Trumps Iranabkommen: weitgehend einig, Teheran skeptisch
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Trumps Iranabkommen: weitgehend einig, Teheran skeptisch

Trump erklärte am Freitagabend, ein Abkommen mit Iran zur Beendigung des Krieges und Wiedereröffnung der Straße von Hormus sei 'weitgehend verhandelt, vorbehaltlich der Finalisierung'. Das Framework sieht eine 60-tägige Waffenstillstandsverlängerung mit schrittweiser Hormusöffnung vor. Irans Staatsmedien bestreiten Trumps Darstellung.

24. Mai 2026, 7:07 Uhr 998 Wörter · 5 Min. Lesezeit

48 Stunden trennen Trumps "totally unacceptable" von "weitgehend verhandelt". Am Freitagabend erklärte der US-Präsident, ein Friedensabkommen mit Iran stehe kurz vor der Bekanntgabe. Das wäre das Ende einer Krise, die Straße von Hormus seit dem 28. Februar 2026 für den freien Warenverkehr gesperrt und den weltweiten Ölhandel nach Berechnungen der US Energy Information Administration um rund 27 Prozent geschrumpft hat. Irans Staatsmedien widersprachen umgehend: Von einer fertigen Einigung könne keine Rede sein.

Von "totally unacceptable" zu "weitgehend verhandelt"

Noch am 21. Mai hatte Trump den damaligen iranischen Verhandlungsvorschlag öffentlich als "totally unacceptable" zurückgewiesen. Teheran hatte vollständige Sanktionsaufhebung, Kriegsreparationen und uneingeschränkte iranische Souveränität über die Meerenge gefordert, ohne das Atomprogramm überhaupt zu erwähnen. Die Waffenruhe schien nach Trumps eigenem Urteil auf "massive life support".

Was sich in den 48 Stunden danach verändert hat, ist nicht vollständig öffentlich. Außenminister Abbas Araghtschi reiste nach Pakistan, dann Maskat, kehrte nach Islamabad zurück und flog schließlich nach Sankt Petersburg, wo ihn Putin empfing. Katars Vermittlungsteam reiste am 22. Mai erstmals direkt nach Teheran. Trump ließ derweil durchblicken, seine Unterhändler hätten eine neue Runde hinter sich. Das Ergebnis: ein Memorandum of Understanding mit 14 Klauseln, an dem Pakistan und Katar als Vermittler beteiligt waren.

Was das Abkommen enthalten soll

Das von Axios und NBC News beschriebene Framework sieht eine 60-tägige Verlängerung der Waffenruhe vor. Die Straße von Hormus würde schrittweise für die internationale Schifffahrt freigegeben: Iran räumt Minen, erhebt keine Transitgebühren und lässt Schiffe passieren. Washington hebt die Blockade iranischer Häfen auf und gewährt Sanktionserleichterungen für iranischen Ölverkauf. Das Grundprinzip lautet "relief for performance": Erleichterungen gegen nachweisbare Schritte, keine Vorabzugeständnisse.

In den 60 Tagen würden Gespräche über Irans Atomprogramm beginnen. Iran habe nach US-Angaben grundsätzlich zugestimmt, seinen Bestand an hochangereichertem Uran abzugeben, sein Raketenprogramm einzuschränken und die Unterstützung bewaffneter Gruppen zu begrenzen. Das sind Verhandlungsgegenstände für die nächste Runde, noch keine unterzeichneten Verpflichtungen.

Ein struktureller Dissens bleibt ungelöst: Iran besteht darauf, das Ende aller aktiven Konflikte in der Region, einschließlich der Lage im Libanon, als Vorbedingung für Atomgespräche zu behandeln. Washington will atomare Einschränkungen als Teil des Ausgangsrahmens, nicht als Folgeschritt. Dieser Konflikt ist nicht aufgelöst, nur auf die Phase von 60 Tagen verschoben.

Irans gespaltene Reaktion und Putins Rückendeckung

Teheran spricht nicht mit einer Stimme. Araghtschi sagte dem Nachrichtenportal The Hill, eine Einigung sei "weiterhin durchaus möglich". Sprecher Esmail Baghaei nannte das Dokument ein "Rahmenabkommen", dessen Details erst in 30 bis 60 Tagen ausgehandelt werden sollen. Die staatliche Nachrichtenagentur Fars bezeichnete Trumps Darstellung hingegen als "unvollständig und nicht vereinbar mit der Realität" und erklärte, die Straße von Hormus bleibe unter iranischer Kontrolle.

Revolutionsführer Ali Khamenei hat sich bisher nicht geäußert. Das ist das entscheidende Schweigen: Jeder Deal, den Araghtschi paraphiert, braucht Khameneis Rückendeckung. Ohne sie ist er keine iranische Zusage, sondern eine Verhandlungsposition eines Ministers. Die Revolutionsgarden, die den Persischen Golf militärisch kontrollieren, stehen einem Abkommen mit Washington traditionell skeptisch gegenüber. Hardlinergeneral Ahmad Vahidi, den die Washington Post als Schlüsselfigur der iranischen Verhandlungsseite identifiziert, gilt als grundsätzlicher Gegner von Konzessionen bei Raketenprogramm und Hormuskontrolle.

Araghtschis Besuch bei Putin passt in dieses Bild. Russland profitiert indirekt vom Konflikt: hohe Öleinnahmen, gebundene westliche Aufmerksamkeit, diplomatisches Gewicht durch die Vermittlerrolle im Hintergrund. Dass Araghtschi unmittelbar vor der entscheidenden Phase nach Sankt Petersburg reiste, lässt sich als Rückversicherungsmission lesen. Teheran sichert sich Rückhalt, bevor es sich in Washington festlegt.

Was bei einer Einigung auf dem Spiel steht

Die wirtschaftlichen Folgen eines gescheiterten wie eines gelingenden Abkommens sind erheblich. Seit Mitte April hatte ein vorläufiger Waffenstillstand den Rohölpreis von über 110 auf rund 95 Dollar pro Barrel gedrückt. Eine dauerhafte Einigung mit Hormusöffnung würde diesen Trend verfestigen und die Energiekosten für Unternehmen und Haushalte senken, die seit drei Monaten einen Preisschock abfedern.

Für die globale Ernährungslage geht es um mehr als Energiepreise. Der französische Wirtschaftsminister Roland Lescure hatte beim G7-Finanzministertreffen in Paris am 19. Mai beziffert, dass bei anhaltender Blockade bis zu 50 Millionen Menschen von Lebensmittelengpässen betroffen sein könnten. Rund ein Drittel des weltweit gehandelten Grunddüngers passiert die Meerenge. Für die deutsche Chemieindustrie, die auf diese Vorprodukte angewiesen ist, gilt seit Kriegsbeginn: keine verlässliche Wirtschaftsprognose für 2026 möglich.

Évian in drei Wochen: Kein Druckmittel mehr, sondern Prüftermin

Der nächste verbindliche Termin ist der G7-Gipfel in Évian-les-Bains vom 15. bis 17. Juni. Die Finanzminister hatten in Paris angekündigt, einen Aktionsplan vorzulegen, der über bloße Bekenntnisse hinausgeht. Falls Trumps Bekanntmachung eingelöst wird und die Verhandlungsphase von 60 Tagen anläuft, verändert sich der Gipfel: Nicht mehr Druckinstrument gegen Iran, sondern erste externe Bilanz eines fragilen neuen Rahmens.

Bloomberg berichtete, Trump sehe eine Chance von 50 Prozent für eine Unterzeichnung. Das ist entweder bemerkenswert optimistisch für einen Präsidenten, der drei Tage zuvor noch "totally unacceptable" sagte oder eine bewusste Absicherung seiner Erwartungen. Araghtschi hat den Verhandlungsstand nach Sankt Petersburg getragen. Die Antwort, die er von Khamenei bekommt, entscheidet in den kommenden Tagen, ob Trumps "weitgehend verhandelt" zu einer Unterschrift wird oder die nächste Eskalationsrunde beginnt.

Update 24. Mai, 13:03 Uhr: Außenminister Marco Rubio setzte am Sonntag eine konkrete Zeiterwartung: „Vielleicht wird die Welt in den nächsten Stunden gute Nachrichten hören", sagte er über den Stand der Iran-Verhandlungen. Es ist die bisher deutlichste öffentliche Signalisierung eines unmittelbar bevorstehenden Durchbruchs seitens der US-Seite. Teheran signalisierte unterdessen, an der Finalisierung eines Memorandum of Understanding mit den USA zu arbeiten. Als Bedingung für die erste Phase fordert Iran die Freigabe eingefrorener Auslandsvermögen. Ob Washington darüber zu verhandeln bereit ist, blieb bis Mittag öffentlich offen.

Update 24. Mai, 19:00 Uhr: Rubios Zeiterwartung von „den nächsten Stunden“ ist bis zum Sonntagabend unerfüllt geblieben. Die iranische Staatsagentur Tasnim meldete, „Differenzen bei ein oder zwei Klauseln“ des Memorandums beständen weiterhin. Nach übereinstimmenden Berichten von Bloomberg und CNN sind drei Fragen offen: Teheran fordert, dass die Freigabe eingefrorener Auslandsvermögen gleichzeitig mit der Hormuzöffnung stattfindet, Washington besteht darauf, zuerst eine verifizierbare Hormuzöffnung zu sehen. Zusätzlich streiten beide Seiten darüber, in welchem Umfang Iran seine militärischen Kontrollansprüche über die Meerenge aufgibt und in welcher Reihenfolge Verhandlungen über das Urananreicherungsprogramm stattfinden. Einem Abschluss am Sonntag stand damit mehr als eine Klausel im Weg.

Quellen (12)

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