Klamath River: Lachs kehrt nach hundert Jahren zurück
Im Oktober 2024 fiel der letzte der vier Staudämme am Klamath River. Es war das Ende des größten Dammabrisses in der Geschichte der Vereinigten Staaten und niemand wusste, wie schnell die Natur reagieren würde. Die Antwort kam schneller als erwartet: Am 18. März 2026 dokumentierten Biologen der Klamath Tribes im Oberlauf des Flusses die ersten natürlich geschlüpften Chinook-Lachse seit mehr als hundert Jahren.
Was die Dämme angerichtet hatten
Der Klamath River zieht sich über mehr als 400 Kilometer durch Oregon und Nordkalifornien. Für die indigenen Klamath Tribes war der Fluss Jahrhunderte lang Nahrungsgrundlage und kulturelles Zentrum. Chinook-Lachs, Coho-Lachs und Stör gehörten zu den wichtigsten Nahrungsfischen.

Ab 1918 wurden vier Wasserkraftdämme errichtet, die Lachse von ihren angestammten Laichgründen im Oberlauf abschnitten. Die Iron Gate Dam, Copco No. 1, Copco No. 2 und J.C. Boyle Dam blockierten die Fischwanderung vollständig. Die Stauseen veränderten die Wassertemperatur, begünstigten giftige Blaualgenblüten und vernichteten den Lebensraum in weiten Teilen des Flusses. Chinook-Bestände im Unterlauf brachen über Jahrzehnte ein.
2023 bis 2024: Der Abriss
Nach jahrelangen Verhandlungen zwischen Energieunternehmen, Bundesbehörden, Bundesstaaten und Stammesnationen begann 2023 der Abriss. Copco No. 2 wurde als erste entfernt. Im Oktober 2024 waren alle vier Dämme abgerissen, der Flusslauf im Oberlauf erstmals seit einem Jahrhundert wieder offen. Das Volumen der verschobenen Sedimente und die Länge der wiedergeöffneten Gewässerstrecke machten das Projekt zum größten Dammabriss in der US-amerikanischen Geschichte.
Parallel begannen Wiederherstellungsarbeiten: Bodenstabilisierung der früheren Staubecken, Einpflanzung einheimischer Vegetation, Renaturierung der Flussbettstruktur entlang der Bereiche, die Jahrzehnte lang unter Wasser lagen.
November 2024: Erste Rückkehr der Coho-Lachse
Weniger als zwei Monate nach dem vollständigen Abriss, am 13. November 2024, dokumentierte das California Department of Fish and Wildlife sieben Coho-Lachse im Fall Creek Fish Hatchery, rund zwölf Kilometer oberhalb der Stelle des früheren Iron Gate Damms. Es war die erste bestätigte Rückkehr von Coho in den oberen Klamathbereich seit mehr als 60 Jahren.
Im selben Winter migrierten adulte Lachse in die Williamson und Sprague River Nebenflüsse oberhalb des Upper Klamath Lake, Wanderungen, die in der dokumentierten Geschichte des Flusses seit dem frühen 20. Jahrhundert nicht mehr stattgefunden hatten.
Frühjahr 2025: Rückkehr in Zahlen
Den ersten Satz auf 'Der Herbst 2025 brachte dann den ersten großen Beweis.' ergänzen und die Überschrift auf '2025: Rückkehr in Zahlen' korrigieren. Laut California Department of Fish and Wildlife kehrten rund 51.400 adulte Fall-Run-Chinooks in das Klamath-Einzugsgebiet zurück. Das entsprach laut NOAA Fisheries etwa 180 Prozent der wissenschaftlichen Prognose für diesen Zeitraum. Die Wasserbehörden verzeichneten Rekordwerte für bestimmte Messstellen.
2026 öffnete Kalifornien erstmals seit drei Jahren wieder die kommerzielle Lachsfischerei. Die California Department of Fish and Wildlife begründete die Entscheidung mit den starken Bestandszahlen im Klamath-Einzugsgebiet.
Im Vergleich: Der Elwha River als Vorläufer
Der Klamath ist nicht der erste Fluss, der durch Dammrückbau rehabilitiert wurde. Der Elwha River im Bundesstaat Washington gilt als wichtigstes Vergleichsbeispiel: Zwischen 2011 und 2014 wurden zwei Dämme entfernt, die 1910 und 1927 gebaut worden waren. Innerhalb weniger Monate nach dem Abriss kehrten acht anadrome Fischarten zurück. Bis 2019 wurden schätzungsweise mehr als 7.600 adulte Chinook-Lachse gezählt, die höchste Zahl seit Jahrzehnten.
Der Klamath unterscheidet sich vom Elwha in der Dimension: Der Klamath-Abriss öffnete laut NOAA mehr als 400 Meilen (rund 640 Kilometer) Lebensraum, mehr als alle vorherigen US-Dammabrissprojekte zusammen. Der Elwha öffnete rund 110 Meilen.
Die offenen Risiken: Wassertemperatur und Klimawandel
Die Biologen der Klamath Tribes betonen, dass die Rückkehr der Lachse keine Garantie für ihre langfristige Stabilisierung ist. Der Fluss ist wärmer als historische Messungen es zeigen, weil der Klimawandel die Wassertemperaturen in Gebirgsflüssen erhöht. Chinook-Lachse reagieren empfindlich auf Temperaturen über 20 Grad Celsius; oberhalb dieser Schwelle steigt die Sterblichkeit stark an.
Hinzu kommen die Sedimentmassen aus den ehemaligen Staubecken: Sie stabilisieren sich langsam, können aber nach Starkniederschlägen in den Fluss gespült werden und Laichgründe verschlammen. Die Wiederherstellung der einheimischen Vegetation an den früheren Ufern ist ein jahrelanger Prozess. Das erste Frühjahr mit natürlich geschlüpften Chinooks ist ein Zeichen, kein Endpunkt.
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