Trump in Peking: Iran dominiert die Agenda
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Trump in Peking: Iran dominiert die Agenda

Mit Elon Musk, Tim Cook und Larry Fink im Gepäck verhandelt Trump in Peking über Zölle und Handel. Doch die Iran-Krise verdrängt den Handelsdeal zunehmend von der Tagesordnung: China soll als Wirtschaftshebel auf Teheran einwirken.

13. Mai 2026, 7:08 Uhr 759 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Seit Dienstag verhandelt Donald Trump in Peking mit Xi Jinping und er hat eine ungewöhnliche Entourage mitgebracht: Elon Musk, Tim Cook, Larry Fink und Boeing-Chef Kelly Ortberg. Der Gipfel war als Handelspoker geplant, aber im Verlauf der Vorbereitungsgespräche hat sich die Gewichtung verschoben. Der Iran-Krieg dominiert die Agenda stärker als erwartet, weil China ein wirtschaftlicher Hebel auf Teheran ist, den Washington selbst nicht besitzt. Der Council on Foreign Relations schreibt nüchtern: Bei diesem Gipfel hat China die stärkeren Karten.

Was die CEO-Entourage politisch bedeutet

Selten hat ein US-Präsident eine so hochrangige Unternehmensgruppe zu einem Staatsbesuch mitgenommen. Jeder Name der Delegation steht für ein konkretes wirtschaftliches Verletzlichkeitsprofil. Elon Musk baut in Shanghais Gigafactory mehr als die Hälfte aller weltweit verkauften Tesla-Fahrzeuge. Tim Cook hat rund 90 Prozent der iPhone-Produktion in China verankert und führt seit Jahren direkte Gespräche mit Pekinger Behörden. Larry Fink sicherte für BlackRock 2021 als erster ausländischer Vermögensverwalter eine vollständige Marktzulassung in China. Kelly Ortberg leitet einen Boeing-Konzern, dem die Auftragsrückgänge aus China seit dem Handelsstreit schwer zusetzen.

Das Signal an Peking ist eindeutig: Dies sind die Konzerne, die bei einem eskalierenden Handelskrieg als erste getroffen würden und die in Washington enormen Druck erzeugen, einen Deal abzuschließen. Dass Trump sie mitgebracht hat, zeigt Peking, welche Branchen politisch sensibel sind. Es macht die Delegation zu einem Druckmittel Chinas, nicht nur Washingtons.

Iran verdrängt den Handelsdeal von der Tagesordnung

Was in Washington als Handelsreise begann, hat sich in den Vorbereitungsgesprächen inhaltlich verschoben. China ist mit Abstand der größte Abnehmer iranischen Öls: Peking kauft trotz US-Sanktionen schätzungsweise mehr als 80 Prozent der iranischen Ölexporte ab, über verschachtelte Tankerstrukturen und Briefkastenfirmen. Das gibt Beijing einen wirtschaftlichen Hebel auf Teheran, den die USA selbst nicht haben.

CNBC berichtet, die Iran-Schwerpunktsetzung bei dem Gipfel könnte den Fortschritt bei Zöllen und seltenen Erden verzögern. Trump will, dass Peking seinen Ölkauf von Iran drosselt oder zumindest öffentlich Druck für eine Einigung in den stockenden Atomgesprächen signalisiert. Im Gegenzug könnten Handelszugeständnisse fließen. Beijing nutzt beide Themen als Verhandlungsmasse und lässt sich Zeit.

Was auf dem Verhandlungstisch liegt

Vier Stränge strukturieren die Gespräche dieser Woche. Erstens der Handelskonflikt: Die gegenseitigen Zölle von 145 Prozent auf amerikanischer und 125 Prozent auf chinesischer Seite lähmen den bilateralen Handel. Eine stufenweise Deeskalation ist erklärtes Ziel, aber keine Seite will als erste nachgeben.

Zweitens Boeing. Diplomatische Berichte nennen bis zu 500 Bestellungen chinesischer Fluglinien als mögliche Ankündigung dieser Reise. Für einen Konzern, der in China kaum noch Aufträge erhält, wäre das ein Durchbruch und Peking weiß, wie viel das wert ist. Drittens seltene Erden: Mehr als 80 Prozent der globalen Verarbeitungskapazität für Metalle wie Neodym und Dysprosium liegt in China. Die Exportbeschränkungen seit 2025 treffen US-Rüstungskonzerne direkt. Eine Lockerung ist theoretisch verhandelbar, aber für Peking ein zu wertvoller Hebel, um ihn früh aufzugeben.

Taiwan bildet den vierten, unsichtbaren Strang. Das Thema steht nicht offen auf der Agenda, wird aber im Hintergrund mitgedacht. Jede Formulierung einer gemeinsamen Abschlusserklärung zur Taiwan-Frage wird in Taipeh und in Washington sorgfältig gelesen werden.

Chinas struktureller Vorteil

Der Council on Foreign Relations analysiert, dass China gestärkt in diesen Gipfel geht. Peking hat die vergangenen Jahre genutzt, um wirtschaftliche Abhängigkeiten zu diversifizieren und den Binnenkonsum aufzubauen. Die Volkswirtschaft leidet unter dem Handelsstreit, aber China braucht keinen schnellen Abschluss so dringend wie Trump, der bis zu den Zwischenwahlen im November 2026 innenpolitische Erfolge vorweisen muss.

Die Washington Post schreibt, Durchbrüche seien unwahrscheinlich. Der Gipfel sei eher ein erster Schritt zur Stabilisierung als ein Moment konkreter Einigung. Politisch kompliziert wird das durch die CEO-Delegation selbst: Musk will Teslas Shanghai-Position sichern, Ortberg braucht Aufträge, Cook will Lieferkettenstabilität, das sind teils widerstreitende Interessen, die kein einheitliches Verhandlungsmandat ergeben und die Peking in bilateralen Gesprächen gezielt gegeneinander ausspielen kann.

Die wichtigsten Gespräche stehen noch aus

Die zentralen bilateralen Gespräche zwischen Trump und Xi sind für den 14. und 15. Mai geplant. Nach dem ersten Tag in Peking gibt es noch keine öffentlichen Ankündigungen, diplomatisch üblich für ein Treffen dieser Dimension, bei dem Ergebnisse erst am Ende kommuniziert werden. Absichtserklärungen zählen mehr als unterschriebene Verträge und beides braucht Zeit.

Was Trump beim Rückflug als Erfolg verkaufen kann, entscheidet sich in den nächsten 48 Stunden. Wenn die Schlagzeilen über Boeing-Aufträge und einen Agrardeal sprechen, reicht das innenpolitisch für das Wahljahr. Wenn dagegen die Iran-Frage offen bleibt oder Peking zu wenig Druck auf Teheran zusagt, kehrt Trump mit leeren Händen zurück, während die Atomgespräche auf einem einseitigen US-Entwurf festsitzen, den Teheran als völlig inakzeptabel bezeichnet hat. Für die CEO-Entourage ist die Frage, die sie nach Hause begleitet, eine andere: Wer hat mehr erreicht. Trump oder Beijing?

Quellen (7)

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