Iran-Deal: Entwurf liegt vor, Trump zögert
Zwei Delegationen haben in den vergangenen Tagen eine unterschriftsreife Vereinbarung ausgehandelt, die den Iran-Krieg zunächst einfrieren und die Straße von Hormus wieder öffnen würde. In der Nacht auf Donnerstag schossen die eigenen Streitkräfte weiter: US-Kampfjets trafen erneut Ziele bei Bandar Abbas, die Islamische Revolutionsgarde zielte auf einen US-Stützpunkt in Kuwait. Das Memorandum liegt auf dem Tisch. Donald Trump schweigt.
Was das Memorandum vorsieht
Das ausgehandelte Memorandum of Understanding, dessen Textentwurf laut Berichten von Bloomberg, ABC News und CNN fertiggestellt ist, sieht eine Abfolge konkreter Schritte vor. Unmittelbar nach Unterzeichnung würde Iran die Straße von Hormus öffnen und mit der Räumung der von ihm gelegten Seeminen beginnen. Im Gegenzug geben die USA 12 Milliarden Dollar eingefrorener iranischer Auslandsvermögen frei und heben ihre Seeblockade iranischer Häfen auf. Innerhalb von 30 Tagen soll der Schiffsverkehr durch die Meerenge auf Vorkriegsniveau zurückkehren.
Das Memorandum gilt für 60 Tage und kann einvernehmlich verlängert werden. Irans Atomprogramm ist in dem Entwurf nicht geregelt: Er enthält lediglich die Verpflichtung, während der 60-tägigen Frist über das Urananreicherungsprogramm zu verhandeln. Die Ausklammerung der Atomfrage war nach Angaben von Diplomaten die Grundbedingung Teherans für überhaupt eine Einigung. Für die US-Seite bedeutet das einen Deal mit offenem Atomproblem.
Zweiter Angriff auf Bandar Abbas in einer Woche
Während die Delegationen den Vertragstext abschlossen, führte das US-Militär in der Nacht auf Donnerstag einen Angriff auf Ziele nahe dem Flughafen Bandar Abbas durch. Fünf iranische Einweg-Angriffsdrohnen wurden zerstört, ein sechster Drohnenstart von einem Bodenkontrollzentrum verhindert. Es war der zweite US-Angriff auf Bandar Abbas innerhalb einer Woche. Seit Kriegsbeginn am 28. Februar haben US-Streitkräfte nach eigenen Angaben mehr als 24 iranische Kampfdrohnen im Wert von rund 740 Millionen Dollar abgefangen oder zerstört.
Um 1:20 Uhr GMT antwortete die Islamische Revolutionsgarde: Sie beschoss einen US-Luftwaffenstützpunkt in Kuwait, nach Auswertungen von Open-Source-Analysten wahrscheinlich die Ali-Al-Salem-Basis nahe der irakisch-kuwaitschen Grenze. Kuwaits Luftabwehr fing sämtliche Raketen und Drohnen ab. Schäden oder Verletzte gab es nach Angaben kuwaitscher Behörden nicht. Trump kommentierte weder die eigenen Angriffe noch das iranische Feuer öffentlich.
Teherans Staatsmedien kontern den eigenen Unterhändlern
Was die iranische Staatsagentur Fars kurz nach Bekanntwerden des Entwurfs verbreitete, stand im Widerspruch zu dem, was die eigenen Unterhändler ausgehandelt hatten: Die Straße von Hormus müsse auch nach einem Abkommen unter iranischer Kontrolle verbleiben, Trumps Formulierungen seien „nicht der Realität entsprechend“. Im Nachrichtenmanagement der Islamischen Republik ist Fars keine unabhängige Redaktion, sondern ein staatliches Instrument, das Positionen des Sicherheitsapparats öffentlich setzt, wenn offizielle Kanäle schweigen. Solche Korrekturen können die Umsetzung eines Abkommens blockieren, bevor die Unterschriften trocken sind.
Mojtaba Khamenei, seit dem 9. März 2026 Oberster Führer des Iran nach der Tötung seines Vaters Ali Khamenei am ersten Kriegstag, ist seit seiner Ernennung nicht öffentlich aufgetreten. Die wenigen Botschaften seines Büros gelten Beobachtern als ausweichend. Ob er dem Textentwurf seiner Unterhändler zustimmt, ist von außen nicht erkennbar.
Republikanischer Druck auf Trump
Auch in Washington ist das Ja des Präsidenten nicht sicher. Roger Wicker, Vorsitzender des Streitkräfteausschusses im Senat, nannte eine 60-tägige Waffenruhe ohne atomare Garantien ein „Desaster“. Tom Cotton und Lindsey Graham warnten, ein Abkommen sei nur dauerhaft, wenn Iran sein Urananreicherungsprogramm vollständig aufgebe und seine Raketenentwicklung einschränke. Beides ist im vorliegenden Entwurf nicht vorgesehen.
Trump signalisierte, er lasse sich nicht drängen. „Die Zeit arbeitet für uns“, sagte er in der vergangenen Woche. Er werde keinen Deal überstürzen. Die neuen Militärschläge auf Bandar Abbas gelten in Washington teilweise als Botschaft an die Kritiker in der eigenen Partei: Der Präsident demonstriert Stärke, während seine Diplomaten unterschriftsbereit sitzen. Rand Paul, ebenfalls Republikaner, bat die Kritiker hingegen, Trump „Raum für eine Lösung im amerikanischen Interesse zu lassen“.
Was Trumps Unterschrift in Bewegung setzte
Rohöl der Sorte Brent kostete zuletzt rund 96 Dollar pro Barrel, mehr als 55 Prozent über dem Vorkriegsniveau vom Februar 2026. Die Internationale Energieagentur hat die Blockade der Straße von Hormus als „größte Versorgungsunterbrechung in der Geschichte des globalen Ölmarkts“ bezeichnet. Reedereien, die seit Kriegsbeginn Umwege um das Kap der Guten Hoffnung fahren, haben Frachtkosten und Lieferzeiten deutlich erhöht.
Mit Trumps Unterschrift würde unmittelbar eine Abfolge von Maßnahmen beginnen: Iran öffnet Hormus, die USA geben 12 Milliarden Dollar frei, Minenräumboote rücken aus. Innerhalb von 30 Tagen soll die Meerenge auf Vorkriegsbedingungen zurückgebracht sein. Danach startet die 60-tägige Uhr für Atomverhandlungen, deren Ausgang ungewiss ist. Scheitert der Entwurf, hat Trump angekündigt, den Krieg „zum Abschluss zu bringen“. Was das konkret bedeuten würde, hat er nicht präzisiert.
Aktualisierungen
Update 29. Mai, 03:05 Uhr: Trump bat die Vermittler am 28. Mai, ihm "ein paar Tage" Bedenkzeit für die Vertragsdetails zu lassen. Das ist laut US-Behördenvertretern gegenüber Axios das konkreteste Signal des Präsidenten zur Unterzeichnung. Irans Unterhändler hatten nach denselben Quellen bereits Rückendeckung auf ihrer Seite und seien unterschriftsbereit gewesen. Axios präzisiert zudem den Vertragsentwurf: Das Memorandum enthält neben der Verhandlungszusage über die Urananreicherung eine explizite Verpflichtung Irans, keine Atomwaffe anzustreben. Am Mittwoch beschoss die Revolutionsgarde in der Straße von Hormus einen US-Tanker, der den iranischen Kontrollkanal ignoriert hatte; das US-Militär antwortete mit dem Abschuss von vier IRGC-Drohnen.
Update 29. Mai, 15:00 Uhr: Bloomberg bestätigte am Freitag, dass die Unterhändler das 60-Tage-Memorandum of Understanding formal vereinbart haben. Die präzisierten Vertragsbedingungen: Der Schiffsverkehr durch Hormus läuft demnach „uneingeschränkt“, ohne Gebühren und Belästigungen. Iran räumt Seeminen innerhalb von 30 Tagen. Die USA heben die Seeblockade schrittweise auf. Als erste Verhandlungsgegenstände während der 60-Tage-Frist sind die Entsorgung von Irans hochangereichertem Uran sowie die Bedingungen weiterer Urananreicherung vorgesehen. Vizepräsident JD Vance bezeichnete die US-Unterzeichnung als „noch zu entscheiden“, nannte aber nur noch „wenige Formulierungsfragen“ als offen. Al Jazeera und Euronews bestätigen: Die Grundstruktur des Abkommens ist weitgehend fixiert.
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