Anthropic beantragt Börsengang: 965 Milliarden Dollar
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Anthropic beantragt Börsengang: 965 Milliarden Dollar

Anthropic, der Hersteller von Claude, hat am 1. Juni vertraulich einen Börsenprospekt bei der SEC eingereicht. Mit 965 Milliarden Dollar Bewertung und 47 Milliarden Jahresumsatz ist das Unternehmen teurer als OpenAI und könnte als erste KI-Firma die Marke von einer Billion Dollar an der Börse knacken.

8. Juni 2026, 18:43 Uhr 790 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Fünf Jahre nach der Gründung mit der Prämisse, KI sicherer zu machen als die Konkurrenz: Anthropic hat am 1. Juni beim US-Wertpapieraufseher SEC vertraulich einen Börsenprospekt eingereicht. Mit einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar und einem hochgerechneten Jahresumsatz von 47 Milliarden ist das Unternehmen hinter Claude das teuerste KI-Startup der Welt. Anthropic gilt als Favorit auf den ersten KI-Börsengang über einer Billion Dollar Bewertung.

Was hinter dem Anthropic-Umsatz steckt

Anthropic teilte laut Fortune und CNBC beim Abschluss der Finanzierungsrunde der Series H im Mai mit, der hochgerechnete Jahresumsatz (sogenannte Run Rate) liege bei 47 Milliarden Dollar. Das ist keine Bilanzgröße, sondern eine Hochrechnung: Der aktuelle Monatsumsatz multipliziert mit zwölf. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 hatte Anthropic nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von 10 Milliarden Dollar. Das Wachstum liegt damit bei rund 370 Prozent in etwa zwölf Monaten.

Die Finanzierungsrunde brachte 65 Milliarden Dollar, angeführt von Altimeter Capital, Dragoneer, Greenoaks und Sequoia Capital. Das legt die Bewertung nach der Runde auf 965 Milliarden Dollar fest. Das entspricht dem 20-fachen des Jahresumsatzes. OpenAI, der direkte Konkurrent, wurde im März 2026 mit 852 Milliarden Dollar bewertet, bei einem gemeldeten hochgerechneter Jahresumsatz von rund 24 Milliarden Dollar, also dem rund 35-fachen. Ausgerechnet die KI-Firma, die sich als sicherere Alternative positioniert, handelt damit bei niedrigerem Bewertungsaufschlag als OpenAI.

Warum jetzt: Amazon, Google und das Timing

Das Wachstum ist ohne eine strukturelle Besonderheit schwer zu erklären. Amazon und Google haben Anthropic in früheren Runden jeweils mehrstellige Milliardenbeträge investiert und sind gleichzeitig die wichtigsten Vertriebskanäle. Claude läuft über Amazon Web Services Bedrock und Google Cloud Vertex AI; wenn ein Großkonzern Claude nutzt, tut er das in den meisten Fällen über eine dieser Plattformen. Anthropic verdient, ohne selbst Tausende Unternehmenskunden direktvertrieblich zu betreuen.

Warum der Börsengang jetzt? Fünf Jahre nach der Gründung und nach mehreren Runden privaten Kapitals gibt es zwei strukturelle Gründe. Erstens: Investoren wie Altimeter oder Sequoia brauchen irgendwann Liquidität: Ein Börsengang ist der klassische Ausstieg. Zweitens: Der Wettbewerber OpenAI erwägt Berichten zufolge ebenfalls einen Gang an die Börse. Wer als Erster handelt, definiert die Bewertungsmaßstäbe für die gesamte KI-Branche. Das vertrauliche S-1 eröffnet die Option; das Timing entscheidet sich nach der SEC-Prüfung und dem Marktumfeld.

Was der Börsengang für Nutzer und Regulierer bedeutet

Anthropic wurde 2021 gegründet, nachdem Dario Amodei und mehrere Kollegen OpenAI verlassen hatten. Die erklärte Mission lautet seitdem: KI verantwortungsvoll entwickeln. Das Unternehmen hat eine Responsible Scaling Policy verabschiedet, die Schwellenwerte definiert, bei deren Überschreitung die Entwicklung bestimmter Modelle pausiert werden soll. Eine börsennotierte Gesellschaft steht unter anderen Wachstumsdruck als ein privates Unternehmen.

Für Regulierer kommt hinzu, dass das EU-KI-Gesetz Anbietern allgemeiner KI-Modelle wie Claude seit August 2025 umfangreiche Transparenzpflichten und Evaluierungspflichten vorschreibt. Die Compliancekosten müssen im Börsenprospekt ausgewiesen werden. KI-Sicherheitsforscher weisen darauf hin, dass die Responsible Scaling Policy und der Wachstumsdruck eines börsennotierten Unternehmens in Spannung stehen können: Was passiert mit dem Pausenversprechen, wenn ein Quartal die Erwartungen verfehlt?

Bis zur SEC-Prüfung: Was noch fehlt

Das vertrauliche S-1 garantiert keinen Börsengang. Ausgabepreis, Börsenkürzel, Handelsplatz und Emissionsvolumen wurden nicht genannt. SEC-Prüfungen dauern typischerweise mehrere Monate. Branchenbeobachter gehen von einem möglichen Börsengang im Herbst 2026 aus, abhängig vom Marktumfeld.

Angaben zur Profitabilität fehlen bislang vollständig: Das vertrauliche Verfahren erlaubt es Unternehmen, Finanzdaten erst kurz vor dem öffentlichen Angebot zu veröffentlichen. Ob Anthropic Gewinne schreibt oder weiter Verluste einfährt, um das Wachstum zu finanzieren, ist unbekannt. Genau das werden institutionelle Investoren als Erstes prüfen. Im April 2026 hatte SpaceX ebenfalls vertraulich Börsenzulassungsunterlagen eingereicht, bei einer angestrebten Bewertung von 1,75 bis über zwei Billionen Dollar. Das Rennen um das erste große KI-Listing läuft.

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