Belgien liefert alle 53 F-16-Jets an die Ukraine
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Belgien liefert alle 53 F-16-Jets an die Ukraine

Belgien will bis 2029 alle 53 F-16-Kampfjets an die Ukraine liefern. Das übersteigt die Zusagen der Niederlande, Dänemarks und Norwegens zusammen. Kein einziges belgisches Flugzeug ist bisher in Kiew angekommen.

11. Mai 2026, 4:36 Uhr 790 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Während die Niederlande ihre 24 zugesagten F-16 längst in der Ukraine haben und Dänemark immerhin zwölf von neunzehn Jets übergab, ist aus Belgien bisher kein einziges einsatzfähiges Kampfflugzeug in Kiew gelandet. Vier ausgemusterte Maschinen stehen dort, dienen aber nur als Übungsobjekte für ukrainische Techniker. Der Grund für die Verzögerung ist banal: Brüssel wartet auf die Auslieferung von F-35-Jets aus den USA, die seine F-16 ablösen sollen. Erst wenn ein neuer Jet kommt, wird ein alter frei. Dass Washington bereits jetzt 235 Millionen Dollar in die Wartung der noch nicht gelieferten Flugzeuge gesteckt hat, zeigt: Der Transfer ist als Jahrzehnt-Verpflichtung angelegt, nicht als kurzfristige Geste.

Die größte Einzelzusage im F-16-Verbund

Ursprünglich hatte Belgien dreißig seiner F-16-Maschinen für die Ukraine zugesagt. Die neue Ankündigung verdoppelt die Verpflichtung annähernd: Sämtliche 53 Einheiten sollen gestaffelt übergeben werden. Sieben Maschinen 2026, fünf im Jahr 2027, vierzehn 2028 und die restlichen siebenundzwanzig 2029. Der Zeitplan ist direkt an Belgiens eigene Aufrüstung geknüpft. Brüssel kauft 45 F-35-Jets als Ersatz von Lockheed Martin; die ersten Exemplare trafen im Oktober 2025 ein und für jede F-35 die in Dienst gestellt wird, wird eine F-16 für die Ukraine frei.

Vier bereits außer Betrieb gesetzte F-16 sind schon in der Ukraine, allerdings nicht als Kampfflugzeuge: Ukrainische Techniker nutzen sie für Ausbildungszwecke, um die Wartung des Musters zu erlernen. Zum Vergleich: Die Niederlande haben alle 24 zugesagten Jets inzwischen übergeben, Dänemark lieferte zwölf von neunzehn. Norwegen hat trotz einer Zusage von 6 Maschinen bislang kein Flugzeug übergeben. Die Ukraine verfügt nach Schätzungen über etwa 39 einsatzbereite F-16, das Gros davon niederländischen und dänischen Ursprungs. Belgiens 53 Jets würden diese Flotte mehr als verdoppeln.

Warum Washington bereits investiert hat

Noch bevor ein einziger belgischer F-16 Kiew erreicht hat, unterzeichnete das US-Verteidigungsministerium im Januar 2026 einen Vertrag über 235,4 Millionen Dollar mit dem belgischen Unternehmen Sabena Aerospace Engineering. Der Auftrag läuft bis Januar 2029 und umfasst die Instandhaltung ukrainischer F-16 auf Intermediate- und Depot-Ebene. Die Entscheidung, diese Wartungsinfrastruktur früh zu etablieren, signalisiert, dass Washington den Transfer als langfristige Verpflichtung betrachtet.

Die Vergabe an ein belgisches Unternehmen hat auch logistischen Hintergrund: Sabena Aerospace kennt die Konfiguration der belgischen F-16-Flotte aus jahrzehntelanger Erfahrung. Für die Ukraine bedeutet das Wartungskapazität, die auf die konkret eingesetzten Maschinen zugeschnitten ist, statt auf den generischen F-16-Standard. Das US-Vertragslaufzeitende Januar 2029 deckt sich präzise mit dem geplanten Abschluss der Gesamtübergabe.

Das eigentliche Problem: Verzögerungen

Belgien steht nicht allein damit, dass Ankündigungen und Lieferungen auseinanderfallen. Norwegen hat bis April 2026 kein einziges Flugzeug übergeben. Bei Belgien selbst war eine Lieferung bereits für 2024 und 2025 angekündigt worden; sie ist nicht erfolgt. Der Grund liegt strukturell: Die F-35-Beschaffung geht langsamer voran als geplant. Produktionsverzögerungen bei Lockheed Martin sind seit Jahren bekannt und haben bereits mehrere europäische Bestellungen nach hinten verschoben.

Das politische Bekenntnis ist dennoch real. Kein anderes NATO-Land hat bisher beschlossen, den gesamten Bestand eines Kampfjet-Musters an die Ukraine abzugeben. Ob der Zeitplan eingehalten wird, hängt davon ab, wie schnell die F-35-Lieferungen eintreffen. Das belgische Verteidigungsministerium hat bislang keine öffentlichen Angaben gemacht, in welchem Ausmaß mögliche weitere F-35-Verzögerungen die Übergabedaten verschieben könnten.

Was 53 belgische F-16 für die ukrainische Luftwaffe bedeuten

Die ukrainische Luftwaffe kämpft seit Kriegsbeginn mit veralteten sowjetischen Mustern und leidet unter Ersatzteilmangel. Der Wechsel auf F-16 ist keine einfache Umrüstung: Piloten brauchen bis zu 18 Monate Training, Bodenpersonal mehrere Jahre. Die Ukraine bildet seit 2024 Piloten in den Niederlanden und Dänemark aus. Die Zahl der ausgebildeten F-16-Piloten ist damit der eigentliche Engpass, nicht die Zahl der Flugzeuge selbst.

Mit rund 39 einsatzbereiten Jets und einer überschaubaren Zahl ausgebildeter Piloten stellt sich die Frage, was 53 zusätzliche Maschinen konkret ändern, wenn die Ausbildungsinfrastruktur nicht parallel wächst. Die Niederlande und Dänemark haben deshalb begonnen, ihre Ausbildungskapazitäten auszubauen. Konkrete Zahlen zu bereits ausgebildeten Piloten hat Kiew nicht veröffentlicht. Das Ausbildungsproblem ist allerdings lösbar: Zeit und Ressourcen sind vorhanden. Das Beschaffungsproblem hingegen nicht.

Sieben Jets bis Ende 2026

Die nächste überprüfbare Wegmarke ist die Lieferung von sieben einsatzbereiten F-16 noch im Jahr 2026. Ob dieser Termin gehalten wird, hängt davon ab, ob Belgien bis dahin genügend F-35 erhalten hat, um die entsprechenden F-16 aus dem Bestand entlassen zu können. Sollte sich die F-35-Beschaffung weiter verzögern, verschiebt sich auch die erste belgische Kampfjet-Lieferung nach hinten.

Für die Ukraine ist die belgische Zusage eine Perspektive, kein sofortiger Zugewinn. Was zählt, sind nicht die 53 Jets auf dem Papier, sondern die sieben, die noch vor dem Jahresende fliegen sollen. Das US-Wartungsabkommen mit Sabena zeigt, dass die Infrastruktur für die gesamte Lieferkette bereits steht. Die Frage ist, wie schnell die Flugzeuge folgen.

Quellen (7)

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