Ukraine sperrt Krim: Tschonhar-Brücke zweimal getroffen
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Ukraine sperrt Krim: Tschonhar-Brücke zweimal getroffen

Die Tschonhar-Brücke, einer der drei verbliebenen Landzugänge zur besetzten Krim, wurde zwei Nächte hintereinander durch ukrainische Drohnenangriffe beschädigt und für den Verkehr gesperrt. Auf der Halbinsel herrscht Benzinrationierung, Urlauber benötigen Sondergutscheine für die Heimreise.

9. Juni 2026, 12:41 Uhr 744 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Wer in diesem Sommer auf der von Russland besetzten Krim Urlaub machen wollte, braucht mittlerweile Sonderbezugsscheine, um genug Benzin für die Rückreise zu bekommen. In der Nacht auf Dienstag haben ukrainische Drohnen die Tschonhar-Brücke zum zweiten Mal in Folge beschädigt; die Überfahrt bleibt für den Verkehr gesperrt. Kiew hat damit eine neue Phase seiner Krimabriegelungsstrategie eingeleitet: Neben Angriffen auf Versorgungskonvois richtet sich der Fokus nun auf die physische Infrastruktur selbst.

Drei Zugänge, zwei unter Beschuss

Die Krim ist eine Halbinsel, aber wirklich isoliert ist sie nicht: Drei Landzugänge verbinden die von Russland 2014 annektierte Halbinsel mit dem Festland. Die Kertschbrücke im Osten, seit dem ukrainischen Angriff 2022 für schwere Militärtransporte weitgehend gesperrt, gilt als dauerhaft geschwächt. Im Norden führen zwei Routen auf die Halbinsel: die Straße über Perekop und die Querung bei Tschonhar, rund 170 Kilometer westlich davon.

Wladimir Saldo, Chef der russischen Besatzungsverwaltung im Gebiet Cherson, bestätigte auf Telegram die Sperrung nach der zweiten Nacht in Folge. Fahrer müssten auf den weitaus längeren Umweg über Perekop ausweichen. Wie lange Reparaturen dauern werden, teilte Saldo nicht mit.

Die Angriffe auf Tschonhar sind Teil einer seit Mai laufenden Operation Kyjiws. Zunächst griffen KI-gesteuerte Hornet-Drohnen auf der Fernstraße zwischen Mariupol und der Krim fahrende Versorgungskonvois an und zerstörten nach ukrainischen Angaben mehr als hundert Militärfahrzeuge und Tanklastwagen. Jetzt kommen direkte Infrastrukturattacken hinzu: Wer die Fahrzeuge auf einer Strecke nicht stoppen kann, kann stattdessen die Strecke selbst unpassierbar machen.

Benzin, Treibstofflager und ein Zug

Parallel zu den Brückenangriffen griffen ukrainische Drohnen das Treibstofflager Semikolodesjanska sowie das Ölterminal im Hafen von Feodosija an. Das Depot Semikolodesjanska dient den russischen Streitkräften als Umschlagpunkt für die Kraftstoffversorgung der Truppen; der Hafen von Feodosija wird als Notversorgungsroute für die Halbinsel genutzt. Angaben zum Ausmaß der Schäden machte Russland zunächst nicht.

Ebenfalls in den vergangenen Tagen: Eine ukrainische Drohne traf einen Passagierzug auf der Krim. Nach russischen Angaben starb dabei ein Mensch. Das ukrainische Militär bestätigte den Angriff als Teil der laufenden Infrastrukturkampagne.

Die Kombination dieser Angriffe ergibt ein Bild: Ukraine zielt nicht mehr nur auf fahrende Fahrzeuge, sondern gleichzeitig auf Straßenverbindungen, Lagerkapazitäten und Bahntrassen. Die Folgen spüren bereits die Menschen auf der Halbinsel: Auf der Krim herrscht Benzinrationierung, an Tankstellen bilden sich lange Warteschlangen. Touristen müssen Sondergutscheine vorweisen, um für die Heimreise ausreichend Kraftstoff zu erhalten.

Russlands Antwort: Drohnen über Saporischschja

Russland hat die Krim-Angriffe nicht unbeantwortet gelassen. Am Montag, dem 8. Juni, traf eine russische Drohne ein Wohngebäude im Gebiet Saporischschja. Zwei Frauen starben, 18 Menschen wurden verletzt, darunter vier Kinder und zwei Jugendliche, bestätigte der Chef der regionalen Militärverwaltung, Iwan Fedorow.

Saporischschja liegt unmittelbar an dem von Russland besetzten Gebiet und dient der Ukraine gleichzeitig als logistisches Hinterland für Operationen in Richtung Krim. Russlands Luftstrategie zielt regelmäßig auf Wohngebiete und zivile Infrastruktur in der Region. Militärbeobachter werten das als Reaktion auf den zunehmenden Druck auf die Krimversorgung.

Die russischen Angriffe zeigen das strategische Dilemma Moskaus: Es kann die ukrainischen Drohnenangriffe auf die Kriminfrastruktur nicht vollständig abwehren und weicht auf zivile Ziele aus. Das erhöht den internationalen Druck, schafft aber keine neue militärische Realität auf der Halbinsel.

Wenn Perekop die letzte Route bleibt

Solange die Tschonhar-Brücke gesperrt bleibt, ist Perekop die letzte unbeeinträchtigte Landverbindung zur Krim. Die Route über Perekop ist länger und enger als die über Tschonhar, was Versorgungstransporte verlangsamt und die Anfälligkeit gegenüber weiteren Drohnenangriffen erhöht. Ob Kiew die Frequenz der Tschonhar-Angriffe aufrechterhalten kann, hängt von der eigenen Drohnenproduktion und russischen Abwehrmaßnahmen ab.

Russland hat in den vergangenen Wochen versucht, einen Ersatzkorridor entlang der Küste des Asowschen Meeres zu nutzen. Aber auch dort spüren ukrainische Drohnen mittlerer Reichweite Militär- und Treibstofflastwagen auf. Drei Verbindungsrouten, drei unterschiedliche Angriffsmethoden: Das ist die Logik der ukrainischen Strategie. Für Moskau bedeutet das: Keine Route zur Krim ist noch zuverlässig sicher.

Selenskyj telefonierte nach dem Londoner Gipfel, bei dem Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Premierminister Keir Starmer und der ukrainische Präsident sich zu Verteidigung und Diplomatik abgestimmt hatten, mit den US-Vermittlern Steve Witkoff und Jared Kushner. Laut dem ukrainischen Büro ging es um die Wiederbelebung diplomatischer Initiativen zur Beendigung des Krieges.

Das Parallelgeschehen von Infrastrukturangriffen und Vermittlungsgesprächen ist keine strategische Inkonsistenz. Je stärker die Versorgungslage auf der Krim unter Druck gerät, desto teurer wird Russlands militärische Präsenz dort. Der G7-Gipfel in Évian-les-Bains beginnt in sechs Tagen. Frankreich hat das Treffen als Plattform für Diplomatik im Ukrainekonflikt angelegt. Wie viel Verhandlungsdruck sich aus der Krim-Entwicklung ableiten lässt, hängt davon ab, ob Moskau bis dahin öffentlich anerkennt, wie empfindlich seine Versorgungslinien geworden sind.

Quellen (9)

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