Drohnenangriff auf Kuwait: Irans Krieg weitet sich aus
Am frühen Morgen des 10. Mai griffen iranische Drohnen zwei Ziele in Kuwait gleichzeitig an: den Kraftstofftank des Kuwait International Airport und die US-Militärbasis Ali Salem. Vor der Küste Katars stand ein Frachtschiff nach einem weiteren Drohnentreffer in Flammen. Nach Angaben der kuwaitischen Behörden kamen vier Soldaten und sechs Zivilisten ums Leben, 77 Soldaten und 38 Zivilisten wurden verletzt. Sechs US-Soldaten starben auf der Basis Ali Salem. Stunden zuvor hatte Irans Militär über die staatliche Nachrichtenagentur Tasnim erklärt, die Gefechte in der Straße von Hormus seien derzeit eingestellt.
Kuwait zwischen US-Militärbasis und iranischem Gasnachbarn
Kuwait befindet sich seit Wochen in einer paradoxen Position. Das Emirat beherbergt auf seinem Staatsgebiet erhebliche US-Streitkräfte, darunter die Luftwaffenbasis Ali Salem, von der aus die USA Operationen im Persischen Golf koordinieren. Gleichzeitig hatte Kuwaits Emir Mishal Al-Ahmad öffentlich erklärt, sein Land betrachte Iran als Freund und Nachbarn und werde sein Territorium nicht für Angriffe gegen Iran zur Verfügung stellen.
Seit dem Beginn des Konflikts am 28. Februar 2026 hatte Kuwait eine Gratwanderung versucht: militärische Kooperation mit den USA, verbale Distanzierung von direkter Beteiligung. Der Angriff vom 10. Mai beendet diese Ambiguität gewaltsam. Kuwait ist nun selbst Ziel, ohne sich entschieden zu haben, auf welcher Seite es steht.
Die am 8. April vereinbarte Waffenruhe zwischen Washington und Teheran ist formal noch in Kraft. Trump erklärte am 10. Mai, die Feuerpause gelte weiterhin. Was das praktisch bedeutet, zeigt die jüngste Chronologie: In den vergangenen zehn Tagen beschoss Iran US-Zerstörer mit Raketen und Drohnen, die USA griffen zwei iranische Öltanker an. Jetzt folgen Kuwait und ein Frachtschiff vor Katar.
Ein Angriff, der die Kriegsgeografie verschiebt
Bis zum 10. Mai hatten sich die Gefechte auf die Straße von Hormus und den südlichen Persischen Golf konzentriert. Der Angriff auf den Kuwait International Airport und die Basis Ali Salem markiert eine qualitative Ausweitung: Erstmals trägt Iran den Krieg aktiv in das Territorium eines Nachbarstaats. Kuwait ist damit der erste Golfstaat neben Iran selbst, der in aktive Kampfhandlungen hineingezogen wurde.
Die Wahl der Ziele ist aufschlussreich. Ali Salem ist eine der wichtigsten US-Luftwaffenbasen im Golf, von der Teile der amerikanischen Luftoperationen koordiniert werden. Ihr Beschuss trifft nicht nur Kuwait, sondern primär die US-Militärpräsenz in der Region. Der Kraftstofftank am Flughafen ist zivile und militärische Infrastruktur zugleich. Für internationale Flugverbindungen aus dem Gulf-Korridor hat der Angriff unmittelbare Konsequenzen.
Iran bestritt in früheren Konfliktphasen regelmäßig einzelne Angriffe oder schwieg dazu. Eine unmittelbare Stellungnahme Teherans zum Kuwait-Angriff lag nicht vor. Die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO rief Schiffe im Persischen Golf zu besonderer Vorsicht auf. Laut Washington Post und Wikipedia-Dokumentation über den Angriff bestätigte das US-Zentralkommando Verluste auf der Basis Ali Salem.
Waffenruhe als semantische Hülle
Der Waffenstillstand vom 8. April enthält keine Definition, welche Handlungen als Bruch gelten und keinen Durchsetzungsmechanismus. Beide Seiten eskalieren im Wochentakt und behaupten gleichzeitig, die Feuerpause gelte noch. Der Angriff auf Kuwait ist die bislang geografisch weitreichendste Handlung innerhalb dieses formalen Stillhaltens. Er dehnt das Konfliktgebiet aus und bringt mit Kuwait einen neuen staatlichen Akteur ins Spiel.
Der IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol hatte die Hormuskrise bereits als größte Energiesicherheitsbedrohung in der Geschichte der Agentur bezeichnet. Brent-Rohöl notierte am Freitag, 8. Mai, dem letzten Handelstag vor dem Wochenende, bei rund 101,73 US-Dollar pro Barrel. Ein nachhaltiges Übergreifen des Konflikts auf kuwaitisches Territorium würde weitere Golfstaaten unter Druck setzen, ihre Neutralitätspolitik aufzugeben.
Pakistan, das als einziger stabiler Kommunikationskanal zwischen Washington und Teheran fungiert, bemüht sich weiterhin um eine formale Einigung auf ein Memorandum of Understanding. Irans Außenamt hatte bis zum Morgen des 10. Mai keine schriftliche Antwort auf den US-Entwurf übermittelt.
Was Kuwait jetzt entscheidet
Die Regierung in Kuwait City steht nach dem Angriff vor einer Entscheidung. Wer die US-Basis auf eigenem Boden beherbergt und von Iran beschossen wird, kann nicht dauerhaft neutral bleiben. Ob Kuwait nach dem 10. Mai seine Position offiziell ändert, wird die diplomatische Lage in der Region erheblich verschieben.
Für die laufenden Verhandlungen ist der Angriff ein schweres Signal. Jede Eskalation stärkt in Teheran jene Kräfte, die Gespräche als Schwäche deuten. Im Innern Irans fehlt nach dem Tod des Obersten Führers Khamenei im Februar eine Autorität, die ein Abkommen gegen den Widerstand der Revolutionsgarde durchsetzen könnte. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, enger Vertrauter der Garde, hat jüngste US-Vorschläge öffentlich als unrealistisch bezeichnet. Der Angriff auf Kuwait gibt ihm neue Argumente.
Aktualisierungen
Update 13. Mai, 21:05 Uhr: Ergänzend zu den Angriffen auf Kuwait und dem Frachtschiff vor Katar fingen am 10. Mai auch die Vereinigten Arabischen Emirate zwei iranische Drohnen ab. Die Anschläge auf Kuwait, die Gewässer vor Katar und die Emirate waren eine koordinierte Eskalationswelle gegen drei Golfstaaten an einem einzigen Tag. Ebrahim Rezaei, Sprecher des iranischen Parlamentsausschusses für nationale Sicherheit, kündigte am selben Tag das Ende der iranischen Zurückhaltung an: Jeder Angriff auf iranische Schiffe werde eine starke Reaktion gegen amerikanische Schiffe und Basen auslösen.
Update 16. Mai, 23:00 Uhr: Die Marine der Revolutionsgarden (IRGC Navy) warnte am Freitag explizit: Sollten die USA erneut iranische Öltanker angreifen, werde Iran mit einem schweren Gegenschlag auf US-Basen und feindliche Schiffe in der Region antworten. Parallel drohte Teheran den Golfstaaten mit einer dauerhaften Schließung der Straße von Hormuz, falls sie US-Sicherheitsoperationen im Golf unterstützen sollten. Experten bewerten die Lage als maximal fragil: Die Feuerpause, so Die Welt, könne jederzeit zusammenbrechen. Formal gilt die Waffenruhe weiterhin, doch die Zahl der gegenseitigen Drohungen wächst.
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