Kehrtwende: Trump stoppt Iran-Angriffe, Deal in Sicht
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Kehrtwende: Trump stoppt Iran-Angriffe, Deal in Sicht

Zwölf Stunden nach seiner Ankündigung massiver Bombardements bläst Trump die geplanten Iran-Angriffe ab. Ein Deal sei konzeptionell vereinbart, sagt er. Iran bestreitet das.

12. Juni 2026, 0:39 Uhr 762 Wörter · 4 Min. Lesezeit

Am Donnerstagmorgen schrieb US-Präsident Donald Trump auf Truth Social, die USA würden Iran „VERY HARD TONIGHT” treffen. Am Donnerstagabend schrieb er auf demselben Kanal, er habe die Angriffe abgesagt, weil die Gespräche mit Teheran auf die höchste Führungsebene gebracht worden seien und erklärte einen Friedensdeal für konzeptionell vereinbart. Ein hochrangiger iranischer Unterhändler widersprach sofort: Weder ein Rahmenabkommen noch ein Memorandum of Understanding sei bisher vereinbart worden.

Drohung und Absage im Abstand von zwölf Stunden

Am Donnerstagvormittag hatte Trump geschrieben, die USA würden Iran „VERY HARD TONIGHT” treffen. Kurz darauf erklärte er gegenüber Fox News, die Parteien verhandelten noch immer. Am Donnerstagabend veröffentlichte er auf Truth Social: „Auf Grundlage der Tatsache, dass die Gespräche mit der Islamischen Republik Iran auf die höchste Ebene der iranischen Führung gebracht und von ihr genehmigt wurden, habe ich die geplanten Angriffe und Bombardements gegen Iran für heute Abend abgesagt.”

Auf die Frage von Journalisten, ob auch die Atomwaffenfrage geregelt sei, antwortete Trump: „Ja, konzeptionell.” Er schrieb weiter, die Vereinbarung sei von allen Beteiligten gebilligt worden, einschließlich Israel und neun weiteren Regionalmächten. Eine Unterzeichnung werde „bald” bekannt gegeben, „vielleicht in Europa”. Bloomberg nannte die Ankündigung die jüngste in einer Abfolge von Kursänderungen, die sich innerhalb weniger Stunden kontradizierten. Fox News beschrieb Trumps Strategie als Test, ob Teheran angesichts der Drohung einlenkt.

Iran bestreitet jedes Abkommen

Ein hochrangiger iranischer Unterhändler, der mit den Gesprächen vertraut ist, widersprach Trumps Darstellung gegenüber dem US-Sender MS NOW. Weder ein Memorandum of Understanding noch ein verbindliches Rahmenabkommen sei vereinbart worden. Eine offizielle Stellungnahme der iranischen Regierung blieb bis Donnerstagabend aus.

Katarische Vermittler waren am Mittwoch in Teheran eingetroffen, um die letzten Streitpunkte vor einer möglichen Einigung zu klären. Katar gilt als einer der wenigen Gesprächskanäle zwischen Washington und Teheran, seit die Direktgespräche in Islamabad Mitte April scheiterten. Außenminister Abbas Araghtschi hatte zuletzt gegenüber dem Handelsblatt die iranischen Kernforderungen bekräftigt und keinerlei Signal für eine Annäherung beim Atomprogramm gegeben.

12 bis 24 Milliarden Dollar als Schlüssel

Im Kern der Verhandlungen stehen drei Punkte: die Öffnung der Straße von Hormus, das iranische Nuklearprogramm und die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögen. Laut übereinstimmenden Berichten von Al Jazeera und US-Nachrichtenmedien verlangt Teheran zwischen 12 und 24 Milliarden Dollar, die seit Jahren in ausländischen Konten blockiert sind. Der Plan sieht vor, die Hälfte bei Vertragsunterzeichnung freizugeben und den Rest später. Trump hatte erklärt, eingefrorene Gelder erst nach einem „dauerhaften Waffenstillstand” freizugeben.

Die wirtschaftliche Bedeutung einer Einigung ist kaum zu überschätzen. Die Internationale Energieagentur bezeichnete die seit April andauernde Hormusblockade als größte Öllieferstörung in der Geschichte des Weltmarkts. Das US-Zentralkommando CENTCOM hat seit Beginn der Blockade acht Handelsschiffe im Golf von Oman außer Gefecht gesetzt, zwei davon an aufeinanderfolgenden Tagen in dieser Woche. Beim Einsatz gegen den Tanker M/T Settebello am 9. Juni kamen drei indische Seeleute ums Leben. Brent-Rohöl notiert derzeit bei rund 112 Dollar pro Barrel.

Revolutionsgarden als strukturelle Unbekannte

Selbst wenn Trumps Darstellung eines konzeptionellen Durchbruchs der Wahrheit entspräche, bliebe ein strukturelles Problem bestehen: Die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC), die Blockade der Hormusstraße faktisch durchsetzen, unterstehen nicht dem Präsidenten oder dem Außenminister, sondern dem Obersten Führer. Nach dem Tod von Ali Khamenei zu Kriegsbeginn im Februar 2026 ist diese Kommandostruktur ungeklärt. In der Vergangenheit hatten die Revolutionsgarden Operationen fortgesetzt, während politische Unterhändler gleichzeitig Verhandlungen führten.

Für Deutschland und Europa hat der Ausgang der Verhandlungen direkten wirtschaftlichen Einfluss. Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute senkten im Frühjahr 2026 ihre Gemeinschaftsprognose für Deutschland auf 0,6 Prozent und warnten vor einer Rezession bei dauerhafter Blockade. Bundesaußenminister Johann Wadephul hatte bei der NVV-Überprüfungskonferenz in New York mehr UN-Engagement für eine diplomatische Lösung gefordert.

Unterzeichnung in den nächsten Tagen?

Trump erwartet laut eigenen Angaben eine Unterzeichnung in wenigen Tagen, „vielleicht in Europa”. Der genaue Ort blieb offen. Sollte bis Freitag kein verbindliches Framework vorliegen, dürfte die Drohung weiterer Angriffe erneut aktiviert werden. Trump hatte sie für den Fall eines Scheiterns mehrfach wiederholt und zuletzt sogar damit gedroht, die iranischen Öl- und Gasfelder einschließlich der Kharg-Insel zu übernehmen.

Irans Verhandlungsführer hat keine Unterzeichnung bestätigt und keine öffentlichen Erklärungen zu Trumps Ankündigung abgegeben. Ob es sich um einen echten Durchbruch oder einen weiteren taktischen Schachzug im Verhandlungspoker handelt, dürfte sich in den nächsten 24 bis 48 Stunden zeigen.

Quellen (13)

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