USA stoppen sechsten Tanker, Iran greift Golfstaaten an
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USA stoppen sechsten Tanker, Iran greift Golfstaaten an

Iran beschoss am 2. und 3. Juni Bahrain und Kuwait mit ballistischen Raketen. Alle wurden abgefangen. Gleichzeitig traf eine US-Hellfire-Rakete den Öltanker M/T Lexie, das sechste Schiff das die US-Navy seit ihrer Seeblockade stoppte. Der Iran-Konflikt weitet sich geografisch aus.

3. Juni 2026, 8:45 Uhr 936 Wörter · 5 Min. Lesezeit

Trumps selbst gesetzte Frist für einen Deal mit Iran läuft am 8. Juni ab. Bis dahin dreht sich die Eskalationsschleife weiter: US-Streitkräfte stoppten am 2. Juni den leeren Öltanker M/T Lexie mit einer Hellfire-Rakete, das sechste Schiff seit Beginn der Seeblockade am 13. April, während Iran gleichzeitig Militärbasen in Kuwait und Bahrain mit Raketen beschoss. Alle Geschosse blieben wirkungslos, der Konflikt dehnt sich geografisch aber weiter aus.

Sechs Tanker in sieben Wochen

Seit das US-Militär am 13. April 2026 eine formelle Seeblockade gegen Iran verhängte, haben amerikanische Streitkräfte sechs Handelsschiffe außer Gefecht gesetzt und 122 weitere Tanker zur Umkehr gedrängt, berichtete Stars and Stripes unter Berufung auf CENTCOM-Daten. Die M/T Lexie ist das sechste dieser Schiffe.

Der unter botswanischer Flagge fahrende Öltanker war ohne Ladung auf dem Weg nach Kharg Island, Irans bei weitem wichtigstem Ölexportterminal. Rund 90 Prozent des iranischen Rohölexports laufen über diesen Pier vor der Küste der Provinz Buschehr. Die Crew ignorierte nach US-Angaben über 24 Stunden wiederholte Warnmeldungen, nicht weiterzufahren. Am 2. Juni feuerte ein US-Kampfjet eine Hellfire-Rakete auf den Maschinenraum des Schiffes. Die Rakete traf und setzte das Schiff außer Betrieb. CENTCOM veröffentlichte Videoaufnahmen des Treffers, berichtete Gulf News.

Die Blockade richtet sich damit nicht nur gegen Tanker, die iranisches Öl exportieren wollen, sondern auch gegen Schiffe, die Irans Ölinfrastruktur als Ziel ansteuern. Die Lexie hatte keinen Liter Öl an Bord. Der Hellfire-Angriff verhinderte, dass das Schiff überhaupt laden konnte.

Raketen auf Bahrain, Drohnen auf Kuwait

Parallel zu dem Tankerangriff schlug Iran mit ballistischen Raketen und Drohnen auf Kuwait und Bahrain ein. Zwei ballistische Raketen Richtung Kuwait blieben wirkungslos: Sie zerfielen laut CNN vor dem Ziel oder wichen aus dem Kurs. Drei weitere Raketen Richtung Bahrain wurden von US-amerikanischen und bahrainischen Luftabwehrsystemen abgefangen, berichtete Gulf News. Eine weitere Drohnenwelle gegen US-Truppen in Kuwait schlugen amerikanische Abfangsysteme ebenfalls ab, meldete The War Zone.

Irans staatlicher Sender IRIB berichtete zunächst, die Geschosse hätten US-Militäreinrichtungen in Kuwait direkt getroffen. CENTCOM widersprach dieser Darstellung explizit und sprach von "erfolgreich abgewehrten Bedrohungen". Aus Kuwait wurden keine Todesopfer und keine Schäden an kritischer Infrastruktur gemeldet.

Warum Iran jetzt Golfstaaten ins Visier nimmt

Der geografische Kontext macht die strategische Logik dieser Angriffe deutlich. Bahrain ist der Heimatstützpunkt der US-Fünften Flotte, die gesamte Überwachung des Persischen Golfs und des Arabischen Meers koordiniert. Kuwait beherbergt nach US-Militärangaben mehrere Tausend US-Soldaten auf seinen Stützpunkten. Beide Länder sind für die US-Kriegsführung im Iran-Konflikt operativ unverzichtbar.

Iran kann die US-Marine nicht direkt besiegen, die amerikanische Feuerkraft ist zu dominant. Aber Iran kann den Preis für US-Verbündete in der Region erhöhen. Wenn Kuwait und Bahrain unter Dauerbeschuss leiden, entsteht politischer Druck auf die Regierungen in Kuwait-Stadt und Manama, die enge militärische Zusammenarbeit mit Washington zu überdenken. Die Angriffe sind militärisch begrenzt, politisch aber kalkuliert.

Hinzu kommt: Iran hat den Gesprächsabbruch vom 1. Juni auch mit Israels laufenden Operationen im Libanon begründet, berichtete CNN. Teheran demonstriert, dass es seine Ressourcen auf mehrere Schauplätze gleichzeitig verteilen kann. Auch wenn Drohnen und Raketen abgefangen werden, erzwingt das bei Gegnern dauerhaft hohe Alarmbereitschaft.

Kritiker des US-Vorgehens stellen die Rechtsgrundlage für den Hellfire-Angriff auf die Lexie infrage. Das UN-Seerechtsübereinkommen (UNCLOS) garantiert Handelsschiffen freie Durchfahrt in internationalen Gewässern. Die Lexie fuhr unter botswanischer Flagge, war unbewaffnet und transportierte keine Militärgüter. Die International Crisis Group beschreibt die Seeblockade als rechtlich umstrittenes Instrument, das im Widerspruch zu UNCLOS-Garantien stehen könnte.

5 Prozent Durchfahrt, Verhandlungen ausgesetzt

An den Zahlen zeigt sich, wie stark die Hormusblockade den Schiffsverkehr drosselt. Laut Wikipedia-Daten zur Hormus-Krise 2026 läuft derzeit rund fünf Prozent des normalen Verkehrs durch die Meerenge. Im Normalbetrieb passieren täglich rund 21 Millionen Barrel Öl diese Wasserstraße, ein Fünftel des weltweiten Ölseehandels.

Iran hat nach Angaben von CNBC die Kommunikation mit Waffenstillstandsvermittlern ausgesetzt. Parallel liegt das überarbeitete US-Memorandum vor, das nach Axios-Berichten die Übergabe von 400 Kilogramm angereichertem Uran an Washington sowie den vollständigen Abbau aller Urananreicherungskapazitäten verlangt. Iran hat diese Bedingungen als inakzeptabel zurückgewiesen.

Trump erklärte am 1. Juni, ein Deal sei "über die nächste Woche" erreichbar. Das war vor den Raketenangriffen auf Kuwait und Bahrain, vor dem Hellfire-Angriff auf die Lexie und bevor Iran alle Vermittlerkontakte abbrach.

Trumps Wochenfrist läuft bis zum 8. Juni

Die vom US-Präsidenten selbst gesetzte Frist läuft bis ungefähr 8. Juni. Das Muster der vergangenen Tage ist stabil: Jeder Hellfire-Treffer auf einen Tanker zieht einen iranischen Gegenschlag nach sich. Jeder Gegenschlag auf Kuwait oder Bahrain erzeugt einen US-Luftangriff auf iranische Radar- und Drohneninfrastruktur. Beide Seiten schlagen aufeinander ein und erklären gleichzeitig, die Waffenruhe zu respektieren.

Vermittler aus Pakistan und Oman versuchen nach Berichten der International Crisis Group, den Gesprächskanal wiederherzustellen. Das überarbeitete US-Memorandum mit seinen weitreichenden Atomanforderungen macht das schwieriger. Wie der Weg aus dieser Eskalationsschleife aussieht, hat bislang keine der beteiligten Parteien konkret beschrieben.

Update 4. Juni, 17:07 Uhr: Ein internes Pentagon-Assessment beziffert den wirtschaftlichen Schaden für Iran: Zwischen dem 13. April und dem 1. Mai 2026 verlor die Islamische Republik 4,8 Milliarden Dollar an Ölexporteinnahmen. Gleichzeitig steckten 31 iranische Tanker mit insgesamt 53 Millionen Barrel Rohöl im Golf fest, ohne abladen oder weiterfahren zu können. Ökonomen von Oxford Economics schätzen, dass die fortgesetzte Blockade bis zu 70 Prozent von Irans Exporteinnahmen gefährdet. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert für 2026 eine Schrumpfung der iranischen Wirtschaft um 6,1 Prozent bei gleichzeitiger Inflation von 68,9 Prozent.

Quellen (18)

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