Kākāpō-Rekordsaison: 106 Küken schlüpfen
Vor 31 Jahren gab es weltweit nur noch 51 Kākāpō. Die schwersten Papageien der Erde, nachtaktiv, flugunfähig und vom Aussterben bedroht, überlebten auf drei raubtierfreien neuseeländischen Schutzinseln dank eines der aufwendigsten Artenschutzprogramme weltweit. In dieser Brutsaison schlüpften 106 Küken, mehr als je zuvor seit Beginn systematischer Aufzeichnungen. Der Bestand hat sich von 124 Individuen im Jahr 2016 auf heute 235 erhöht.
Eine Art am Abgrund: Neuseelands flugunfähiger Papagei
Der Kākāpō (Strigops habroptilus) ist der einzige flugunfähige Papagei der Welt. Er kann bis zu 90 Jahre alt werden, wiegt bis zu vier Kilogramm und entwickelte auf Inseln ohne natürliche Raubtiere eine ungewöhnliche Überlebensstrategie: Er brütet nur dann, wenn Rīmu-Bäume massenhaft fruchten. Diese Kopplung machte ihn verwundbar, als europäische Siedler im 19. und 20. Jahrhundert Ratten, Katzen und Hermeline einschleppten.

Bis 1995 war der Bestand auf 51 bekannte Individuen geschrumpft. Das neuseeländische Department of Conservation (DOC) startete daraufhin das Kākāpō Recovery Programme: Alle verbliebenen Vögel wurden gefangen, individuell benannt und mit Radiosendern ausgestattet. Drei Inseln wurden von eingeschleppten Säugetieren befreit: Whenua Hou (Codfish Island), Anchor Island und Hauturu (Little Barrier Island). Seitdem wird jedes Tier lückenlos überwacht, ein weltweit einzigartiges Individuenmonitoring für eine bedrohte Art.
Rīmu-Ernte als Auslöser: 78 Weibchen brüten gleichzeitig
Kākāpō-Brutsaisonen lassen sich nicht planen. Erst wenn Rīmu-Bäume (Dacrydium cupressinum) mehr als zehn Prozent ihrer Beeren ausschütten, nimmt die Nistbereitschaft der Weibchen zu. Das DOC prognostizierte für 2026 eine Fruktifikationsrate von 50 bis 60 Prozent auf den Schutzinseln, nach eigenen Angaben den höchsten je gemessenen Wert. 78 Weibchen nisteten gleichzeitig.
Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen: 106 Küken schlüpften bis Saisonende. Frühere Berichte aus April hatten noch 95 Tiere gemeldet, da Küken erst nach 150 Tagen als überlebensfähig in die Gesamtzahl einfließen. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2019 hatte bei 85 Küken gelegen. Das Recovery Programme, das seit 2016 auch von Meridian Energy mitfinanziert wird, hat damit in zehn Jahren eine Verdoppelung des Bestands bewirkt.

Wisent und Bartgeier: Was andere Tiercomebacks lehren
Artenschutzerfolge dieser Größenordnung sind selten. Der Wisent bietet den bekanntesten europäischen Vergleich: 1925 in freier Wildbahn ausgestorben, zählt die Population heute dank Zuchtprogrammen und Auswilderungen im polnischen Białowieża-Urwald wieder über 8.000 Individuen (IUCN 2024). Ähnlich verlief die Rückkehr des Bartgeiers in die Alpen: 1913 durch Verfolgung ausgerottet, seit 1986 systematisch wiederangesiedelt, heute über 300 freilebende Individuen in den Hochgebirgen Österreichs, der Schweiz und Frankreichs.
Der entscheidende Unterschied beim Kākāpō: Die Art kann nicht in ihr historisches Festlandhabitat zurückkehren, solange eingeschleppte Raubtiere in Neuseeland präsent sind. Artenschützer arbeiten deshalb parallel an der Ausweitung raubtierfreier Inseln und an staatlichen Prädatorenkontrollprogrammen für das Festland. Beides erfordert langfristige politische und finanzielle Zusagen.
Warum 235 Vögel noch nicht genug sind
Forscher warnen davor, die Rekordsaison als Abschluss zu verstehen. Drei Risiken bleiben bestehen:
- Genetische Engpässe: Alle lebenden Kākāpō stammen von einer kleinen Gründerpopulation ab. Das schränkt die genetische Vielfalt ein und erhöht das Risiko von Fertilitätsproblemen. Das Recovery Programme betreibt aktives Genetikmanagement durch gezielte Partnerwahl, um Inzucht zu begrenzen.
- Infektionskrankheiten: Pilzerkrankungen wie Aspergillose können sich bei wachsenden Bestandsdichten schnell ausbreiten. 2016 kosteten sie während einer Brutsaison mehrere Küken das Leben.
- Skalierbarkeit des Monitorings: Das System, jeden Vogel individuell per Sender zu überwachen, funktioniert bei 235 Tieren. Das DOC erforscht laut RNZ bereits Alternativen wie eDNA-Analyse und akustisches Monitoring für eine wachsende Population.
Das DOC nennt die Erschließung weiterer raubtierfreier Habitate als nächsten Schritt. Die Rekordsaison von 2026 zeigt, was möglich ist. Sie zeigt auch, wie viel Arbeit noch bleibt.
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