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Wirtschaft
Northvolt-Insolvenz: Bund und Schleswig-Holstein retten 153 Millionen Euro

Northvolt-Insolvenz: Bund und Schleswig-Holstein retten 153 Millionen Euro

Von 600 Millionen Euro staatlicher Förderung fließen nach der Northvolt-Insolvenz 153 Millionen Euro zurück an Bund und Schleswig-Holstein. Das US-Startup Lyten übernimmt das Werk bei Heide und plant zunächst 1.000 Arbeitsplätze, statt der versprochenen 3.000.

11. April 2026, 10:10 Uhr 712 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Von 600 Millionen Euro staatlicher Förderung fließen nach der Insolvenz des schwedischen Batterieherstellers Northvolt 153 Millionen Euro zurück an Bund und Land Schleswig-Holstein. Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigte die Rückzahlung gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Überraschend ist nicht nur, dass überhaupt Geld zurückkommt, sondern dass es so viel ist: Mehr als ein Viertel der staatlichen Mittel ist gesichert. Das US-Startup Lyten will das Batteriefabrikgelände bei Heide übernehmen, plant dort aber zunächst nur 1.000 Stellen statt der einst versprochenen 3.000.

Was mit dem Steuergeld passiert ist

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau hatte Northvolt eine Wandelanleihe über 600 Millionen Euro gewährt. Bund und Land Schleswig-Holstein bürgten jeweils zur Hälfte. Von diesen Mitteln wurden rund 330 Millionen Euro in den Aufbau der deutschen Northvolt-Tochtergesellschaft investiert: Grundstückskauf, Erschließung und Maschinen auf dem Gelände nahe Heide. Rund 50 Millionen Euro lagen in einem gesperrten Konto, das die Insolvenz der deutschen Tochter verhindern sollte.

Die nun zurückgezahlten 153 Millionen Euro wurden im Zuge der Insolvenzabwicklung freigesetzt und gehen je zur Hälfte an Bund und Land. Weitere bis zu 69 Millionen Euro sollen im Sommer 2026 aus der sogenannten solventen Liquidation der Northvolt Drei Projektgesellschaft folgen, sofern die zuständige Umweltbehörde die Abwicklung des Geländes genehmigt. Zusammen wären das maximal 222 Millionen Euro an Rückflüssen. Der Verlust bliebe bei rund 378 Millionen Euro.

Lyten: 1.000 Stellen statt 3.000

Das US-amerikanische Unternehmen Lyten hat bereits die schwedische Northvolt-Muttergesellschaft übernommen und will nun auch die deutsche Tochter fortführen. Lyten-Chef Dan Cook traf sich mit der schleswig-holsteinischen Landesregierung und kündigte an, mit zunächst rund 1.000 Beschäftigten auf dem Gelände bei Heide zu planen. Northvolt hatte gegenüber Politik und Öffentlichkeit stets 3.000 Stellen als Zielvorgabe kommuniziert. Das war eines der zentralen Argumente für die staatliche Förderung gewesen.

Lyten fokussiert sich auf Schwefel-Lithium-Batterietechnologie, die gegenüber herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus eine höhere Energiedichte bei geringerem Gewicht verspricht. Das Unternehmen sieht Anwendungsfelder in der Verteidigung, bei stationären Energiespeichern und in der Elektromobilität. Gespräche zwischen Lyten, Bund und KfW über eine weitere staatliche Mitfinanzierung des Neubetriebs laufen noch. Eine Förderzusage liegt bislang nicht vor.

Warum überhaupt Geld zurückkommt

Staatliche Beteiligungen an insolventen Industrieunternehmen enden oft mit Totalverlusten. Bei Northvolt war das anders, weil die Mittel in Sachwerte flossen, die sich veräußern lassen. Das Gelände bei Heide ist erschlossen, die Infrastruktur steht. Das macht das Projekt für einen Nachfolger wie Lyten attraktiv und erklärt, warum ein Teil der Staatsmittel zurückgewonnen werden konnte.

Eine Rolle spielt auch die Vertragsstruktur: Die KfW hatte Northvolt eine Wandelanleihe gewährt, keine direkte Subvention. Wandelanleihen können im Insolvenzfall in Anteile umgewandelt werden und verschaffen dem Gläubiger zumindest teilweise Zugriff auf die Insolvenzmasse. Das unterscheidet das Northvolt-Engagement von reinen Zuschüssen, bei denen im Insolvenzfall fast nichts zurückfließt.

Was der Rückschlag für die Batteriestrategie bedeutet

Das Bundeswirtschaftsministerium unter Robert Habeck hatte die Förderung als Investition in die europäische Batteriesouveränität begründet. Ohne eigene Zellfertigung, so das Argument, würde Deutschland im globalen Wettbewerb dauerhaft von asiatischen Lieferanten abhängig bleiben. Dieses Ziel ist mit dem Northvolt-Zusammenbruch zunächst gescheitert. Im Koalitionsvertrag der CDU/CSU-SPD-Regierung ist Batteriefertigung als Förderpriorität genannt. Konkrete Mittel für eine Nachfolgeregelung sind nicht vorgesehen.

Der neue Wirtschaftsminister Katherina Reiche äußerte sich bisher nicht dazu, ob das Lyten-Engagement zu vergleichbaren Bedingungen gefördert werden soll wie das ursprüngliche Northvolt-Projekt. Aus dem Ministerium hieß es lediglich, man begrüße die Perspektive für Arbeitsplätze in der Region.

Was als nächstes zu erwarten ist

Im Sommer 2026 soll die solvente Liquidation der Northvolt Drei Projektgesellschaft weitere bis zu 69 Millionen Euro freisetzen, sofern die Umweltbehörde zustimmt. Parallel laufen die Verhandlungen zwischen Lyten, Bund und KfW. Lyten-Chef Cook hat eine erste Entscheidung über den Betriebsbeginn in Heide für das zweite Quartal 2026 angekündigt. Ob und zu welchen Bedingungen die KfW weitere Mittel bereitstellt, wird über das Tempo der Übernahme entscheiden.

KI-gestützt erstellt

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