Peking-Gipfel: 200 Boeing-Jets, Hormuz-Deal, Taiwan fehlt
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Peking-Gipfel: 200 Boeing-Jets, Hormuz-Deal, Taiwan fehlt

Trump und Xi haben sich in Peking auf ein Handelspaket und eine gemeinsame Hormusposition geeinigt. Taiwan taucht in der Abschlusserklärung nicht auf, die Abwesenheit ist politisch bedeutsamer als jede Formulierung, die drin stehen könnte.

15. Mai 2026, 4:59 Uhr 712 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Chinas Bestellung von 200 Boeing-Flugzeugen war die ausdrücklichste Handelsankündigung des Pekinger Gipfels. Die Boeing-Aktie fiel dennoch um mehr als vier Prozent: Die Finanzmärkte hatten 500 bis 600 Jets erwartet. Das ist in Kurzform das Ergebnis des zweitägigen Treffens zwischen Donald Trump und Xi Jinping, signifikant, aber hinter den Erwartungen.

Das Handelspaket und was darin fehlt

China hat neben den 200 Flugzeugen zugesagt, US-Sojabohnen und Flüssiggas in zweistelliger Milliardenhöhe zu kaufen. Boeing-Chef Kelly Ortberg war eigens nach Peking gereist und saß an Trumps Tisch beim Staatsbankett. Trump erklärte am Rande: „Boeing wollte 150, sie bekommen 200." Zeitgleich genehmigte Washington die Ausfuhr von Nvidia H200-Chips an zehn chinesische Unternehmen, darunter Alibaba, Tencent, ByteDance und JD.com. Investoren interpretierten das als begrenzte Konzession: Die Restriktionen für Nvidias leistungsfähigste Chipgeneration bleiben unberührt.

Auf der Ebene der eigentlich erwarteten Handelsgespräche blieb der Gipfel lückenhaft. Kein Abbau bestehender Zollsätze wurde angekündigt. Der Streit um Elektrofahrzeuge und Batterietechnologie blieb ungelöst. US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer sprach von erwarteten „zweistelligen Milliardenkäufen" bei Agrarprodukten, ohne Zahlen oder Zeitrahmen zu nennen. Chinas Vizepremier He Lifeng und US-Finanzminister Scott Bessent meldeten „insgesamt ausgewogene und positive Ergebnisse" aus vorbereitenden Gesprächen. Formulierungen, die in diplomatischem Sprachgebrauch eher Nichteinigung als Einigung signalisieren.

Xi verspricht Kein Militärgerät für Teheran und Pekings Protokoll schweigt

Das diplomatisch bemerkenswerteste Zugeständnis des Gipfels kam nicht aus dem Handelsbereich. Xi Jinping soll Trump beim Treffen versichert haben, China werde Iran kein militärisches Gerät liefern. Trump nannte das eine „große Aussage". Beide Seiten einigten sich auf eine gemeinsame Position zur Straße von Hormus: Sie müsse für den freien Energietransport offen bleiben, Iran könne keine Atommacht werden.

Die Einschränkung liegt im chinesischen Protokoll. Das Außenministerium in Peking erwähnte Iran und die Hormusproblematik in seiner offiziellen Zusammenfassung des Gipfels mit keinem Wort. Was die USA als chinesische Zusage kommunizieren, deckt Peking öffentlich nicht. China bleibt damit in seiner Iranpolitik zweigleisig: Staatliche Schiffe erhalten weiterhin Durchfahrtsgenehmigungen durch Hormus unter bilateralen Vereinbarungen mit Teheran, während Peking gegenüber Washington andere Botschaften sendet. Chinas offizielles Außenministeriumsstatement zum Gipfel betonte „Kerninteressen" und den Wunsch nach „strategischer Stabilität", beides Formulierungen, die Peking in der Regel für Beziehungen verwendet, in denen es strukturell im Vorteil ist.

Taiwan: Das abwesende Wort in der Abschlusserklärung

Xi Jinping wiederholte seine Eröffnungsposition: „Taiwanische Unabhängigkeit und Frieden in der Taiwanstraße schließen sich aus wie Feuer und Wasser." Trump wich Reporterfragen zu Taiwan aus. Die Abschlusserklärung des Gipfels enthält kein einziges Taiwan-Statement.

Das Fehlen ist keine Entspannung. Der Unterschied zwischen Washington und Peking bei Taiwan wurde nicht überbrückt, sondern nur nicht zu Papier gebracht. Taipeh beobachtete den Gipfel mit wachsender Sorge: 14 Milliarden Dollar an ausstehenden US-Rüstungsverkäufen an die Insel stehen nach Trumps Signal, Waffenlieferungen mit Peking besprechen zu wollen, in einer Grauzone. Das Council on Foreign Relations hatte vor Gipfelbeginn festgehalten, China gehe strukturell gestärkt in diese Gespräche, eine Einschätzung, die das Ergebnis nicht widerlegt.

Der wichtigste ungelöste Konflikt des gesamten Gipfels hat wenig mit Flugzeugbestellungen zu tun: Seltene Erden. China kontrolliert nach Angaben des US Geological Survey mehr als 85 Prozent der globalen Verarbeitungskapazitäten für kritische Elemente wie Terbium und Dysprosium, die in F-35-Kampfjets, Windturbinen, KI-Rechenzentren und Waffenleitsystemen verbaut werden. Chinas Exportvolumen seltener Erden in die USA liegt nach Branchenberechnungen rund 50 Prozent unter dem Vorkrisenstand. Eine Lockerung der chinesischen Exportkontrollen wurde in Peking nicht vereinbart.

Weißes Haus am 24. September und was bis dahin geklärt sein muss

Beim Staatsbankett in der Großen Halle des Volkes lud Trump Xi Jinping und seine Frau Peng Liyuan für den 24. September 2026 ins Weiße Haus ein. Beide Seiten vereinbarten als Rahmenformel eine „konstruktive, strategisch stabile" Beziehung für die nächsten drei Jahre und darüber hinaus. Es sind Worte ohne Mechanismus: Kein Streitschlichtungsverfahren, kein gemeinsamer Ausschuss, kein Monitoring.

Der Gegenbesuch im September kommt nach einem kritischen Vorzeichen: Die Suspendierung eines zweiten chinesischen Kontrollpakets für Seltene-Erden-Exporte endet im November 2026, also nach dem Weißen-Haus-Treffen, nicht davor. Wenn bis September kein Abkommen über Seltene Erden vereinbart wird, läuft die Uhr ab. Trump kehrt mit einem Handelspaket zurück, das die Finanzmärkte enttäuscht hat, einer mündlichen Iran-Zusage, die Peking öffentlich nicht bestätigt und einem Taiwan-Kapitel, das blank blieb. Xi kommt am 24. September nach Washington. Was bis dahin konkret vereinbart wird, entscheidet, ob Peking und Washington wirklich strategische Stabilität meinen oder nur ihren nächsten Termin geplant haben.

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