Irans 14-Punkte-Plan: Erst Frieden, dann Atom
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Irans 14-Punkte-Plan: Erst Frieden, dann Atom

Iran hat am 30. April einen 14-Punkte-Gegenvorschlag auf den US-Verhandlungsplan eingereicht. Der Kernstreit: Teheran will zuerst ein dauerhaftes Kriegsende und danach erst Nuklearfragen besprechen. Washington besteht auf dem Gegenteil.

10. Mai 2026, 11:05 Uhr 825 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Teheran reichte am 30. April seinen Gegenvorschlag zu den US-Verhandlungsforderungen ein: ein 14-Punkte-Plan, der Frieden und Kriegsende an erste Stelle setzt und Nuklearfragen auf eine spätere Phase verschiebt. Washington besteht auf dem Gegenteil: nuklearbezogene Zusagen sollen parallel oder vor einem Waffenstillstand kommen. Beide Seiten verhandeln indirekt, seit ein am 8. April vereinbarter zweiwöchiger Waffenstillstand zusammenbrach, als Israel den Libanon bombardierte.

Drei Monate Krieg, vier Verhandlungsrunden

Der Krieg begann am 28. Februar 2026 mit einem gemeinsamen US-israelischen Angriff auf Iran. Pakistan übernahm früh die Vermittlerrolle, weil es als eines der wenigen Länder diplomatische Beziehungen sowohl zu Teheran als auch zu Washington unterhält und keine eigene Agenda im Hormuzkorridor hat. Ein zweiwöchiger Waffenstillstand, der am 8. April über Islamabad vereinbart wurde, zerbrach, als Israel unilateral den Libanon bombardierte. Seitdem verhandeln beide Seiten ausschließlich über pakistanische Kanäle.

Die pakistanische Verhandlungsführung liegt bei Premierminister Shehbaz Sharif, Feldmarschall Asim Munir als Armeechef und Vize-Premierminister Ishaq Dar, der gleichzeitig Außenminister ist. Auf US-Seite handeln Jared Kushner und Special Envoy Steve Witkoff. Dass ausgerechnet Kushner eine zentrale Rolle spielt, erklärt sich aus seinen Nahosterfahrungen aus Trumps erster Amtszeit sowie seinen persönlichen Verbindungen zur Golfregion.

Hormus vor Atom: Warum die Reihenfolge alles entscheidet

Irans 14-Punkte-Plan, den Al Jazeera und NPR im Detail ausgewertet haben, beginnt mit dem Kriegsende innerhalb von 30 Tagen. Danach folgen die Aufhebung der US-Seeblockade auf iranische Häfen, eine neue Regelung für den Schiffsdurchgang in der Hormusstraße, die Freigabe eingefrorener Auslandsvermögen sowie Reparationszahlungen der USA. Der Plan verlangt außerdem Garantien des UN-Sicherheitsrats gegen künftige Militärangriffe, den Abzug amerikanischer Streitkräfte aus dem Peripheriebereich Irans und ein Ende des Krieges im Libanon. Nuklearfragen: explizit auf Phase zwei verschoben. Außenamtssprecher Esmaeil Baghaei stellte das klar: "Zu diesem Zeitpunkt führen wir keine Nuklearverhandlungen."

Der amerikanische 9-Punkte-Plan setzt andere Schwerpunkte. Er verlangt ein Ende des iranischen Nuklearprogramms, eine Begrenzung der Raketenprogramme und Einschränkungen bei der Unterstützung bewaffneter Gruppen. Sanktionserleichterungen wären der Preis für diese Zugeständnisse, kommen laut US-Entwurf aber erst nach den nuklearen Zusagen. Washington betrachtet den atomaren Rahmen als Voraussetzung, nicht als Folge eines Friedensschlusses.

Die Sequenzierungsfrage ist der entscheidende Knackpunkt: Beide Seiten sind sich über die Elemente eines Deals weitgehend einig, streiten aber darüber, was zuerst kommt. Iran hat mit der Hormusblockade ein Druckmittel, das mit einer Friedenseinigung verschwindet. Washington verfügt über Sanktionen und die militärische Überlegenheit als Gegenpfänder. Keine Seite will als erste bedeutende Vorleistungen erbringen.

Das Axios-Memo und der Widerspruch

Am 6. Mai berichtete Axios exklusiv: Beide Seiten näherten sich einem einseitigen Memorandum of Understanding an. Das Dokument würde das Kriegsende erklären, einen 30-tägigen Detailverhandlungsrahmen schaffen und, laut Axios, ein iranisches Urananreicherungsmoratorium von mindestens zwölf Jahren umfassen. Die USA würden schrittweise Sanktionen aufheben und eingefrorene Gelder freigeben. Die Hormusstraße würde innerhalb von 30 Tagen nach Unterzeichnung geöffnet.

Dieser Bericht, gestützt auf anonyme Quellen, steht in merkwürdigem Widerspruch zu Teherans öffentlichen Aussagen. Sollte das Memo ein Urananreicherungsmoratorium enthalten, hätte Iran in den indirekten Gesprächen wesentlich mehr zugesagt als offiziell zugegeben. Rubio hatte am 8. Mai eine iranische Antwort noch für denselben Tag erwartet. Teheran schwieg. Iranische Parlamentarier bezeichneten den US-Entwurf als unverhandelbar.

Trump prognostizierte Ende vergangener Woche, der Krieg werde "sehr schnell vorbei sein". Das Weiße Haus hatte einen Durchbruch noch vor Ende seiner Reise nach Ostasien angestrebt.

Wenn Teheran antwortet

Pakistan kann moderieren, aber nicht ersetzen, was beide Seiten letztlich selbst entscheiden müssen. Die Hormusblockade kostet Iran täglich Exportkapazität und treibt die Rohölpreise hoch, nützt Teheran aber als Verhandlungsmasse. Washington hat keinen offensichtlichen Zeitdruck: Die Sanktionen funktionieren, die militärische Initiative bleibt. Das erklärt, warum Rubio eine Antwort am 8. Mai erwartet hatte und trotzdem keine erhielt.

Der nächste überprüfbare Moment wird Irans formelle Antwort auf den US-Memorandumsentwurf sein. Kommt sie, beginnt eine intensive technische Verhandlungsphase über die 30-Tage-Klausel. Kommt sie nicht, dürfte Washington mit einer neuen Sanktionsrunde reagieren, wie es bei früheren Deadlines dieser Art der Fall war.

Update 10. Mai, 11:00 Uhr: Irans Militär erklärte am Morgen des 10. Mai über die staatliche Nachrichtenagentur Tasnim, die Gefechte in der Straße von Hormus seien derzeit eingestellt und die Lage ruhig. Damit endet vorläufig eine Woche intensiver Scharmützel, in der Iran ballistische Raketen und Drohnen auf US-Schiffe abgefeuert hatte und die US-Marine am 8. Mai zwei iranische Tanker beschoss. Trumps Geleitschutzoperation Project Freedom mit 15.000 Soldaten hatte Washington bereits am 5. Mai auf Bitten Pakistans pausiert. Quellen im Umfeld beider Delegationen beschreiben eine Unterzeichnung des einseitigen Memorandums als unmittelbar bevorstehend; Irans formelle schriftliche Antwort auf den US-Entwurf fehlt offiziell jedoch weiterhin.

Update 10. Mai, 17:09 Uhr: Iran hat am Nachmittag des 10. Mai seine formelle schriftliche Antwort auf den US-Memorandumsentwurf über Vermittler Pakistan übermittelt. Al Jazeera und der Tagesspiegel berichten übereinstimmend unter Berufung auf Quellen in beiden Delegationen. Inhaltliche Details blieben zunächst nicht öffentlich; iranische Quellen beschreiben die Antwort als konsistent mit dem 14-Punkte-Plan, der ein dauerhaftes Kriegsende als Voraussetzung für Nukleargespräche fordert. Die Trump-Administration prüft das Dokument. Damit beginnt die entscheidende Phase: Washington muss nun entscheiden, ob es technische Gespräche über den 30-Tage-Rahmen aufnimmt oder mit einer neuen Sanktionsrunde antwortet.

Quellen (13)

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