800 Drohnen: Russland eskaliert zum Trump-Xi-Gipfel
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800 Drohnen: Russland eskaliert zum Trump-Xi-Gipfel

Mit mehr als 800 Drohnen startete Russland seinen schwersten Angriff seit Monaten auf die Ukraine. Sechs Menschen starben, 23 Eisenbahneinrichtungen wurden getroffen. Polen ließ Kampfjets aufsteigen, Rumänien meldete den siebten Luftraumverstoß des Jahres. Das Timing: Der Angriff fiel auf den Beginn des Trump-Xi-Gipfels in Peking.

14. Mai 2026, 3:00 Uhr 868 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Mindestens sechs Menschen starben in der Nacht auf Donnerstag bei russischen Drohnenangriffen auf die Ukraine, Dutzende wurden verletzt, darunter Kinder. Russland setzte nach ukrainischen Angaben über 800 Drohnen ein, viermal mehr als am Vortag. Präsident Selenskyj nannte den Zeitpunkt kein Zufall: Der Angriff fiel auf den Auftakt des Trump-Xi-Gipfels in Peking.

Eisenbahninfrastruktur als strategisches Ziel

Der Angriff begann kurz nach Mitternacht und dauerte Stunden. Die staatliche Eisenbahngesellschaft Ukrsalisnyzja verzeichnete 23 Treffer auf Einrichtungen in sieben Regionen: Transkarpatien, Lwiw, Schytomyr, Riwne, Wolyn, Charkiw und Dnipropetrowsk. Dabei wurden drei Lokomotiven zerstört, sieben Vorortzugwaggons, acht Güterwagen, fünf Traktionsstromversorgungen, fünf Depots und zwei Brücken beschädigt oder vernichtet. Ein Bahnmitarbeiter in Sdolbuniw kam ums Leben, als er während des Angriffs zu einem Schutzraum laufen wollte.

Die ukrainische Eisenbahn teilte mit, der Betrieb laufe trotz der Schäden im gesamten Netz weiter. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Russland bombardiert Ukraines Schieneninfrastruktur systematisch, weil die Bahn für den Nachschub von Militärgerät und humanitärer Hilfe unverzichtbar ist. Internationale Partner haben die Ukraine mit Reparaturmaterial und Technik versorgt, damit das Netz auch unter intensivem Beschuss funktionsfähig bleibt.

Insgesamt traf der Angriff nach Behördenangaben 20 Regionen. Zu den betroffenen Städten zählten Kiew, Lwiw und Odessa. Mit über 800 Drohnen war es der schwerste Angriff der laufenden Woche und viermal umfangreicher als die rund 200 Schahed-Drohnen, die Russland am Vortag eingesetzt hatte.

Warum gerade jetzt

Selenskyj wählte nach dem Angriff deutliche Worte. Russland greife in "Zeiten, in denen verschiedene internationale Treffen stattfinden" an, um "so viel Schmerz und Trauer wie möglich zu verursachen, speziell in diesen Tagen". Der konkrete Anlass: Am 14. Mai trafen Donald Trump und Xi Jinping in Peking zusammen für ein Treffen, das als erster Staatsbesuch eines amtierenden US-Präsidenten in China seit fast einem Jahrzehnt gilt.

Der Iran-Krieg steht bei diesem Gipfel an erster Stelle. Washington sucht Peking als wirtschaftlichen Hebel auf Teheran, weil China trotz US-Sanktionen mehr als 80 Prozent des iranischen Öls abnimmt. Ein Gipfelerfolg könnte den US-Fokus wieder stärker nach Europa richten. Für Russland wäre das keine gute Nachricht, denn politische Aufmerksamkeit ist in der Außenpolitik eine endliche Ressource.

Dass Russland Angriffe auf diplomatisch bedeutsame Termine abstimmt, ist dokumentiert. Unmittelbar nach Ende der dreitägigen Waffenruhe am 12. Mai setzte der Beschuss wieder ein. Die Washington Post berichtete, die jüngste Eskalation falle bewusst in eine Phase, in der Trump mit Xi auf den Titelseiten steht und nicht mit Moskau.

NATO an der Ostflanke

Der Angriff hatte direkte Konsequenzen für zwei NATO-Mitglieder. Polen ließ F-16-Kampfflugzeuge aufsteigen, nachdem russische Drohnen in gefährlicher Nähe zum polnischen Luftraum geflogen waren. Das Verteidigungsministerium in Warschau aktivierte Standardprotokolle und verfolgte die Drohnen auf dem Radar.

Rumänien ist in diesem Jahr bereits das siebte Mal von russischen Drohnen im eigenen Luftraum verletzt worden. Insgesamt 11 Mal wurden Munitionsfragmente auf rumänischem Territorium gefunden, 18 Mal startete das Land Kampfjets. Rumänien liegt geografisch nahe der Südukraine und ist strukturell von Drohnen-Fehltrajektorien betroffen: Geschosse, die ihr Ziel verfehlen oder von der ukrainischen Luftabwehr abgelenkt werden, landen regelmäßig auf der anderen Seite der Grenze.

Eine kollektive NATO-Antwort auf diese Eindringlinge gibt es bislang nicht. Die Allianz koordiniert die Überwachung, aber die Mitgliedstaaten an der Ostflanke, darunter Polen, Rumänien und die Slowakei, tragen die Sicherheitslast weitgehend allein.

Trump und Xi entscheiden in Peking

Die zentralen Gespräche zwischen Trump und Xi fanden am 14. und 15. Mai statt. Ob China bereit ist, seinen wirtschaftlichen Hebel auf Teheran einzusetzen, entscheidet sich in diesen Stunden. Peking kauft mehr als 80 Prozent des iranischen Öls, meist über verschachtelte Tankerstrukturen und wäre der einzige externe Akteur, der die Finanzierung des iranischen Kriegs kurzfristig schwächen könnte.

Selenskyj ließ trotz des massivsten Angriffs seit Wochen erkennen, dass er die diplomatischen Bemühungen nicht aufgibt: "Wir hoffen, dass Druck auf Russland zusammen mit Verhandlungen in verschiedenen Formaten helfen wird, Frieden zu bringen." Das ist ein Signal an Washington und Peking, die Ukraine nicht aus den Gesprächen herauszuhalten.

Wenn China Russland öffentlich unter Druck setzt oder die Ölkäufe aus Iran drosselt, verändert das die Verhandlungsdynamik im Nahen Osten und schafft zumindest politisch Kapazitäten für Europa. Scheitert der Gipfel, bleibt Russland ohne nennenswerten externen Druck und der Krieg geht so weiter, wie er seit dem Ende der Waffenruhe am 12. Mai läuft.

Update 14. Mai, 13:00 Uhr: Die Angriffswelle hält an: Präsident Selenskyj teilte mit, Russland habe seit Mittwoch insgesamt mehr als 1.560 Drohnen auf die Ukraine abgefeuert. Ein Folgeangriff am Donnerstagmorgen traf Kyjiv, tötete eine Person und verletzte 31 weitere. Damit hat sich die Drohnenzahl der aktuellen Angriffsserie gegenüber dem ursprünglich gemeldeten Erstangriff fast verdoppelt. Die Angriffe setzen sich fort, obwohl die USA und Russland nach der Trump-Xi-Begegnung in Peking erneut Verhandlungsbereitschaft signalisierten.

Update 14. Mai, 17:00 Uhr: Am ersten Gipfeltag in Peking dominierte Taiwan die Agenda: Xi Jinping warnte vor einer hochgefährlichen Entwicklung, falls Washington Chinas Kerninteresse an der Insel nicht respektiere. Für die Ukraine brachte der erste Gipfeltag keine Signale: Eine gemeinsame Erklärung zu Russland blieb aus, Trump ließ durchblicken, er halte chinesischen Druck auf Teheran für weniger entscheidend als ursprünglich erhofft. Selenskyj bestätigte am Donnerstagnachmittag, Russland nehme gezielt Städte nahe der NATO-Ostflanke unter Beschuss. Am 15. Mai findet der zweite Gipfeltag mit einer geplanten Abschlusserklärung statt.

Quellen (11)

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