250 Millionen Barrel: Was Hormus den Ölmärkten kostet
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250 Millionen Barrel: Was Hormus den Ölmärkten kostet

Seit der Hormus-Blockade haben die IEA-Länder koordiniert 426 Millionen Barrel strategische Ölreserven freigegeben, davon sind bereits 164 Millionen geflossen. IEA-Chef Fatih Birol nennt die Lage die schlimmste Energiekrise der Geschichte.

13. Mai 2026, 18:40 Uhr 650 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Seit Ende Februar hat die Hormus-Blockade die globalen Energiemärkte grundlegend verändert. Täglich fehlen der Weltwirtschaft nach IEA-Daten 13 Millionen Barrel Öl, weil die Straße von Hormus für Handelsschiffe weitgehend gesperrt ist. Im IEA Oil Market Report für Mai 2026, der heute veröffentlicht wurde, zeigen die Zahlen, wie gravierend die Lage ist: Seit Kriegsbeginn wurden weltweit Ölvorräte in einem Tempo geleert, das die IEA als historisch einmalig bezeichnet.

Das Nadelöhr und warum es diesmal anders ist

Die Straße von Hormus zwischen Iran und Oman ist das engste Nadelöhr der globalen Energieversorgung. Vor dem Krieg flossen täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl und Flüssiggasprodukte durch diese 39 Kilometer breite Wasserstraße, etwa 20 Prozent des gesamten weltweiten Ölhandels. Seit dem Ausbruch des Irankrieges am 28. Februar 2026 ist dieser Korridor für kommerzielle Tanker praktisch geschlossen.

Der Vergleich mit früheren Energiekrisen macht das Ausmaß greifbar. Bei der Ölkrise 1973 und dem Ölpreisschock 1979 verlor der Weltmarkt jeweils rund 5 Millionen Barrel täglich. IEA-Direktor Fatih Birol sagte dazu gegenüber CNBC: "Wir sehen uns der größten Energiesicherheitskrise der Geschichte gegenüber." Der aktuelle Verlust von 13 Millionen Barrel pro Tag ist fast dreimal so hoch wie bei den historischen Referenzpunkten.

Die strategischen Reserven und ihre Grenzen

Um den Ausfall abzufedern, haben die 32 IEA-Mitgliedstaaten im März eine koordinierte Reservefreigabe beschlossen, die bislang in der Geschichte der Agentur ohnegleichen ist. Laut IEA-Report wurden insgesamt 426 Millionen Barrel zur Freigabe koordiniert. Davon sind bis Anfang Mai bereits rund 164 Millionen Barrel tatsächlich in den Markt geflossen. Die USA haben aus ihrer Strategic Petroleum Reserve 172 Millionen Barrel zur Freigabe genehmigt, davon ist bislang ein Teil noch nicht am Markt angekommen und zusätzlich einen Notfallaustausch von 53,3 Millionen Barrel vereinbart.

Dazu kommt der physische Abbau der kommerziellen Lagerbestände. Im April 2026 sanken die weltweiten Lagerbestände um 117 Millionen Barrel, im März waren es 129 Millionen Barrel. Zusammengerechnet wurden allein in diesen zwei Monaten rund 250 Millionen Barrel aus dem globalen Bestand entnommen. Der Brent-Rohölpreis bewegt sich aktuell zwischen 97 und 107 US-Dollar pro Barrel, nach einem Höchststand von 119 Dollar kurz nach Kriegsbeginn. Birol warnt, die Preise spiegelten die eigentliche Lage noch nicht vollständig wider.

Was das für Deutschland und Europa bedeutet

Für Europa ist nicht der Rohölpreis das dringlichste Problem, sondern die Kerosinversorgung. 75 Prozent des europäischen Kerosins kommen aus Raffinerien am Persischen Golf, Katar und den Emiraten, deren Produktion die blockierten Wasserstraßen passieren muss. Alternativen aus den USA und Nigeria werden in die Bresche geworfen, reichen aber nicht aus, um den Rückgang vollständig zu kompensieren.

Für die deutsche Wirtschaft lassen sich die Auswirkungen in harten Zahlen messen. Der Europäische Gaspreisindex TTF ist seit Kriegsbeginn um 84 Prozent gestiegen und liegt bei 54 Euro pro Megawattstunde. Das Bundeswirtschaftsministerium hat die BIP-Wachstumsprognose für 2026 auf 0,5 bis 0,6 Prozent reduziert. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI), dessen Unternehmen besonders energieintensiv produzieren, sieht sich außerstande, eine belastbare Konjunkturprognose für das Jahr zu erstellen. Hinzu kommt, dass etwa 40 Prozent des europäischen LNG-Bedarfs vor dem Krieg aus Katar kamen und diese Lieferungen weitgehend ausgefallen sind.

Pakistan als Vermittler und Irans Bedingungen

Diplomatisch stecken die Verhandlungen fest. Pakistan fungiert als Vermittler zwischen Iran und USA. Der Iran hat einen 30-Tage-Plan vorgelegt, der eine schrittweise Wiederöffnung der Straße gegen Sanktionserleichterungen, Kriegsentschädigungen und Gespräche über das Atomprogramm vorsieht. Trump bezeichnete den Plan als inakzeptabel und lehnte ihn ab. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif erklärte sich dennoch zuversichtlich, die aktuellen Verhandlungsdynamiken könnten zu einer dauerhaften Lösung führen.

Wie lange die strategischen Reserven noch ausreichen, hängt davon ab, wie schnell eine diplomatische Einigung gelingt. Bei einem täglichen Fehlbedarf von 13 Millionen Barrel und einem bislang in den Markt geflossenen Volumen von 164 Millionen Barrel aus den IEA-Reserven steht die Frage im Raum, wann das Instrument an seine Grenzen stößt. Historisch wurden strategische Reserven nie länger als wenige Monate als Dauerlösung eingesetzt. Der IEA-Report vom Mai 2026 enthält keine Prognose, wie lange die verbleibenden Freigaben noch ausreichen.

Quellen (6)

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