Weltrekord: 814 Gigawatt Wind und Solar in einem Jahr
1976 kostete ein Watt installierter Solarleistung rund 100 Dollar. Heute sind es weniger als 30 Cent. Aus dieser Verbilligung um den Faktor 380 folgt ein Rekord, der den Markt beschreibt, nicht einen politischen Beschluss: Im Jahr 2025 installierte die Welt 814 Gigawatt neue Wind- und Solarkapazität, 17 Prozent mehr als im Vorjahr und mehr als je zuvor in einem einzigen Jahr.
Was hinter dem Rekord steckt
Von den 814 Gigawatt des Jahres 2025 entfielen laut dem unabhängigen Klimaforschungsinstitut Ember 647 Gigawatt auf Solaranlagen und 167 Gigawatt auf Windkraft. Der Windanteil stieg im Vergleich zu 2024 um 47 Prozent, Solar legte um 11 Prozent zu. Das Gesamtwachstum von 17 Prozent liegt über dem Schnitt der vergangenen fünf Jahre.

Den Maßstab liefert ein Vergleich mit Kohle: Die weltweit installierte Kohle-Kraftwerkskapazität beträgt laut Internationaler Energieagentur rund 2.100 Gigawatt. Wind und Solar übertreffen diesen Wert inzwischen um das Doppelte. Beim tatsächlich erzeugten Strom liegt Kohle aufgrund ihrer höheren Auslastung noch vorne, aber die installierte Kapazität zeigt eindeutig, wohin die Investitionen fließen.
Rechnerisch kann die neue Kapazität von 814 GW etwa ein Siebtel der globalen Gasstromerzeugung ersetzen. Bei aktuellen Gaspreisen entspricht das eingesparten Importen im Wert von 138 Milliarden Dollar pro Jahr. Trotz eines globalen Strombedarfswachstums von 2,6 Prozent sanken die CO2-Emissionen des Stromsektors in der ersten Jahreshälfte 2025 um 12 Millionen Tonnen, weil Erneuerbare schneller wachsen als der Gesamtbedarf.
Von 100 Dollar auf 30 Cent pro Watt
Der eigentliche Treiber hinter den Rekordinstallationen ist nicht politischer Wille, sondern Preisverfall. In den 1970er-Jahren kostete ein Watt installierter Solarleistung rund 100 Dollar. Laut dem Energieanalysten Lazard liegt der Preis heute unter 0,30 Dollar. Das entspricht einer Verbilligung um den Faktor 380 in etwa fünfzig Jahren.
Dieser Kollaps ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis von Skaleneffekten: Je mehr Solarmodule produziert wurden, desto günstiger wurde die Herstellung. China baute in den 2010er-Jahren eine Fertigungskapazität auf, die den Weltmarkt mit günstigen Modulen versorgt. Heute liegen die Betriebskosten neuer Solar- und Windanlagen unter den reinen Brennstoffkosten vieler bestehender Kohle- und Gaskraftwerke. Das bedeutet: Erneuerbare rechnen sich für private Investoren ohne Subventionen.
Wind folgt einer ähnlichen Kurve. Größere Turbinen, effizientere Rotorblätter und die industrielle Reife der Offshore-Montage haben die Kosten in den vergangenen zehn Jahren halbiert. 1960 war Kohle die günstigste Stromerzeugungsmethode der Welt. Heute, sechzig Jahre später, sind es Solar und Wind.

Was Dänemark, Spanien und Costa Rica zeigen
Ein berechtigter Einwand ist technischer Natur: 814 GW beschreibt installierte Leistung, nicht gespeicherten Strom. Wenn die Sonne nicht scheint und kein Wind bläst, liefern diese Anlagen nichts. Batteriespeicher sind separat ausgewiesen und noch deutlich kleiner.
Aber mehrere Länder zeigen, dass Netze hohe Anteile fluktuierender Quellen bewältigen können. Dänemark deckte 2024 rund 59 Prozent seines Strombedarfs mit Wind und über 88 Prozent aus erneuerbaren Quellen insgesamt. Spanien erzielte am 16. April 2025 erstmals einen ganzen Werktag, an dem Wind, Solar und Wasserkraft zusammen den gesamten nationalen Strombedarf deckten. Costa Rica bezieht seit Jahren über 99 Prozent seines Stroms aus Erneuerbaren, hauptsächlich Wasserkraft, Wind und Geothermie.
Ein zweites Caveat betrifft die geografische Konzentration: Rund 64 Prozent aller globalen Neuinstallationen entfielen 2024 auf China. Der Rekord hängt strukturell stark von einem einzigen Land ab. Allerdings legten auch Indien, die USA und Europa zu. Indien überschritt 2025 die Marke von 250 Gigawatt gesamter erneuerbarer Kapazität.
Bis 2030 fehlen noch 7.000 Gigawatt
Auf der Klimakonferenz COP28 im Jahr 2023 verpflichteten sich fast alle Länder, die globale erneuerbare Kapazität bis 2030 zu verdreifachen, von rund 3.400 GW auf mindestens 11.000 GW. Von den heute installierten 4.170 GW fehlen noch rund 7.000 GW in fünf Jahren, also gut 1.400 GW jährlich.
Das aktuelle Tempo von 814 GW liegt deutlich darunter. Aber die Wachstumskurve zeigt nach oben: 2022 wurden noch rund 565 GW installiert, 2023 etwa 670, 2024 rund 696, 2025 nun 814 Gigawatt. Wenn die jährliche Steigerungsrate von 15 bis 20 Prozent anhält, könnte die Welt um 2028 die Marke von 1.400 GW erreichen. Ember und die Internationale Energieagentur sehen das COP28-Ziel als mit einigen Jahren Verzögerung erreichbar, aber nur wenn Stromnetzausbau und Speicher mit der wachsenden Erzeugungskapazität Schritt halten.
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