524 Drohnen, Peking und ein Gesprächsangebot
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524 Drohnen, Peking und ein Gesprächsangebot

Russland schickte in der Nacht auf Montag 524 Drohnen und 22 Raketen auf ukrainische Städte. Schulen und Kindergärten in Odessa wurden getroffen, in Dnipro schlug eine Drohne in ein Wohnhochhaus ein. Gleichzeitig bot Kremlsprecher Peskow Europa Gespräche an. Putin fliegt morgen nach Peking.

18. Mai 2026, 17:42 Uhr 760 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Die ukrainische Luftwaffe schoss in der Nacht auf Montag 503 von 524 Drohnen und vier von 22 Raketen ab. Das reichte nicht. Die restlichen Geschosse trafen Wohnhäuser, einen Kindergarten und ein Lyzeum in Odessa sowie ein 24-stöckiges Wohngebäude in Dnipro. Mindestens 18 Menschen wurden in Dnipro verletzt, darunter zwei Kinder. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte wenig später die russische Gesprächsbereitschaft mit Europa. Am 19. Mai trifft Wladimir Putin Xi Jinping in Peking.

Vier Regionen, eine Nacht

Die ukrainische Luftwaffe gab am Montagmorgen bekannt, dass sie 503 der 524 Drohnen und vier der 22 abgefeuerten Raketen abgefangen hatte. Dennoch trafen 16 Drohnen und 18 Raketen insgesamt 34 Standorte im Land, wie Arab News unter Berufung auf die ukrainische Luftwaffe berichtete. Es ist einer der umfangreicheren russischen Luftangriffe seit dem Massenangriff vom 13. Mai, bei dem Russland mehr als 1.560 Drohnen einsetzte.

Das schwerste Einzelereignis dieser Nacht spielte sich in Dnipro ab. Eine Drohne traf ein 24-stöckiges Wohngebäude. Der Kyiv Independent berichtete unter Berufung auf Regionalbehörden von 18 Verletzten, darunter zwei Kinder. In Odessa beschädigten Drohnen Wohngebäude in zwei Stadtteilen, dazu ein Lyzeum und einen Kindergarten. Ein elfjähriger Junge und ein 59-jähriger Mann wurden verletzt. In Saporischschja und Cherson meldeten Behörden weitere Einschläge ohne Todesopfer.

Die Angriffsstruktur ähnelt der Taktik, die Russland seit Monaten einsetzt: Ein Teil der Drohnen soll die Luftabwehr binden, ein anderer Teil sucht Lücken im Schutzschirm. Dass bei 503 abgefangenen Geschossen trotzdem 34 Standorte getroffen wurden, zeigt die Belastungsgrenze des ukrainischen Luftabwehrsystems. Die Ziele dieser Nacht waren nach Behördenangaben überwiegend zivile Infrastruktur.

Peskows Gesprächsofferte

Noch am Samstagabend, Stunden nachdem ukrainische Drohnen Moskau angegriffen hatten, trat Kremlsprecher Dmitri Peskow vor Journalisten und lieferte eine unerwartete Erklärung. Der Wandel hin zu dem Verständnis, dass man irgendwann mit den Russen sprechen müsse, sei gut, sagte Peskow laut Kyiv Independent. Russland sei daran interessiert, den Dialog mit Europa über den Krieg wiederaufzunehmen.

Die Substanz dieses Angebots wird durch drei Bedingungen eingeschränkt, die es faktisch aushöhlen. Erstens: Russland werde den Kontakt nicht selbst initiieren, Europa habe nach 2022 die Verbindungen gekappt und müsse daher den ersten Schritt machen. Zweitens: EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas werde als Vermittlerin abgelehnt. Drittens: Für ein direktes Gespräch mit Selenskyj setze Putin voraus, dass der ukrainische Präsident nach Moskau reise. Keine dieser Bedingungen ist für Kyjiw oder Brüssel akzeptabel.

Dass solche Signale ausgerechnet parallel zu einem der schwersten russischen Gegenangriffe des Monats kommen, ist kein Ausrutscher. Nach der Waffenruhe Anfang Mai ließ der Kreml entsprechende Signale folgen. Nach dem Angriff auf das Ölterminal Primorsk Anfang Mai ebenso. Nach dem 800-Drohnen-Angriff vom 14. Mai genauso. Das Muster ist stabil: militärische Eskalation kombiniert mit konditionaler Gesprächsbereitschaft.

Der Kalkül hinter dem Doppelzug

Europas Außenpolitik steckt damit in einem strukturellen Dilemma. Das Dialogsignal einfach ignorieren würde den Eindruck erwecken, Europa sei der Verhandlungsverweigerer. Darauf eingehen bedeutet, Bedingungen zu akzeptieren, die einer Kapitulation der Ukraine gleichkämen. Kremlin-Strategen wissen das. Das Gesprächsangebot ist nicht an Kyjiw gerichtet, sondern an Beijing und Washington: Seht, wir sind gesprächsbereit.

Ukraines Außenminister Andrii Sybiha hatte beim EU-Außenministertreffen am 11. Mai in Brüssel mit einem konkurrierenden Vorschlag reagiert: ein Waffenstillstand für Flughäfen, von beiden Seiten vereinbart und ohne russische Vorbedingungen. Die EU-Mitglieder nahmen den Vorschlag zurückhaltend auf. Eine direkte russische Reaktion blieb aus. Wer ein Angebot macht und eine Ablehnung provoziert, macht die andere Seite sichtbar als die, die Verhandlungen verweigert. Die ukrainische Seite verfolgt dieselbe Logik wie Moskau, nur in die entgegengesetzte Richtung.

Peking am 19. Mai, Limassol am 27. Mai

Genau diese Botschaft der russischen Gesprächsbereitschaft wird Putin morgen im Gepäck haben. Am 19. und 20. Mai trifft er Xi Jinping in Peking zum 25. Jahrestag des russisch-chinesischen Freundschaftsvertrags von 2001. Es ist Putins erster Staatsbesuch in China seit gut einem Jahr. Und es kommt vier Tage nach Trumps eigenem Peking-Besuch, bei dem der Iran dominierte und die Ukraine nur am Rande vorkam.

China hat die russische Invasion nie verurteilt und kauft nach Angaben der Internationalen Energieagentur mehr als 80 Prozent des iranischen Öls, was Beijing zu einem zentralen wirtschaftlichen Akteur im Konfliktumfeld macht. Wenn Putin Xi gegenüber als gesprächsbereit erscheint und gleichzeitig auf ukrainische Angriffe auf Moskau hinweist, gerät die EU in eine schwierige Erklärungslage.

Am 27. und 28. Mai treffen sich die EU-Außenminister informell beim Gymnich-Treffen in Limassol auf Zypern. Es wird das erste Mal sein, dass alle 27 Mitglieder gemeinsam Bedingungen für direkte Gespräche mit Russland erörtern. Sybihas Flughafenvorschlag liegt dort auf dem Tisch. Die 524 Drohnen dieser Nacht geben den Rahmen vor, in dem diese Gespräche stattfinden werden. Russland greift an und bietet gleichzeitig an. Diese Gleichzeitigkeit ist kein Widerspruch, sie ist die Strategie.

Quellen (7)

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