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21.500 Wölfe in Europa: Wie das ausgerottete Raubtier zurückkehrte

21.500 Wölfe in Europa: Wie das ausgerottete Raubtier zurückkehrte

Eine internationale Studie zählt 21.500 Wölfe in 34 europäischen Ländern, 58 Prozent mehr als vor zehn Jahren. In Deutschland wuchs die Zahl von einem Rudel im Jahr 2000 auf heute 128 bestätigte Rudel.

10. April 2026, 6:04 Uhr 577 Wörter · 3 Min. Lesezeit

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts galt der Wolf in weiten Teilen Europas als ausgerottet. In Deutschland lebten über Jahrzehnte keine wildlebenden Wölfe. Heute zählt eine internationale Wissenschaftsstudie 21.500 Tiere in 34 europäischen Ländern, 58 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Der Erholungsprozess ist eines der bemerkenswertesten Naturschutzszenarien der jüngeren Geschichte und er hat in Deutschland eine politische Debatte ausgelöst, die zeigt, wie komplex Naturschutzerfolge sein können.

Was die Studie misst

Cecilia Di Bernardi und Guillaume Chapron von der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften haben gemeinsam mit rund 40 europäischen Wissenschaftlern die Wolfspopulationen analysiert. Die Studie erschien am 25. Februar 2025 in der Fachzeitschrift PLOS Sustainability and Transformation und umfasst Daten aus 34 Ländern. Die Kernzahl: 21.500 Wölfe leben heute in Europa, davon etwa 19.000 innerhalb der EU.

In 19 von 34 untersuchten Ländern wuchs die Population, in acht ist sie stabil, in nur drei rückläufig. Sieben Länder zählen inzwischen über 1.000 Tiere: Bulgarien, Griechenland, Deutschland, Italien, Polen, Spanien und Rumänien. Die Überlebensrate erwachsener Wölfe liegt europaweit bei durchschnittlich 88 Prozent pro Jahr, bei Jungtieren bei 75 Prozent. Beide Werte deuten auf gut etablierte, stabile Populationen hin.

Deutschland: Von einem Rudel zu 128

Die Zahlen für Deutschland sind besonders markant. Um das Jahr 2000 zog das erste Wolfsrudel nach über einem Jahrhundert wieder durch die Lausitz in Sachsen. Seither stieg die Population kontinuierlich: Das Bundesamt für Naturschutz bestätigt heute 128 Rudel, 35 Paare und 10 Einzeltiere. Das entspricht einer Verdopplung der Rudelzahl innerhalb weniger Jahre.

Nicht nur Wölfe kehren zurück. Auch der Luchs ist wieder präsent: Mindestens 194 Tiere leben heute in Deutschland, die meisten in Bayern. In einigen Regionen Brandenburgs und Sachsens ist die Dichte an Großraubtieren inzwischen so hoch, dass sie eine eigene politische Dynamik entwickelt hat.

Der Erfolg und seine Konflikte

Der Erholungserfolg hat eine Kehrseite, die Studie ausdrücklich benennt. Wölfe töten jährlich rund 56.000 Nutztiere in der EU. Die Schadensersatzkosten belaufen sich auf etwa 17 Millionen Euro pro Jahr. In Deutschland führte das im März 2026 zu einer politischen Konsequenz: Der Bundestag verabschiedete ein Gesetz, das unter definierten Bedingungen eine geregelte Wolfsbejagung erlaubt. Das Gesetz war das direkte Ergebnis des Drucks aus Weideregionen, wo Schafhalter und Rinderzüchter seit Jahren erhebliche Verluste melden.

Die Studienautoren sehen in dieser Entwicklung keine Niederlage für den Naturschutz, sondern eine notwendige Anpassung. Nachhaltige Köxistenz zwischen Mensch und Wolf erfordert aktives politisches Management. Länder wie die Schweiz und Norwegen haben bereits Erfahrungen damit gesammelt, regulierende Eingriffe mit Schutzprogrammen zu kombinieren.

Warum Europa eine Ausnahme ist

Die europäische Erfolgsgeschichte ist kein globaler Standard. Weltweit stehen Großraubtierbestände unter Druck. Europa gelingt die Erholung aus zwei strukturellen Gründen: Erstens bietet die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU eine verbindliche rechtliche Grundlage, die nationale Alleingänge begrenzt. Zweitens hat sich die ländliche Bevölkerungsdichte in vielen Regionen Südosteuropas in den vergangenen Jahrzehnten verringert, was Tieren neue Rückzugsräume eröffnet hat.

Was die Daten 2027 zeigen werden

Eine Folgestudie ist für 2027 geplant und soll aktuelle Populationszahlen liefern. Das deutsche Wolfsbejagungsgesetz tritt 2026 in Kraft. Seine Auswirkungen auf die Populationsentwicklung dürften erstmals in den Daten von 2028 sichtbar werden. Für Naturschutzverbände wie den NABU ist das Gesetz ein Rückschritt. Für Schafhalter ist es eine längst überfällige Reaktion auf reale Verluste. Diese Spannung dürfte die deutsche Wolfsdebatte noch Jahre prägen.

KI-gestützt erstellt

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