17 Milliarden versprochen, kein Dollar gezahlt
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17 Milliarden versprochen, kein Dollar gezahlt

Trumps Board of Peace hat von 25 Mitgliedsstaaten 17 Milliarden Dollar an Zusagen eingesammelt. Vier Monate nach der Gründung liegt der offizielle Wiederaufbaufonds für Gaza bei null Dollar, wie Insider der Financial Times berichteten.

29. Mai 2026, 8:47 Uhr 810 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos präsentierte Donald Trump im Januar 2026 sein Herzstück für den Nahen Osten: Den Board of Peace, ein internationales Gremium, das den Wiederaufbau des Gazastreifens koordinieren und finanzieren soll. 25 Mitgliedsstaaten sagten Beiträge zu, die Summe der Ankündigungen belief sich auf 17 Milliarden Dollar. Vier Monate später sind im offiziellen Weltbank-Fonds des Boards null Dollar eingegangen. Was stattdessen passiert ist, wirft grundlegende Fragen über die Glaubwürdigkeit des gesamten Gaza-Plans auf.

22. Januar 2026: Gründung in Davos mit großen Versprechen

Trump rief den Board of Peace offiziell am 22. Januar 2026 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ins Leben. Er selbst ist lebenslanger Ehrenvorsitzender. Der operative Exekutivrat vereint prominente Namen: Nahost-Sondergesandter Steve Witkoff, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, den britischen Ex-Premierminister Tony Blair, Apollo-Chef Marc Rowan sowie Außenminister Marco Rubio und Weltbank-Präsident Ajay Banga. Aus der arabischen Welt gehören der türkische Außenminister Hakan Fidan, Katars Ali Al-Thawadi und Ägyptens Geheimdienstchef General Hassan Rashad dem Gremium an.

Als Rechtsgrundlage diente die UN-Sicherheitsratsresolution 2803 vom November 2025, die nach dem US-vermittelten Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas verabschiedet worden war. Der Plan sah vor, eine palästinensische Technokratenregierung und eine internationale Stabilisierungstruppe für Gaza aufzubauen, finanziert durch den Wiederaufbaufonds der Weltbank.

Die Pledges klangen eindrucksvoll: Die USA kündigten 10 Milliarden Dollar an, die Vereinigten Arabischen Emirate 1,2 Milliarden, Saudi-Arabien, Kuwait und Katar je eine Milliarde. Zusammen mit weiteren Mitgliedsstaaten ergab sich eine angekündigte Summe von 17 Milliarden Dollar.

Das Transparenz-Problem: JPMorgan statt Weltbank

Der offizielle Kanal für die Gelder ist ein Fonds der Weltbank mit entsprechenden Berichtspflichten gegenüber den Geberstaaten. Doch der Board of Peace eröffnete parallel ein Konto bei JPMorgan Chase. Die entscheidende Frage ist, warum.

Ein Sprecher des Boards formulierte es offen: Ein Weltbank-Fonds hätte Berichtspflichten gegenüber den Gebern erfordert. Das JPMorgan-Konto hat solche Pflichten nicht. Das Board werde seine Finanzen dem eigenen Exekutivrat mitteilen, „zu einem als geeignet erachteten Zeitpunkt". Vier anonyme Insider berichteten der Financial Times am 27. Mai, dass in den offiziellen Weltbank-Fonds „null Dollar eingegangen" seien, einige formulierten es noch deutlicher: „Nicht ein einziger US-Dollar."

Ein weiteres Detail wirft Fragen auf. Trump führt eine Zivilklage über 5 Milliarden Dollar gegen JPMorgan Chase und CEO Jamie Dimon. Dass Trumps eigenes Friedensprojekt sein Geld ausgerechnet bei jenem Institut parkt, gegen das er persönlich klagt, ist ein Interessenkonflikt den die Charta des Boards nicht regelt. Sie enthält laut Carnegie Endowment for International Peace keinerlei Vorschriften zu Interessenkonflikten und keine unabhängigen Prüfmechanismen.

Was tatsächlich geflossen ist

Auf dem JPMorgan-Konto sind nach Angaben des Boards zwei Beiträge eingegangen: Marokko zahlte rund 3 Millionen Dollar für Bürokosten und Gehälter. Die Vereinigten Arabischen Emirate überwiesen 20 Millionen Dollar, ebenfalls für operative Ausgaben. Zusätzlich sagten die VAE 100 Millionen Dollar für ein Polizeiausbildungsprogramm in Gaza zu, doch diese Mittel sind eingefroren, das Programm hat nicht begonnen.

Von den angekündigten 10 Milliarden Dollar der USA floss laut einem Kongressmitarbeiter gegenüber der FT bislang nichts. Das State Department plant, 1,25 Milliarden Dollar aus bestehenden Auslandshilfe-Budgets umzuwidmen, unter anderem aus der internationalen Katastrophenhilfe und aus Peacekeeping-Mitteln. Senator Mark Kelly aus Arizona bezweifelt, dass diese Umwidmung rechtlich gedeckt ist. Von den angekündigten 17 Milliarden Dollar sind damit weniger als ein Prozent tatsächlich transferiert worden.

Senator Kellys PEACE Act und die UN-Kritik

Kelly brachte im US-Senat den PEACE Act ein: das Kürzel steht für Prohibiting Expenditures for an Accountability-Circumventing Entity. Das Gesetz würde jede Bundesfinanzierung des Boards ohne ausdrückliche Kongressgenehmigung verbieten. Kelly bezeichnete das Gremium als „nicht rechenschaftspflichtige internationale Organisation" und warf Trump vor, über eine Milliarde Dollar Steuermittel daran vorbeizuleiten.

Schärfer noch fiel die Kritik der UN-Menschenrechtsexperten aus. Das Büro des UN-Hochkommissars für Menschenrechte verurteilte den Board of Peace im März 2026 als „illegales und illegitimes Manöver mächtiger Staaten, getrieben von Nostalgie und Habgier". Die Gründung verstoße gegen das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser.

Das Carnegie Endowment für Internationalen Frieden fordert eine grundlegende Neustrukturierung: unabhängige Aufsicht, Transparenz über Mittelflüsse und klare Governance-Regeln. Das Board selbst argumentiert, der Weltbank-Fonds sei für die Wiederaufbauphase reserviert, die noch nicht erreicht sei. Tatsächlich ist Gaza weiter von Wiederaufbau entfernt als von Stabilisierung: Die Vereinbarung über eine palästinensische Technokratenregierung steht aus, internationale Sicherheitskräfte sind nicht stationiert und die 17 Milliarden bleiben dort wo sie angekündigt wurden, in Absichtserklärungen. Wann sich das ändert, hängt von politischen Entscheidungen ab, die noch niemand getroffen hat.

Quellen (11)

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