Iran lässt Chinas Schiffe durch Hormus
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Iran lässt Chinas Schiffe durch Hormus

Rund 30 chinesische Schiffe sind seit Mittwochnacht durch die Straße von Hormus gefahren. Iran und China haben eine Regelung nach iranischen Managementprotokollen getroffen. US-Schiffe bleiben gesperrt. Was das für die Blockadestrategie Washingtons bedeutet.

15. Mai 2026, 0:37 Uhr 890 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Ein chinesischer Supertanker mit zwei Millionen Barrel irakischen Rohöls passierte in der Nacht auf Donnerstag die Straße von Hormus, koordiniert durch Irans Revolutionsgardenmarine. Rund 30 chinesische Schiffe folgten innerhalb von 24 Stunden. Teheran hat damit nicht die US-Blockade gebrochen, sondern etwas Subtileres geschaffen: ein Zwei-Klassen-System für Hormus, das die US-Strategie des maximalen Drucks in ihrer Grundlogik trifft.

Wie das Sonderabkommen mit Peking entstand

Die Initiative kam aus Peking. Chinas Außenminister und der chinesische Botschafter in Teheran baten Iran um freie Durchfahrt für chinesische Schiffe. Iran stimmte zu, unter Bedingungen: Die Schiffe operieren nach iranischen Managementprotokollen der Revolutionsgardenmarine, fahren durch einen Korridor nahe der iranischen Küste und zahlen die von Teheran erhobenen Durchfahrtgebühren. Kein formaler Vertrag, aber ein handfestes Arrangement mit klaren Profiteuren auf beiden Seiten.

China kauft fast den gesamten iranischen Rohölexport ab, bei einem globalen Marktanteil von über 90 Prozent. Teheran braucht diese Deviseneinnahmen, um den Krieg zu finanzieren. Für China ist die Lage nicht weniger dringlich: Rund ein Drittel des chinesischen Rohölbedarfs kommt über die Straße von Hormus. Strategische Reserven von knapp einer Milliarde Barrel bieten Puffer für einige Monate, doch jede weitere Woche Blockade zehrt daran. Irans Außenminister Abbas Araghtschi sprach von „tiefen Beziehungen und strategischer Partnerschaft" als Grundlage für die Regelung.

Indien, das drittgrößte Abnehmerland iranischen Öls, hat kein vergleichbares Abkommen. Neu-Delhi bezieht noch rund 300.000 Barrel täglich über Iran, überwiegend über Grauzonenmechanismen, die US-Sanktionen bisher tolerierten. Die explizite Öffnung für China und nicht für Indien zeigt die geopolitische Logik: Peking ist der einzige Akteur, der Washington außenpolitisch ebenbürtig entgegentreten kann und dem Teheran ein strukturiertes Arrangement anbieten will.

Bessents Eingeständnis: Wer wirklich unter Druck steht

US-Finanzminister Scott Bessent brachte die strategische Schieflage in der Woche vor dem Gipfel offen zur Sprache: „China hat ein viel größeres Interesse an der Wiedereröffnung der Straße als die USA." Die Aussage ist wirtschaftlich korrekt. Amerikanische Energieträger kommen überwiegend aus der westlichen Hemisphäre, amerikanische Öltanker fahren kaum noch durch Hormus. Die US-Blockade trifft also vorrangig Drittstaaten: Europas Energieversorgung, Japan, Südkorea.

In Deutschland ist die Wirkung messbar. Der ifo-Geschäftsklimaindex fiel Ende April auf 84,4 Punkte, den tiefsten Stand seit der Coronapandemie. Energie, Transportkosten und Lieferketten reagieren sensibel auf die Lage im Persischen Golf, auch wenn deutsche Unternehmen keinen direkten Iranhandel betreiben. Wer den eigentlichen Schaden der Blockade beziffern will, findet ihn weniger in Washington als in München, Tokio oder Seoul.

Araghtschi nutzte dieses Paradox für eine Kommunikationsoffensive. Die Straße sei für kommerzielle Schiffe offen, sagte er und das Hindernis seien die USA mit ihrer Blockade, nicht Iran. Der Satz ist juristisch Unsinn: Das UN-Seerechtsübereinkommen (UNCLOS) verbietet einseitige Mauterhebung in internationalen Meerengen und Iran hat UNCLOS ratifiziert. Doch diplomatisch trifft der Satz einen wunden Punkt. Iran zeigt, dass es selektiv öffnen kann. Damit ist die Universalität der US-Blockade fraglich geworden.

Trumps Dilemma zwischen Peking und Hormus

Die ersten chinesischen Schiffe passierten Hormus in der Nacht auf den 14. Mai, zeitgleich mit dem Beginn des Trump-Xi-Gipfels in Peking. Xi Jinping bot dort an, bei einer Friedenseinigung mit Iran zu vermitteln und die Straße offenzuhalten. Gleichzeitig sicherte er zu, China werde Iran keine Militärausrüstung liefern.

Für Washington entsteht damit ein taktisches Dilemma. Setzt die US-Navy chinesische Schiffe unter Druck, riskiert Washington eine direkte Konfrontation mit Peking. Lässt man die Schiffe passieren, demonstriert man, dass die Blockade selektiv unterlaufbar ist. Al Jazeera berichtete, Pekings Hilfe in der Iranfrage könnte US-Konzessionen an anderer Stelle voraussetzen, möglicherweise in der Taiwanfrage. China hat damit eine Hebelposition in zwei Konflikten gleichzeitig aufgebaut, ohne Truppen zu entsenden oder sich militärisch zu exponieren.

Araghtschi flankiert die Situation rhetorisch: Iran kritisiere nicht die Verhandlungen zwischen den USA und China. Teheran betrachte die chinesische Passage als Normalzustand, nicht als Sonderrecht. Das soll verhindern, dass andere Abnehmer, insbesondere Indien und Japan, ebenfalls Exemptionen einfordern. Käme es dazu, verlöre die Blockade jede wirtschaftliche Substanz.

Am 15. Mai muss Xi Farbe bekennen

Der zweite Gipfeltag in Peking findet am 15. Mai statt, mit geplanter Abschlusserklärung. Die entscheidende Frage: Wird Xi öffentlich Druck auf Teheran ausüben und auf eine Wiederöffnung für alle drängen oder bleibt das chinesische Engagement auf das Sonderarrangement für eigene Schiffe beschränkt?

Für Indien, Japan und Südkorea ändert sich vorerst nichts. Für Europa gilt die Blockade in vollem Umfang weiter. Falls der Gipfel scheitert und China keine weiteren Schritte ankündigt, hat Peking eine Lücke für sich allein geöffnet, die Straße für die Weltwirtschaft aber geschlossen gelassen. Das beendet die Krise nicht, reduziert aber ihre wirtschaftliche Wirkung auf den einzigen Akteur, der Iran davon überzeugen könnte, vollständig zu öffnen. Wenn Chinas strategische Interessen durch das Sonderarrangement gewahrt sind, sinkt Pekings Anreiz, für andere Länder Druck zu machen.

Update 18. Mai, 01:00 Uhr: Trotz der Einigung beim Trump-Xi-Gipfel, dass die Straße von Hormus offenbleiben müsse, spitzte sich die Lage an der Meerenge weiter zu. Am 14. Mai wurde ein Schiff rund 70 Kilometer nordöstlich des Ölhafens Fujairah von bewaffneten Personen geentert und in Richtung Iran gebracht; das britische Sicherheitszentrum bestätigte den Vorfall, ohne das Schiff namentlich zu nennen. Am 15. Mai traf ein Raketen- oder Drohnenangriff einen indischen Frachter vor der Küste Omans, der Vieh aus Afrika in die Vereinigten Arabischen Emirate transportierte. Alle 14 Besatzungsmitglieder wurden von der omanischen Küstenwache gerettet, das Schiff sank. Chinas Sonderabkommen für eigene Schiffe hat die Gefahr für andere Handelsschiffe an der Straße nicht verringert.

Quellen (9)

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