Weißes Haus im Umbau: 400 Millionen für Trumps Ballsaal
Am 31. März 2026 ordnete Bundesrichter Richard Leon einen vorläufigen Baustopp an. Zweiundvierzig Stunden später stimmte die National Capital Planning Commission trotzdem mit 8 zu 1 für den Umbau. 98 Prozent der mehr als 32.000 eingereichten öffentlichen Stellungnahmen hatten sich dagegen ausgesprochen. Genehmigt ist das Projekt nun trotzdem und die Rechtslage bleibt offen.
Von 200 auf 400 Millionen
Das Kernprojekt ist ein Ballsaal mit 22.000 Quadratfuß (rund 2.040 Quadratmeter) Fläche für bis zu 650 Gäste, entworfen als moderne Interpretation des Spiegelsaals von Versailles, ausgestattet mit Klimaanlage und zeitgemäßer Veranstaltungstechnik. Hinzu kommen ein renoviertes Oval Office mit vergoldeten Möbeln, ein neues Kino und ein umgestalteter Rosengarten. Der Abriss des Ostflügels begann am 20. Oktober 2025.
Die Kosten des Gesamtprojekts sind seit der ersten Ankündigung stetig gestiegen: von 200 Millionen Dollar im Juli 2025 auf 300 Millionen im Oktober, dann auf 400 Millionen Dollar laut einer Fortune-Analyse vom April 2026. Damit ist der Umbau das teuerste Einzelprojekt am Weißen Haus seit der Grundrenovierung unter Harry Truman in den späten 1940er-Jahren, die damals 5,7 Millionen Dollar kostete. Selbst bereinigt um die Inflation liegt Trumps Vorhaben deutlich über den historischen Vergleichswerten.
Klage, Baustopp und Genehmigung trotzdem
Der National Trust for Historic Preservation, Amerikas bedeutendste Denkmalschutzorganisation, reichte im Dezember 2025 Klage ein. Die Organisation argumentiert, der Umbau verstoße gegen den National Historic Preservation Act, der besondere Sorgfaltspflichten bei Bundesgebäuden von historischer Bedeutung vorschreibt. Das Weiße Haus wurde 1960 als National Historic Landmark ausgewiesen; der National Historic Preservation Act von 1966 schreibt für solche Gebäude besondere Sorgfaltspflichten bei Bundeseingriffen vor.
Am 31. März 2026 gab Richter Leon der Klage vorläufig recht und ordnete einen Baustopp an. In seiner Begründung hielt er fest, dies sei nicht die Art und Weise, wie Kongress und frühere Präsidenten das Weiße Haus seit Jahrhunderten verwaltet hätten. Die National Capital Planning Commission, deren Mitglieder mehrheitlich vom Präsidenten ernannt werden, ignorierte die Anordnung faktisch: Sie stimmte am 2. April 2026 mit 8 zu 1 für das Projekt. Die Hauptklage des National Trust läuft weiter.
Auf dem Baugelände wurde inzwischen ein weiteres Problem dokumentiert. Der National Park Service transportierte bis April 2026 über 2.000 Lastwagenfuhren Aushub vom Ostflügel zu den East Potomac Golf Links. Proben des Erdreichs wiesen giftige Schwermetalle nach, darunter Blei und Chrom. Die Entsorgung an einem öffentlichen Freizeitgelände löste zusätzliche Untersuchungen aus.
Wer zahlt und warum das umstritten ist
Trump hat das Projekt als vollständig privat finanziert bezeichnet. Bis Ende Oktober 2025 sollen nach Medienberichten rund 350 Millionen Dollar von Privatsponsoren zusammengekommen sein. Zu den Gebern gehören laut PBS NewsHour Technologiekonzerne wie Amazon, Apple und Meta sowie die Familie von Handelsminister Howard Lutnick. Ethikexperten warnen vor einem strukturellen Interessenkonflikt: Unternehmen, die direkt von Entscheidungen des Präsidenten abhängen, finanzieren den Umbau seines Amtssitzes.
Die Privatfinanzierungsbehauptung hat eine wichtige Ausnahme. Der Senatsausschuss für die Justiz hat zusätzlich eine Milliarde Dollar für Sicherheitsanpassungen an der erweiterten Anlage beantragt. Diese Kosten würden aus Steuergeldern finanziert. Wo der private Ballsaal endet und die staatliche Sicherheitsinfrastruktur beginnt, ist juristisch nicht klar abgegrenzt.
Ein Präzedenzfall ohne historisches Vorbild
Kein US-Präsident hat das Weiße Haus in den vergangenen hundert Jahren so grundlegend umstrukturiert wie Trump plant. Frühere Renovierungen betrafen Instandhaltung, Sicherheit oder kleinere ästhetische Anpassungen. Der Umbau unter Truman in den späten 1940er-Jahren war baulich vergleichbar tiefgreifend, wurde aber vom Kongress genehmigt und öffentlich begleitet. Trumps Vorhaben wurde ohne formelle Kongressgenehmigung für das Gesamtprojekt begonnen, gegen den ausdrücklichen Wunsch der Bevölkerung und trotz gerichtlicher Einsprüche.
Demokraten im Kongress haben Entwürfe eingebracht, die weitere kostspielige Umbauten am Weißen Haus ohne Kongresszustimmung blockieren sollen. Die Erfolgschancen im republikanisch kontrollierten Repräsentantenhaus gelten als gering. Proteste vor dem Weißen Haus begleiten die Bauarbeiten seit Monaten mit Schildern wie „No Construction, Stop Corruption“ und „Protect the People’s House“.
Vor Gericht: Hauptverfahren noch offen
Die Klage des National Trust for Historic Preservation ist weiter anhängig. Das Hauptverfahren über die Rechtmäßigkeit des Umbaus hat noch nicht begonnen. Sollte ein Gericht den Baustopp wieder in Kraft setzen, wäre das Projekt nach bereits begonnenem Abriss des Ostflügels in einer juristisch und baulich schwierigen Lage. Ein Fertigstellungsdatum hat die Trump-Administration nicht genannt. Frühere Großprojekte Trumps sind regelmäßig über Budget und Zeitplan gegangen.
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