
Kakapo: 106 Küken in Rekordsaison
Quellen (9)
- RNZ: Over 100 kakapo chicks hatch in record seasonrnz.co.nz
- RNZ: Clifftop rescue adds to kakapo chick numbersrnz.co.nz
- Department of Conservation: Kakapo breeding seasondoc.govt.nz
- DOC Blog: Kakapo breeding season 2026blog.doc.govt.nz
- Mongabay: Record kakapo breeding seasonnews.mongabay.com
- The Press: Kakapo boom rimu masts and smart techthepress.co.nz
- Predator Free Rakiura: Kakapo breeding season 2026predatorfreerakiura.org.nz
- IUCN: Recovery of the Iberian Lynx conservation successiucn.org
- Rewilding Europe: European bison comebackrewildingeurope.com
Wenn Rimu-Bäume eine Rekordernte tragen, beginnen Kakapo-Weibchen zu brüten. 2026 war ein solches Ausnahmejahr auf den prädatorenfreien Inselreservaten Neuseelands und das Ergebnis übertrifft alles Bisherige: 106 Küken in einer einzigen Saison, mehr als je zuvor in der Geschichte des Artenschutzprogramms seit seinem Beginn 1995. Damit umfasst die Population erstmals über 340 Individuen.
Warum der Kakapo nur alle paar Jahre brütet
Der Kakapo ist in seiner Biologie außergewöhnlich. Er ist der einzige flugunfähige Papagei der Welt, nachtaktiv, schwergewichtig (bis zu vier Kilogramm) und mit einer Lebenserwartung von bis zu 90 Jahren einer der langlebigsten Vögel überhaupt. Entscheidend für den Bruterfolg ist der sogenannte Rimu-Mast: Nur wenn die endemischen Rimu-Bäume (Dacrydium cupressinum) eine Rekordernte an Früchten produzieren, beginnen die Weibchen zu brüten. Ohne Rimu keine Eier. Das Mastzyklus-Ereignis tritt nur alle zwei bis vier Jahre auf.

2026 war ein Ausnahmejahr. Ein außergewöhnlicher Rimu-Mast auf den prädatorenfreien Inselreservaten Whenua Hou (Codfish Island) und Pukenui Anchor Island in Fiordland löste das größte Brutgeschäft der Kakapo-Geschichte aus. 78 Weibchen legten insgesamt 256 Eier in 80 Nestern. Das erste Küken schlüpfte laut RNZ am Valentinstag auf Anchor Island.
106 Küken und das Team dahinter
Das Department of Conservation Neuseelands (DOC) und der Ngāi-Tahu-Iwi, der Māori-Stammesverband der Südinsel, koordinieren das Schutzprogramm seit 1995 gemeinsam. Auf den prädatorenfreien Inseln werden Nester mit Wärmekameras überwacht, Eier bei Bedarf von Hand bebrütet, wenn Weibchen den Nistplatz verlassen und Küken bei Bedarf zugefüttert.
Die Technologie hat sich verbessert. Rimu-Mastzyklus-Ereignisse werden durch Fernsensoren heute früher erkannt, sodass das DOC-Team mit ausreichend Vorlaufzeit anreisen kann. Jahrzehnte der Forschung haben auch das Wissen über die Ernährungsbedürfnisse der Küken verbessert, was die Überlebensrate erhöht. Der bisherige Rekord stammte aus dem Jahr 2019 mit 85 geschlüpften Küken. 2026 liegt die Zahl bereits bei 106.
Im Vergleich: Wenn Schutzprogramme Jahrzehnte durchhalten
Der Kakapo ist kein Einzelfall. Zwei Vergleiche zeigen, was bei konsequentem Artenschutz möglich ist.
Der Iberische Luchs (Lynx pardinus) gilt als das erfolgreichste Artenschutzprojekt Europas. Im Jahr 2001 lebten noch 62 fortpflanzungsfähige Tiere. Durch koordinierte Schutzprogramme Spaniens und Portugals stieg die Population bis 2024 auf 2.401 Tiere, wie die IUCN im Juni 2024 mitteilte. Im selben Monat wurde der Iberische Luchs von "vom Aussterben bedroht" auf "gefährdet" zurückgestuft, eine der wenigen Rückstufungen in der Geschichte der Roten Liste.

Der Wisent (Bison bonasus) starb in freier Wildbahn in den 1920er-Jahren vollständig aus, zuletzt in den Urwäldern Osteuropas. Aus Zoobeständen wurden ab 1952 Tiere in den Białowieża-Urwald ausgewildert. Laut Rewilding Europe lebten Ende 2024 weltweit über 9.700 Wisente in freier Wildbahn, verteilt auf Polen, Belarus, Russland und mehr als zehn weitere Länder.
Beim Kakapo liegen die Herausforderungen anders: Die totale Abhängigkeit von prädatorenfreien Inselhabitaten, ein langer Reproduktionszyklus und eine kleine Ausgangspopulation machen jeden Bruterfolg bedeutsam. 106 Küken in einer Saison ist für eine Art mit dieser Biologie ein Wert, den vor zehn Jahren niemand für realistisch hielt.
Von 51 auf über 340: 31 Jahre Kakapo-Comeback
Die Chronologie zeigt, wie langsam und dann immer schneller der Fortschritt verlief. 1977 entdeckten Forscher auf Stewart Island (Rakiura) eine bisher unbekannte südliche Kakapo-Population, stark dezimiert durch eingeschleppte Prädatoren wie Ratten, Hermeline und Katzen. 1995, nach dem Transfer aller überlebenden Tiere auf prädatorenfreie Inseln, zählte die Weltpopulation noch 51 Individuen.
In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Population langsam und abhängig von den seltenen Brutjahren. 2019 brachte der erste große Schub: 85 Küken in einer Saison ließen die Gesamtpopulation auf über 200 Tiere wachsen. 2026 übertrifft diesen Wert um mehr als 20 Küken. Mit 235 Erwachsenen und 106 Jungvögeln liegt die Gesamtzahl nach dieser Saison bei über 340 Tieren.
Das entspricht einem Anstieg von rund 570 Prozent gegenüber 1995. Der Kakapo ist noch immer kritisch gefährdet. Seine Lebensspanne von bis zu 90 Jahren bedeutet, dass heute geschlüpfte Weibchen noch viele weitere Brutsaisons vor sich haben könnten. Das Tempo des Wachstums hängt weiterhin vom Rimu und von der Fähigkeit Neuseelands ab, die Inselreservate dauerhaft prädatorenfrei zu halten. Beides ist bisher gesichert und 2026 hat gezeigt, was möglich ist, wenn beides stimmt.
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