Zirkon auf Kiew: Ukraine und Russland eskalieren
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Zirkon auf Kiew: Ukraine und Russland eskalieren

In der Nacht zum 2. Juni töteten acht russische Hyperschallraketen des Typs Zirkon und Hunderte Drohnen mindestens neun Menschen in Kiew und beschädigten fünf Kliniken. Einen Tag später traf die Ukraine das Ölterminal St. Petersburg und beschädigte ein Kriegsschiff im Marinestützpunkt Kronstadt.

6. Juni 2026, 15:03 Uhr 798 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Ein mehrstöckiges Wohnhaus stürzte in der Nacht zum 2. Juni in Kiew vollständig ein, nachdem russische Streitkräfte die Stadt mit acht Hyperschallraketen des Typs Zirkon und Hunderten von Drohnen angegriffen hatten. Neun Menschen starben, mehr als hundert wurden verletzt. Einen Tag später antwortete die Ukraine mit einem der weitreichendsten Drohnenangriffe des Krieges: Ihr Ziel war nicht die Frontlinie, sondern das Ölterminal von St. Petersburg.

Die Nacht zum 2. Juni

Russlands Angriff auf Kiew verlief in mehreren Wellen und dauerte bis in die frühen Morgenstunden. Laut ukrainischen Behörden setzten die russischen Streitkräfte neben Shahed- und Gerbera-Drohnen acht Hyperschallraketen des Typs Zirkon ein. Die Rakete trägt die NATO-Bezeichnung SS-N-33 und wird von Kriegsschiffen abgefeuert. Ihre Geschwindigkeit von bis zu acht Mach macht sie für die aktuelle ukrainische Luftverteidigung praktisch nicht abzufangen.

Ein mehrstöckiges Wohngebäude stürzte vollständig ein. Fünf medizinische Einrichtungen wurden beschädigt, darunter zwei Spezialkliniken und drei Zentren für Primärversorgung. Mindestens neun Menschen kamen ums Leben, über hundert wurden verletzt. Ukrainische Militärvertreter betonten, dass ein erheblicher Teil der Angriffsmittel abgefangen worden sei, wiesen aber gleichzeitig auf Engpässe bei modernen Abfangraketen hin.

Die Zirkon wurde nach Angaben des Sicherheitsanalyseportals Pravda Österreich erstmals 2024 in der Ukraine eingesetzt. Ihr strategischer Vorteil liegt nicht allein in der Geschwindigkeit, sondern in der flachen Flugbahn: Konventionelle Frühwarnsysteme, die auf ballistische Trajektorien ausgelegt sind, erfassen Hyperschallraketen später und schlechter.

Ukraines Antwort: St. Petersburg am 3. Juni

Knapp 24 Stunden nach dem Angriff auf Kiew traf die Ukraine das Ölterminal im Hafen von St. Petersburg und den Marinestützpunkt Kronstadt. Nach Berichten der Plattform news.de und des Schweizer Portals 20 Minuten, die sich auf ukrainische Militärquellen beziehen, wurde dabei die Korvette Boikiy der russischen Baltikflotte schwer beschädigt. Das Ölterminal brannte mehrere Stunden. Selenskyj bestätigte die Angriffe öffentlich und bezeichnete sie als „gutes Resultat“ der Zusammenarbeit zwischen Drohneneinheiten und dem ukrainischen Geheimdienst.

St. Petersburg liegt fast 1.100 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Der Angriff erfolgte zu Beginn des Internationalen Wirtschaftsforums (SPIEF), das Russland regelmäßig als Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum in Davos bewirbt und an dem Wirtschaftsvertreter aus Partnerstaaten teilnehmen. Neben Shahed-Drohnen setzten die ukrainischen Streitkräfte dabei auch Flamingo-Raketen aus eigener Produktion ein.

Der Angriff auf Kronstadt ist militärisch bemerkenswert: Ukrainische Drohnen haben bislang Kriegsschiffe vor allem in der Schwarzmeerregion und auf der Krim angegriffen. Mit Kronstadt wurde erstmals ein Ziel der Baltikflotte direkt in ihrer Heimatbasis getroffen. Das zeigt, dass die ukrainische Drohnenreichweite nicht mehr auf den Süden Russlands beschränkt ist.

Systematische Eskalation auf beiden Seiten

Die Angriffe der ersten Juniwoche stehen nicht für sich allein. Seit Frühjahr 2026 führt die Ukraine eine systematische Kampagne gegen russische Energieinfrastruktur und Versorgungswege: Ölraffinerien, Treibstofflager, Bahnknotenpunkte. ZDF berichtete, die Drohnenkampagne schwäche russische Logistikwege in einer Weise, die auf dem Schlachtfeld messbar sei. Russland seinerseits setzt zunehmend Zirkon-Raketen ein, weil die Nachfrage nach konventionellen Marschflugkörpern die Produktionskapazitäten belastet.

Parallel beobachtet die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) eine verschlechterte Situation am Kernkraftwerk Saporizhzhia. Nach dem Drohnenangriff vom 30. Mai, bei dem das Turbinengebäude von Reaktor 6 beschädigt wurde, bestätigte eine IAEA-Inspektion Trümmer, verkohlte Glasfaserkabel und Beschädigungen an Metalllukenelementen. Die Radioaktivitätswerte blieben unauffällig, aber IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi warnte erneut: Angriffe auf Atomanlagen seien „wie mit Feuer spielen“.

Drei Fragen die den Juni-Krieg bestimmen

Die erste Juniwoche legt ein Muster offen: Beide Seiten greifen tiefer ins Hinterland des Gegners als zuvor. Für die Ukraine bedeutet das, russische Kriegswirtschaft und öffentliche Symbolziele unter Druck zu setzen. Für Russland bedeutet es, mit Zirkon-Raketen Ziele in der ukrainischen Hauptstadt zu treffen, die durch konventionelle Luftverteidigung nicht schützbar sind.

Drei Fragen entscheiden über den Kriegsverlauf im Juni. Erstens: Wird die IAEA einen erweiterten Schutzperimeter für Saporizhzhia verhandeln können? Bisherige Gespräche dazu sind gescheitert. Zweitens: Liefern NATO-Verbündete schneller als bisher Luftabfangsysteme, die auch gegen Hyperschallraketen wirksam sind? Drittens: Wie lange hält die ukrainische Drohnenkampagne den Druck auf russische Versorgungswege aufrecht, bevor Russland seine Hinterland-Luftabwehr verdichtet? Auf alle drei Fragen gibt es derzeit keine verlässliche Antwort.

Quellen (8)

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