Iran beansprucht 500-km-Zone um Hormus
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Iran beansprucht 500-km-Zone um Hormus

Irans Revolutionsgardenmarine erklärte am 12. Mai, die Straße von Hormus sei nun ein 500-Kilometer-Operationshalbmond unter iranischer Kontrolle. Damit beansprucht Teheran ein maritimes Gebiet, das zehnmal größer ist als die traditionelle Meerenge.

14. Mai 2026, 22:40 Uhr 920 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Für die internationale Schifffahrt hat die Hormusmeerenge seit dem 12. Mai eine neue Dimension. Mohammad Akbarzadeh, politischer Vizekommandeur der Revolutionsgardenmarine (IRGC), erklärte, Teheran beanspruche einen 500-Kilometer-Halbmond als Operationsgebiet, der sich von der Küstenstadt Jask im Osten bis zur Insel Siri im Westen erstrecke. Ein Tanker, der Hormus anlaufen will, befinde sich damit schon gut 250 Kilometer vor der eigentlichen Engstelle in einem Gebiet, das Iran militärisch als sein Territorium versteht. Das ist nicht mehr nur eine Blockade: Es ist der Anspruch auf eine neue maritime Ordnung im Persischen Golf.

Von der Engstelle zum Operationshalbmond

Die Straße von Hormus ist an ihrer engsten Stelle 34 Kilometer breit. Schiffe passieren sie traditionell auf zwei Korridoren von je drei Seemeilen Breite. Diesen Flaschenhals hatte Iran seit Ende Februar 2026 nach amerikanisch-israelischen Luftschlägen militärisch gesichert: Gebührenerhebung, Registrierungspflicht, Schiffsbeschlagnahmen. Die Welt hatte sich auf diese Kontrollzone von 20 bis 30 Seemeilen Breite eingestellt.

Akbarzadehs Erklärung vom 12. Mai geht weit darüber hinaus. Der 500-Kilometer-Halbmond umfasst weite Teile des Golfes von Oman und des Persischen Golfs. Laut US-Medienberichten beschrieb der IRGC-Vizekommandeur das Gebiet als permanente Operationszone unter iranischer Kontrolle, nicht als temporäre Druckmaßnahme. Schiffe, die mit Kurs auf Hormus aus östlicher Richtung kommen, befänden sich dem iranischen Anspruch zufolge bereits weit vor der Engstelle in einem Gebiet, für das Teheran Operationshoheit beansprucht.

Für die Weltwirtschaft ist diese Ausweitung keine Kleinigkeit. Täglich passieren nach IEA-Daten Tanker mit rund 13 Millionen Barrel Öl die Zone, dazu Flüssiggastanker aus Katar, die Europa und Asien versorgen. Der erste katarische LNG-Tanker passierte die Engstelle erst am 13. Mai wieder erfolgreich.

Project Freedom: Eskorte nach 36 Stunden gestoppt

Als direkte Antwort auf die Hormusblockade startete die Trump-Administration am 4. Mai die Operation „Project Freedom“: Kriegsschiffe der US-Navy sollten Handelsschiffe durch die Meerenge eskortieren und damit freie Durchfahrt faktisch erzwingen. Drei US-Zerstörer passierten die Zone, Präsident Trump betonte öffentlich, es habe keine Schäden gegeben.

Doch nach 36 Stunden pausierte die Operation. Am 4. Mai schossen iranische Raketen auf den Hafen Fujairah in den Vereinigten Arabischen Emiraten. In einer Ölraffinerie brach Feuer aus. Die US-Navy wertete das als direkte Reaktion auf die Eskortenoperation. Reedereien, die auf den Marineschutz gehofft hatten, stehen seither wieder vor der alten Wahl: Entweder sie zahlen dem Iran Durchfahrtgebühren, was US-Sanktionen nach sich zieht oder sie meiden die Route und nehmen den deutlich längeren Weg um das Kap der Guten Hoffnung.

Großbritannien hat Kampfdrohnen, Kampfjets und einen Zerstörer der Royal Navy in die Region verlegt, als Teil einer internationalen Defensivkoalition aus rund 40 Ländern. Die britische House of Commons Library bezeichnet den iranischen Anspruch in einem aktuellen Recherchepapier als „fundamentalen Angriff auf die internationale Seefahrtsfreiheit“. Eine wirksame Durchsetzung scheitert aber daran, dass kein UN-Mandat vorliegt: Im UN-Sicherheitsrat blockieren Russland und China entsprechende Maßnahmen.

Völkerrecht ohne Durchsetzung

Das UN-Seerechtsübereinkommen (UNCLOS) garantiert die sogenannte Transitdurchfahrt durch internationale Meerengen. Staaten dürfen diese weder unterbrechen noch von Genehmigungen oder Gebühren abhängig machen. Iran hat UNCLOS ratifiziert, beachtet die Verpflichtung seit Kriegsbeginn jedoch nicht.

Besonders brisant ist die 500-km-Ausweitung für die Golfstaaten selbst. Der Fujairah-Angriff vom 8. Mai traf emiratisches Staatsgebiet. Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate liegen vollständig innerhalb des Bereichs, den Iran nun als Operationsgebiet beansprucht. Keines dieser Länder ist mit Iran verbündet und keines kann es sich wirtschaftlich leisten, seine Häfen und Seewege langfristig unter iranischer Kontrolle zu sehen. Die Golfstaaten haben ihrerseits begonnen, Ausweichrouten und Pipelines als Alternativen zum Seeweg zu priorisieren: Saudi-Arabien nutzt seine East-West-Pipeline, die Ölexporte am Persischen Golf vorbei zum Roten Meer transportiert.

Die Bundesregierung hat wiederholt auf UNCLOS verwiesen und eine gebührenfreie, sichere Durchfahrt gefordert. Deutschland beteiligt sich an der britisch koordinierten Koalition, hat aber keine eigenen Marinekräfte in die Region entsandt. Bundeskanzler Friedrich Merz betonte, eine Normalisierung der Energieversorgung sei nur durch eine politische Lösung möglich.

Witkoff und Kushner ohne neues Mandat

Donald Trump lehnte am 13. Mai Irans 14-Punkte-Friedensplan als „vollständig inakzeptabel“ ab. Seinen eigenen Angaben zufolge las er das Dokument nicht vollständig. Gleichzeitig signalisierte die Trump-Administration, dass Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner in den kommenden Tagen zu einer weiteren Verhandlungsrunde nach Pakistan reisen könnten. Islamabad fungiert als neutraler Kanal, weil der Iran direkten Kontakt mit Washington öffentlich ablehnt.

Die 500-km-Zonenerklärung vom 12. Mai verschlechtert die Ausgangslage für diese Gespräche. Iran signalisiert damit, dass es die Lage nicht als temporäre Druckmaßnahme versteht, sondern als permanenten Umbau der maritimen Ordnung im Persischen Golf. Für Washington bedeutet das: Selbst wenn ein Waffenstillstand oder eine Einigung über den Kern des Atomprogramms gelingt, bleibt die Frage der Zonenhoheit auf dem Tisch.

US-Geheimdienstberichte, die am 12. Mai bekannt wurden, zeigen, dass Iran noch rund 70 Prozent seiner mobilen Raketenabschussrampen und 70 Prozent seines Raketenarsenals besitzt. 30 der 33 Raketenstellungen entlang der Hormusstraße seien nach US-Luftangriffen wiederhergestellt worden. Diese Zahlen erklären, warum die Zonenneudefinition mehr ist als Rhetorik: Das militärische Mittel zur Durchsetzung ist weitgehend intakt.

Update 16. Mai, 15:02 Uhr: Neue Auswertungen aus dem April 2026 verdeutlichen das Ausmaß der Handelsstörung: Im gesamten April passierten nur 191 Schiffe die Straße von Hormus. Vor Kriegsbeginn waren es rund 3.000 Schiffe pro Monat, ein Rückgang um mehr als 93 Prozent. In der Phase iranischer Transitkontrolle zwischen April-Waffenruhe und erneuter Schließung kassierte Teheran Gebühren von bis zu zwei Millionen Dollar pro Schiff, zahlbar in chinesischer Währung oder Kryptowährung. Eine neu gegründete „Persian Gulf Strait Authority" soll das Gebührensystem dauerhaft institutionalisieren. Die Zahlen machen den 500-Kilometer-Halbmond konkret: nicht nur ein Souveränitätsanspruch, sondern ein funktionierendes Mautsystem für 20 Prozent des globalen Ölhandels.

Quellen (8)

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