Wie Trumps Familie die Präsidentschaft versilbert
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Wie Trumps Familie die Präsidentschaft versilbert

Vier Milliarden Dollar Einnahmen und Papiervermögen in weniger als zwei Jahren: Trumps Söhne kassieren über Pentagon-Verträge und Kryptounternehmen, Kushner über saudische Staatsfonds und ein umstrittenes Albanien-Projekt. Das Muster hat System.

3. Juni 2026, 3:08 Uhr 940 Wörter · 5 Min. Lesezeit

In den drei Tagen vor seinem zweiten Amtsantritt lancierte Donald Trump eine Meme-Coin, die seinen Namen trägt. Innerhalb einer Nacht stieg der Preis um mehr als 300 Prozent, der Handelswert erreichte 13 Milliarden Dollar. Es war der erste, aber bei weitem nicht der letzte Schritt einer systematischen Versilberung des Präsidentenamts, die Familie Trump seit Januar 2025 betreibt.

Krypto als Familienunternehmen

World Liberty Financial, ein Kryptounternehmen, das Trumps ältere Söhne Donald Jr. und Eric mitgegründet haben, ist zum zentralen Vehikel der Familienbereicherung geworden. Im vergangenen Jahr kaufte ein Investmentvehikel aus Abu Dhabi unter der Führung von Scheich Tahnoon bin Zayed Al Nahyan 49 Prozent der Anteile für 500 Millionen Dollar. Davon flossen nach Berichten von CBC News und Bloomberg rund 187 Millionen Dollar direkt an Entitäten der Trump-Familie.

Auch Barron Trump, der 20-jährige Sohn des Präsidenten, profitierte: Sein geschätztes Vermögen beläuft sich auf rund 150 Millionen Dollar, das nahezu vollständig auf Anteilen an World Liberty Financial basiert. Seit Amtsantritt seines Vaters hat das Unternehmen seinen Stablecoin USD1 mit einer Marktkapitalisierung von 2,6 Milliarden Dollar auf den Markt gebracht. Der Meme-Coin $TRUMP vom 17. Januar 2025 läuft separat, ist aber ebenfalls der Trump-Familie zugerechnet: Der Präsident und seine Söhne hielten bei Spitzenkurs zusammen ein Papiervermögen von rund fünf Milliarden Dollar.

Rüstungsverträge und Aktiengewinne

Eric Trump ist Chief Strategy Officer einer Firma namens Foundation Future Industries. Diese erhielt einen Pentagon-Vertrag über 24 Millionen Dollar. Trumps Verteidigungsministerium vergab diesen Auftrag, während Eric Trumps Vater im Weißen Haus sitzt und die Vergabebehörde kontrolliert. Eine offizielle Erklärung zum Vergabeverfahren steht aus.

Donald Trump Jr. sitzt im Advisory Board des Drohnenherstellers Unusual Machines, wofür er 200.000 Aktien als Vergütung erhielt. Der Aktienkurs stieg unmittelbar nach Bekanntgabe seiner Ernennung. Don Jr. profitiert außerdem von American Bitcoin, einem Kryptounternehmen, das er mitgegründet hat. Bis Ende 2025 hatte er dort nach eigenen Angaben Gewinne von rund 80 Millionen Dollar erzielt.

Kushner: Albanien, Saudi-Arabien und eine Sonderstaatsanwaltschaft

Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn und ehemaliger Berater im Weißen Haus, baute seine Investmentfirma Affinity Partners nach dem Ende von Trumps erstem Amtszeitraum vor allem mithilfe von Geldern aus Saudi-Arabien auf. Der saudische Staatsfonds transferierte nach Berichten des US-Senatsfinanzausschusses mehrere Milliarden Dollar an Affinity Partners, nachdem Kushner seinen Regierungsposten verlassen hatte. Kushner war in diesem ersten Amtszeitraum unter anderem für den Nahost-Friedensplan zuständig und verhandelte direkt mit saudischen Regierungsvertretern.

Aktuell sorgt ein 1,4 Milliarden Dollar schweres Tourismusprojekt für Proteste: Kushner plant an Albaniens Vjosa-Narta-Küstenlandschaft und der Insel Sazan ein Luxusresort mit 10.000 Hotelplätzen und Villenplätzen. Die albanische Regierung von Premier Edi Rama genehmigte das Projekt im Dezember 2025. Seitdem demonstrieren Hunderte in Tirana unter dem Motto „Albanien gehört den Albanern”. Die albanische Spezialstaatsanwaltschaft für Korruptionsbekämpfung (SPAK) untersucht nach Angaben von ZEIT Online und Euronews, ob bei den Genehmigungen 2024 Gesetzesverstöße vorlagen.

Ein Geheimdienstchef ohne Geheimdienstkenntnisse

Tulsi Gabbard schied Ende Mai als Direktorin des Nationalen Geheimdienstkoordinators (DNI) aus. Als kommissarischen Nachfolger ernannte Trump Bill Pulte, einen Wohltäter der besonderen Art: Pulte ist bekannt durch großangelegte Geldgeschenke auf X, zuvor unter Trumps Führung Direktor der Federal Housing Finance Agency (FHFA) und Aufsichtsvorsitzender von Fannie Mae und Freddie Mac. Er hält beide Ämter weiter. Geheimdienstberufung hat er keine.

Das Gesetz, das nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erlassen wurde, verlangt ausdrücklich „umfangreiche Erfahrung in nationaler Sicherheit” für den DNI-Posten. Der republikanische Senator John Cornyn aus Texas, kein Trump-Kritiker, sagte öffentlich: „Ich sehe keinen Hinweis auf seine Qualifikationen für den Job.”

Der gescheiterte Entschädigungsfonds

Parallel lancierte das Justizministerium Pläne für einen 1,776 Milliarden Dollar schweren Entschädigungsfonds. Der Fonds sollte Personen entschädigen, die nach Eigenangabe Opfer politischer Strafverfolgung geworden seien. Zu den möglichen Begünstigten hätten auch Verurteilte des Kapitolsturms vom 6. Januar 2021 gehört.

Die Pläne wurden fallen gelassen, nachdem eine Richterin des Bezirksgerichts Washington die Umsetzung vorläufig stoppte und republikanische Senatoren öffentlich Druck gemacht hatten. Mehrheitsführer John Thune erklärte, er hoffe, das Weiße Haus werde den Fonds selbst aufgeben. Es tat es.

Ein Muster, das sich wiederholt

Die Kombination dieser Fälle beschreibt kein Zufallsmuster. Ein Meme-Coin drei Tage vor Amtsantritt, arabische Staatsgelder für den Schwiegersohn, ein Pentagon-Vertrag für Erics Firma, ein Geheimdienstchef, der keine Geheimdienstkenntnisse hat: Jeder dieser Fälle wäre in einer anderen westlichen Demokratie ein Skandal. In der aktuellen US-Administration häufen sie sich im Wochentakt.

Ob Kongress oder Justiz dem gegensteuern, ist offen. Das Repräsentantenhaus liegt in republikanischer Hand und hat keine Untersuchungsausschüsse zu den Familiengeschäften eingesetzt. Die Gerichte können einzelne Maßnahmen stoppen, wie beim Entschädigungsfonds. Dem Gesamtmuster setzen sie bisher wenig entgegen. Die Demokraten im Kongress haben mehrfach Auskunftsverlangen gestellt, unter anderem über die Senatsfinanzkommission zu Kushners Geldflüssen aus Saudi-Arabien. Konkrete Konsequenzen blieben aus.

Update 5. Juni, 07:10 Uhr: Die US-Ethikbehörde OGE veröffentlichte Anfang Mai die Handelsmeldungen für das erste Quartal 2026. Das Dokument verleiht dem Bereicherungsvorwurf eine neue Dimension: In 90 Tagen tätigte Trumps Familien-Trust mehr als 3.600 Transaktionen im Volumen von 220 bis 750 Millionen Dollar. Mehrere Käufe folgen einem auffälligen Muster. Nvidia-Aktien für bis zu fünf Millionen Dollar wurden Anfang Januar erworben, eine Woche bevor Trumps Regierung Nvidia die Wiederaufnahme von Chip-Exporten nach China erlaubte. AMD-Aktien landeten im Trust kurz vor einer gleichlautenden Exportgenehmigung. Palantir folgte im ersten Quartal, bevor das Heimatschutzministerium dem Datenanalyseunternehmen einen Milliardenvertrag für Abschiebungssoftware zusprach. Das plastischste Beispiel ist Dell: Seit dem 28. Januar empfahl Trump das Unternehmen wiederholt öffentlich, sein Sohn Barron liebe Dell-Computer und forderte alle auf, sich eines zu kaufen. Am 10. Februar kaufte der Trust Dell-Aktien für bis zu fünf Millionen Dollar, im März folgten drei weitere Käufe. Am 27. Mai vergab das Pentagon einen Vertrag über 9,7 Milliarden Dollar an Dell für die Überarbeitung von Verteidigungssoftware über fünf Jahre. Der Kurs liegt inzwischen 240 Prozent über dem Wert des ersten Kaufdatums. Trumps Sprecher erklärte, der Präsident habe die Trades nicht persönlich veranlasst; der Trust werde von Don Jr. und Eric verwaltet.

Quellen (14)

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