheorem verstoßen. GW250114 testet die klassische Version des Theorems. Die Frage, ob Quanteneffekte es außer Kraft setzen, bleibt offen.

Einstein-Teleskop: Was ab 2033 möglich wird

Das nächste Kapitel ist bereits in Planung. Das Einstein-Teleskop soll in der Euregio Maas-Rhein an der belgisch-niederländisch-deutschen Grenze entstehen und ab 2033 in Betrieb gehen. Die unterirdische Dreiecksanlage mit zehn Kilometern Seitenlänge wird empfindlicher sein als alle heutigen Detektoren und soll Schwarze Löcher bis zu den Rändern des beobachtbaren Universums erfassen können.

Was mit GW250114 eine seltene Ausnahme war, könnte mit dem Einstein-Teleskop zur Routine werden. Die Anlage ist auf Hunderttausende Gravitationswellenereignisse pro Jahr ausgelegt. Das würde Tests wie den von GW250114 zu statistisch belastbaren Stichproben machen. Die offene Quantenfrage hinter Hawkings Theorem, ob Hawking-Strahlung das klassische Flächengesetz langfristig außer Kraft setzt, ließe sich damit in Reichweite bringen. Hawkings Theorem wartete 50 Jahre auf die erste Bestätigung. Die nächste Generation hat nicht so lange Zeit.

Quellen (10)

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