IRGC erklärt: Raketen auf US-Ziele ausgerichtet
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IRGC erklärt: Raketen auf US-Ziele ausgerichtet

Die Luft- und Raumfahrteinheit der Islamischen Revolutionsgarde erklärte am 9. Mai öffentlich, ihre Raketen und Drohnen seien auf amerikanische Ziele gerichtet und warteten auf den Schießbefehl. Fünf Tage zuvor hatte Trump mit „Project Freedom“ angekündigt, die Durchfahrt durch Hormus mit 15.000 Soldaten zu erzwingen.

10. Mai 2026, 7:08 Uhr 791 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Die Drohung war so präzise wie bei keiner früheren Eskalation: Eine iranische Eliteeinheit benannte am Freitag öffentlich Raketen, Reichweiten und Ziele und stellte klar, dass nur noch der Schießbefehl fehlt. Die formale Bereitschaftserklärung der IRGC-Luft- und Raumfahrteinheit ist die direkte Antwort auf Trumps Operation "Project Freedom" vom 4. Mai. Beide Seiten haben damit ihre Eskalationsschwellen so explizit benannt, dass jede militärische Fehleinschätzung in den nächsten Tagen einen offenen Schlagabtausch auslösen kann. Der Iran-Krieg, vor gut zwei Monaten mit US-israelischen Luftschlägen begonnen, betritt damit eine neue Phase.

Project Freedom: Trumps Kalkül und Irans Reaktion

Am 4. Mai kündigte Trump an, die USA würden internationale Handelsschiffe mit einer Militäreskorte durch die Straße von Hormus geleiten. Die Operation sollte mit 15.000 Soldaten und über 100 Kampfflugzeugen abgesichert werden. Gleichzeitig behauptete Trump, die Waffenruhe vom 8. April sei weiterhin in Kraft. Iran verstand Project Freedom als direkten Versuch, die eigene Kontrolle über die Meerenge zu brechen und reagierte unmittelbar.

Brigadier General Ali Abdollahi, Kommandeur des militärischen Zentralstabes Khatam ol Anbia, erklärte, jede ausländische Streitkraft, „insbesondere das aggressive Militär Amerikas“, die in die Enge einfahre, werde angegriffen. Hintergrund ist die am 5. Mai gegründete Persian Gulf Strait Authority (PGSA), eine staatliche Behörde, die seitdem Durchfahrtsgenehmigungen für die Straße von Hormus ausstellt. Das US-Finanzministerium hatte bereits am 1. Mai gewarnt, dass Zahlungen an die PGSA amerikanische Sanktionen auslösen. Reedereien stecken damit in einem rechtlichen Dilemma: kein Transit ohne iranische Genehmigung, aber Sanktionsrisiko bei deren Bezahlung.

Von der Drohung zur Bereitschaftsmeldung

Der qualitative Unterschied zu früheren iranischen Erklärungen liegt in der Spezifität. IRGC-Sprecher Ebrahim Zolfaghari beschrieb die US-Streitkräfte als „aggressiv, terroristisch und gesetzlos“ und kündigte eine „vernichtende Antwort auf jeden Akt der Aggression ohne das geringste Zögern“ an. Die Marinekomponente der Revolutionsgarde präzisierte: Ein Angriff auf iranische Schiffe würde „einen massiven Schlag gegen eines der amerikanischen Zentren in der Region“ auslösen. Die Luftkomponente erklärte schließlich, ihre Raketen und Drohnen seien „auf den Feind gerichtet“ und warteten auf den Schießbefehl.

Der Unterschied zwischen Drohung und Bereitschaftsmeldung ist militärisch relevant. Frühere iranische Erklärungen beschrieben Fähigkeiten oder Absichten: Wir können antworten, wir werden antworten. Die Erklärung vom 9. Mai beschreibt einen technischen Zustand: Die Waffe ist geladen, gerichtet und entsichert. Ob militärische Praxis oder politisches Signal dahintersteckt, macht aus Sicht der amerikanischen Kommandostruktur wenig Unterschied. Es erzwingt erhöhte Alarmbereitschaft auf beiden Seiten.

Eine Woche der parallelen Eskalation

Die Ereignisse zwischen dem 5. und 9. Mai zeigen, wie beide Seiten gleichzeitig eskalieren und gleichzeitig behaupten, die Waffenruhe zu wahren. Am 5. Mai feuerte Iran 12 ballistische Raketen, drei Marschflugkörper und vier Drohnen auf US-Kräfte in der Meerenge ab, alle wurden abgefangen. Gleichzeitig trat die PGSA-Genehmigungspflicht in Kraft. Am 7. Mai griffen iranische Kräfte die Zerstörer USS Truxtun, USS Rafael Peralta und USS Mason an, keines der Schiffe nahm Schaden. Am 8. Mai beschoss ein F/A-18-Kampfjet der US-Marine die Tanker M/T Sea Star III und M/T Sevda mit Präzisionsmunition und setzte beide außer Gefecht; Iran meldete zehn Verletzte und fünf Vermisste. Am 9. Mai folgte die Bereitschaftsmeldung der IRGC-Luftkomponente.

Trump bestand während dieser Woche darauf, die Waffenruhe sei in Kraft. Außenminister Marco Rubio erklärte am 9. Mai, er erwarte Irans formelle Antwort auf das US-Friedensmemorandum noch am selben Tag. Diese Antwort blieb aus. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, der als enger Vertrauter der Revolutionsgarde gilt, hatte das amerikanische Papier bereits öffentlich als einseitige Wunschliste abgelehnt.

40 Nationen warten, Rubio ohne Antwort

Parallel zur militärischen Eskalation bereitet eine Koalition aus 40 Nationen unter britisch-französischer Führung eine Geleitschutzoperation für die Straße von Hormus vor. Großbritannien verlegte den Zerstörer HMS Dragon aus dem östlichen Mittelmeer in die Region; das Schiff wartet auf seinen Einsatz. Aktiviert wird die Operation erst bei einem Ende der Kampfhandlungen. Der multilaterale Versuch, den Seeverkehr zu normalisieren, hängt damit von einem Verhandlungsergebnis ab, das bislang nicht in Sicht ist.

Die Revolutionsgarde hat strukturell wenig Anreiz nachzugeben. Ihre Kontrolle über die Meerenge gibt ihr Druckmittel, die ohne Hormusblockade nicht existieren würden. Jede Verhandlungslösung, die PGSA abschafft und die Meerenge für ungehindertes internationales Schifffahrtsrecht öffnet, schwächt diese Position. Rubio hat seinen nächsten Schritt noch nicht benannt. Bei anhaltend ausbleibender Antwort aus Teheran dürfte Washington mit neuen Sanktionsrunden reagieren, wie es bei früheren Deadlines dieser Art der Fall war.

Update 11. Mai, 07:00 Uhr: Was die IRGC-Luftkomponente am 9. Mai als technische Bereitschaft beschrieben hatte, hat sich seither in tatsächlichen Angriffen konkretisiert. Iranische Streitkräfte setzten Raketen, Drohnen und Schnellboote gegen drei US-Kriegsschiffe ein, die Straße von Hormus in Richtung Golf von Oman passierten. Nach US-Militärangaben wurden die Angreifer zerstört, die Schiffe blieben unbeschädigt. Teheran verschärfte zugleich seine Blockadedrohung und droht mit dauerhafter Sperrung der Meerenge, durch die täglich rund 20 Millionen Barrel Öl fließen. Die US-Marine beschlagnahmte in den Tagen zuvor mindestens zwei iranische Öltanker. Trotz aller Gefechte behaupten beide Seiten formal, die Waffenruhe einzuhalten.

Quellen (11)

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