Erster Vorwahl-Verlust 2026: Iowa wählt gegen Trump
37,8 zu 37 Prozent: Weniger als ein Prozentpunkt Unterschied entschied in Iowas Gouverneursvorwahl vom 2. Juni. Zach Lahn, ein mit dem Gesundheitsprogramm von RFK Jr. verbundener Unternehmer, besiegte den von Trump unterstützten Kongressabgeordneten Randy Feenstra. Es ist das erste Mal in den Midtermvorwahlen 2026, dass ein Trump-Kandidat bei einer Gouverneurswahl, Kongresswahl oder Senatswahl eine innerparteiliche Abstimmung verliert.
Iowa in Zahlen: Wie knapp Feenstra verlor
Randy Feenstra ist seit 2021 Abgeordneter des vierten Kongresswahlkreises Iowas. Trump hatte ihn spät in der Kampagne öffentlich unterstützt. Lahn, der bisher vor allem durch seine Verbindungen zur sogenannten MAHA-Bewegung (Make America Healthy Again) von Robert F. Kennedy Jr. bekannt war, profitierte zusätzlich von der Unterstützung des früheren Kongressabgeordneten Steve King, den Feenstra seinerseits in einer Vorwahl 2020 besiegt hatte. Bei 99 Prozent der ausgezählten Stimmen lag Lahn bei 37,8 Prozent, Feenstra bei 37 Prozent.
In der Gouverneurswahl im November trifft Lahn auf den Demokraten Rob Sand, den amtierenden Staatsrechnungsprüfer Iowas. Sand hatte keine Mitbewerber in der demokratischen Vorwahl. Dass der Gouverneursposten in Iowa überhaupt als wettbewerbsfähig gilt, wäre vor einem Jahr noch unvorstellbar gewesen: Iowa hat seit 2011 keine Demokratin und keinen Demokraten mehr als Gouverneurin oder Gouverneur gehabt.
Demokraten setzen auf Paralympiasieger Turek
Getrennt davon gewann Josh Turek die demokratische Vorwahl für Iowas offenen US-Senatssitz mit 62,6 zu 37,4 Prozent über den demokratischen Staatssenator Zach Wahls. Turek ist zweifacher Paralympicssieger im Rollstuhlbasketball und sitzt als Vertreter von Council Bluffs im Westiowan, einem der republikanischsten Teile des Bundesstaates, im Staatsparlament. Dort gelang ihm der Gewinn eines Mandats, das zuvor als sicher galt.
Im November trifft er auf die republikanische Kongressabgeordnete Ashley Hinson, die ebenfalls Trumps Unterstützung hat. Der Senatssitz wurde frei, weil die Republikanerin Joni Ernst nach zwei Amtszeiten nicht wieder antrat. Iowa wählte Trump 2024 mit 13 Prozentpunkten Vorsprung; die Zahl registrierter Republikaner übersteigt die der Demokraten um annähernd 200.000. Dass der Sitz jetzt als potenziell kompetitiv gilt, ist ein Signal, das nationalen Wahlanalysten Aufmerksamkeit abverlangt.
Trumps Zustimmung: Tiefer als vor der 2018-Welle
Die Iowa-Ergebnisse kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Trumps Zustimmungswerte auf ihren tiefsten Stand seit Amtsantritt gefallen sind. Laut The Hill liegt der Netto-Zustimmungswert aktuell bei minus 25 Prozentpunkten. Eine YouGov-Umfrage vom 1. Juni zeigt, dass 70 Prozent der Unabhängigen Trumps Amtsführung ablehnen. Das entspricht einem Rückgang von rund 18 Prozentpunkten gegenüber seinem Ergebnis mit Unabhängigen bei der Wahl 2024. Eine Economist/YouGov-Umfrage ergab, dass 64 Prozent der Amerikaner Trumps Umgang mit dem Iran-Krieg missbilligen.
Zum Vergleich: Bevor die Demokraten bei den Midterms 2018 einen Nettogewinn von 41 Sitzen im Repräsentantenhaus erzielten, lag Trumps Nettowert unter Unabhängigen bei etwa minus 19 Prozentpunkten. Er ist heute weiter im Minus. Wichtige Treiber des Niedergangs sind die gestiegenen Benzinpreise. Umfragen zeigen, dass 72 Prozent der Amerikaner sagen, Kraftstoff sei teurer geworden, dazu kommt die anhaltende Inflation, die trotz Aktienmarktgewinnen bei einem erheblichen Teil der Bevölkerung ankommt.
Sechs Monate bis November: Worauf es ankommt
In Kalifornien, das am 2. Juni ebenfalls wählte, führt der Demokrat Xavier Becerra mit 26,7 Prozent gegenüber dem Republikaner Steve Hilton mit 26,4 Prozent in der Gouverneursvorwahl. In Kalifornien kommen nach dem Vorwahlrecht die zwei führenden Kandidaten unabhängig von ihrer Partei in die Stichwahl. Becerra und Hilton treffen sich also im November. Der Gouverneursposten wurde frei, weil Gavin Newsom aufgrund der Amtszeitbegrenzung nicht mehr antreten durfte. Der Ausgang eines Gouverneursrennens in Amerikas größtem Bundesstaat hat bundesweit Signalwirkung.
Für den US-Senat müssten die Demokraten eine erhebliche Zahl republikanisch gehaltener Sitze gewinnen, um die Mehrheit zu erreichen. Die Umfragelage deutet auf einen Wettbewerb hin, der deutlich enger sein wird als die Midtermausgangslage zunächst erwarten ließ. Ob Trumps Zustimmungswerte bis November weiter fallen, stagnieren oder sich erholen, hängt laut Wahlforschern stark vom weiteren Verlauf des Iran-Konflikts und der Entwicklung der Energiepreise ab. Die nächste verlässliche Messung kommt mit dem G7-Gipfel in Évian Mitte Juni, der als wichtige diplomatische Station für eine Beilegung des Iran-Konflikts gilt.
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